Örtliche Planung für Radevormwald Gute Pflege-Situation – zumindest laut Statistik

Radevormwald · In der aktuellen „Örtlichen Planung“ für den Oberbergischen Kreis steht Radevormwald bei der Versorgung mit Pflegeplätzen gut da, zumindest wenn man den statistischen Auswertungen vertraut. Doch vor Ort gibt es trotzdem noch Bedarf, vor allem bei der Kurzzeitpflege.

Mit drei vollstationären Einrichtungen steht Radevormwald im Kreisvergleich gut da. Aber wie Kyra Springer vom Trägerverein „aktiv55plus“ berichtet, kommen Engpässe bei der Suche nach Pflegeplätzen durchaus vor.

Mit drei vollstationären Einrichtungen steht Radevormwald im Kreisvergleich gut da. Aber wie Kyra Springer vom Trägerverein „aktiv55plus“ berichtet, kommen Engpässe bei der Suche nach Pflegeplätzen durchaus vor.

Foto: dpa/Christoph Schmidt

Wie ist Radevormwald beim Thema Pflege aufgestellt? Was läuft gut, was könnte besser werden? Und wie wird sich die Situation in den nächsten Jahren entwickeln?

Aktuelle Informationen zu diesen Fragen hat der Oberbergische Kreis in seiner aktuellen „Örtlichen Planung“ vorgelegt. In dem neuen Bericht für 2023/24 wird nicht nur die allgemeine Lage im Kreis dargestellt, sondern auch die einzelnen Kommunen nach den Angeboten und Strukturen unter die Lupe genommen. Über Radevormwald vermeldet der Bericht Gutes, macht aber auch Anmerkungen darüber, was künftig noch an Angeboten wünschenswert sei.

Die Bergstadt verfügt aktuell über drei vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 292 Plätzen. Hinzu kommen zwei Wohngemeinschaften mit Pflege- und Betreuungsleistungen mit 35 Plätzen. Einen Mangel bei Pflegeplätzen sieht man beim Kreis vor Ort nicht: „Mit der vorhandenen Platzzahl von insgesamt 327 Plätzen im Bereich der 24-h-Betreuung wird der aktuelle Bedarf gedeckt.“

Als erfreulich vermerkt wird, dass in einer der stationären Pflegestationen zehn separate Kurzzeitpflegeplätze geschaffen wurden. Weil es aber generell im Kreisgebiet an solchen Plätzen mangelt, kann der bestehende Bedarf nicht abgedeckt werden. „Zudem ist hier zu berücksichtigen, dass diese Plätze auch von Bewohnern außerhalb der Grenzen Radevormwalds belegt werden“, heißt es.

Was weitere ambulante und teilstationäre Angebote betrifft, ist Radevormwald insgesamt gut aufgestellt, resümieren die Kreis-Experten. „Es fällt aber auf, dass sich die Angebote auf das Stadtzentrum Radevormwald beschränken und insbesondere im Bereich um Dahlerau wenig Angebote vorhanden sind. Bei weiteren Planungsvorhaben wäre daher eine stärkere Berücksichtigung der Nebenzentren wünschenswert.“

In der Örtlichen Planung wird auch ein Ausblick gegeben, wie die Zahl der Pflegebedürftigen sich in Radevormwald bis 2035 entwickeln wird. Wenig überraschend: Die Zahlen werden steigen, und zwar von 1529 im Jahr 2021 auf voraussichtlich 1673 Personen im Jahr 2035. Das ist ein Anstieg um 144 Personen beziehungsweise um neun Prozent.

Vergleicht man das mit anderen Kommunen im Kreis, so zeigt sich, das der Anstieg eher gering ist. In Wipperfürth etwa, von der Bevölkerungszahl mit Radevormwald vergleichbar, wird mit einem Anstieg der Pflegebedürftigen bis 2035 um 16 Prozent gerechnet. In Waldbröl sind es sogar 30 Prozent.

In Radevormwald gibt es bei dieser Entwicklung noch eine Besonderheit. Die Bergstadt ist eine der wenigen Kommunen, bei denen ein Rückgang der Einwohner ab 80 Jahren erwartet wird. „Dies hat natürlich einen großen Einfluss auf die Entwicklung der vollstationären Versorgung“, heißt es beim Kreis.

Im Jahr 2035 wird der Anteil der Pflegebedürftigen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren entsprechend größer werden. Geschätzt wird mit 583 Personen in dieser Gruppe, die Pflegebedürftigen über 80 Jahren werden dann auf 1090 geschätzt. 2021 waren es 1100, diese Altersgruppe schrumpft also in den nächsten Jahren.

„Wir reden hier allerdings von einem Unterschied von zehn Personen, also ist der Effekt nur gering“, gibt Kyra Springer zu denken. Sie ist die Koordinatorin des Trägervereins „aktiv55plus“, der in Radevormwald die Pflegeberatung übernimmt. In Gesprächen mit Ansprechpartnerinnen beim Kreis habe sie gehört, dass Radevormwald mit seinen drei Seniorenheimen tatsächlich gut aufgestellt sei.

Das bedeute aber nicht, dass es für Senioren in der Bergstadt nicht auch Probleme geben kann, wenn Pflege gesucht wird. „Rein statistisch betrachtet stehen wir hier gut da“, erklärt Springer. „Aber hier vor Ort bekommen wir regelmäßig mit, dass es einen großen Bedarf bei Plätzen für Kurzzeitpflege gibt.“ Und auch bei der stationären Pflege komme es immer wieder vor, dass Betroffene händeringend einen Pflegeplatz suchen und dann in eine entfernte Kommune ausweichen müssen.

Im gesamten Oberbergischen Kreis gibt es 44 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 3315 Pflegeplätzen. Während Radevormwald drei Einrichtungen hat, gibt es beispielsweise in Hückeswagen oder Marienheide nur eine.

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