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Radevormwald: So war die Nacht des Wupper-Hochwassers

Hochwasser-Nacht in Radevormwald : Der Tag, an dem die Talsperre überlief

Das schwerste Hochwasser seit Menschengedenken trifft die Wupperorte mit voller Wucht. Einsatzkräfte waren bis zum Morgen im Einsatz.

Eine solche Hochwasser-Nacht haben die Wupperorte in Radevormwald seit Menschengedenken nicht erlebt. Die extremen Regenfälle am Mittwoch führten dazu, dass sich ab dem Abend die Lage an der Wupper-Talsperre und den unterhalb liegenden Ortschaften immer dramatischer entwickelte. Schließlich lief die Wupper-Talsperre über, was bedeutet, das Wasser stieg über den Pegel des Hochwasser-Überlaufs. Der Fluss schwoll an, es kam zu Überflutungen in den unterhalb der Staumauer liegenden Ortschaften.

Trotz der großen Schäden durch das Hochwasser konnte die Stadtverwaltung am Donnerstag zumindest diese gute Nachricht verkünden: Nach bisherigen Erkenntnissen ist kein Mensch zu Schaden gekommen.

Damit das Schlimmste nicht eintrat, waren in der Nacht mehr als 100 Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Einsatz. Nachdem der Tag in Radevormwald zunächst trotz starken Regens ohne größere Einsätze verstrichen war, wurde die Lage ab dem Nachmittag zunehmend ernst. In Folge gingen laut der Feuerwehr 52 Einsatzalarmierungen ein, 50 davon konnten zwischen 16 und 22.15 Uhr abgearbeitet werden. Eine der wichtigsten Aufgaben war es, die Bevölkerung zu warnen. „Wir hörten Durchsagen der Feuerwehr“, berichtet ein Anwohner aus Vogelsmühle. Zunächst wurden die Bürger aufgefordert, Autos und andere Fahrzeuge auf höheres Terrain umzuparken. Stand der Dinge war um 22 Uhr, dass der Wupperverband eine große Menge Wasser aus der Wupper-Talsperre ablassen müsse, daher werde die Wupper sehr stark anschwellen. Nach 23 Uhr schließlich ging die Meldung der Leitstelle heraus, dass der gefährdete Bereich am Ufer der Wupper umgehend verlassen werden müsse – es bestehe Lebensgefahr, denn das Wasser könne durch die Staumauer nicht mehr aufgehalten werden.

 Das Wasser schoss die Hänge runter und suchte sich seinen Weg.
Das Wasser schoss die Hänge runter und suchte sich seinen Weg. Foto: Michael in't Zandt
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Gegen zwei Uhr hörten Anwohner im Tal der Wupper einen Hubschrauber, der über den Gefahrengebiet kreiste. Etwa vier Stunden lang in der Frühe sei die Ortschaft ohne Strom gewesen – kein Stromausfall, wie die Verwaltung am Tag darauf mitteilte, sondern eine bewusste Entscheidung: Wuppermarkt und Wülfing-Gelände sind von den Eigentümern oder den Vertretern der Eigentümer auf deren Verantwortung nach Absprache mit der Feuerwehr zeitweilig stromlos geschaltet worden.

 Tosende Wassermassen am Überlauf der Wupper-Talsperre.
Tosende Wassermassen am Überlauf der Wupper-Talsperre. Foto: Jürgen Moll

Die Stadtverwaltung hatte um 21.15 Uhr einen Krisenstab eingerichtet, in der Grundschule Wupper auf der Brede wurde eine Evakuierungsstelle eingerichtet. Rund 53 Einwohner wurden dort betreut, andere Betroffene kamen bei Verwandten oder Bekannten unter. Helfer der Malteser und des Roten Kreuzes stellten Feldbetten auf. Zwei Busse des Unternehmens „Radevormwalder“, deren Fahrer die Stadt zur Hilfe gerufen hatte, standen bereit, um Menschen zur Grundschule zu bringen.

 In Vogelsmühle standen Garagen knietief unter Wasser.
In Vogelsmühle standen Garagen knietief unter Wasser. Foto: Michael in't Zandt

„Wir hatten vier Abschnitte gebildet, in denen unsere Einsatzkräfte patroullierten“, berichtet Dietmar Hasenburg, Wehrführer der Löscheinheiten in Radevormwald. Personenrettungen waren zum Glück nicht nötig, die Anwohner des Wupperufers konnten eigenständig ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Bis acht Uhr morgens waren die Einsatzkräfte im Einsatz. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört.

Dabei hatte der Mittwoch in Radevormwald vergleichsweise glimpflich begonnen. Während in Hückeswagen bereits Land unter war, blieb es bis zum späten Nachmittag in der Bergstadt ruhig. „Dann ging es aber richtig ab“, sagt der Wehrführer. Die erste Herausforderung für die Einsatzkräfte stellte sich in der Ortschaft Oberste Mühle, wo in zwei Gebäuden die Keller voll liefen. Es war leider nur der Auftakt.

Der Wupperverband lud am Donnerstagnachmittag die Medien zu einer Videokonferenz ein. Vorstand Georg Wulf erklärte: „Das hat es in dieser extremen Form noch nie gegeben.“ Teilweise seien 140 Liter pro Quadratmeter gefallen, „das ist ein Zehntel des gesamten Jahresniederschlages“. Es handle sich um eine historische Hochwasser-Katastrophe, die ohne das Talsperren-System noch weitaus schlimmer ausgefallen wäre, erklärte Wulf. „Wir haben aber noch keinen hundertprozentigen Überblick der Schäden, gerade was die kleineren Gewässer angeht.“ Wie die Einsatzkräfte der Feuerwehr seien auch die Mitarbeiter des Wupperverbandes „rund um die Uhr im Einsatz“ gewesen.

Radevormwalds Bürgermeister Johannes Mans dankte am Donnerstag allen Einsatzkräften von Freiwilliger Feuerwehr, von Hilfsorganisationen und aus der Verwaltung „für deren Hilfe und Unterstützung und der Bevölkerung für die Besonnenheit während der schwierigen Lage in der Nacht und am Morgen“.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Lage nach dem Hochwasser in Radevormwald