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Radevormwald: So müssen sich Fahrer bei Wildunfällen verhalten

Straßenverkehr in Radevormwald : Im Herbst häufen sich die Wildunfälle

Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung müssen Fahrer mit Tieren rechnen, die auf die Straße laufen, warnt die Polizei. Kam es zur Kollision, müssen oft Jägerinnen und Jäger wie Claudia Möllney ausrücken.

Der Vorfall passierte vor zwei Jahren in der Nähe der Ortschaft Jakobsholt, im Norden der Stadt. Ein Rehbock war in ein Auto gelaufen. Als Claudia Möllney, Jägerin und Sprecherin der Hegegemeinschaft Radevormwald, zum Schauplatz des Unglücks gerufen wurde, musste sie feststellen, dass das schwer verletzte Tier noch lebte. Der unbekannte Fahrer hatte sich entfernt und den Rehbock einfach liegen lassen.

Damit es nicht zu solchen Unglücken kommt, macht die oberbergische Polizei zum Herbstbeginn noch einmal klar, worauf Autofahrer achten müssen. „In den vergangenen Tagen hat es im Kreisgebiet bereits die ersten Unfälle mit Wild gegeben“, teilt Polizeihauptkommissarin Monika Treutler mit. Die Sprecherin der Kreispolizei erklärt: „Vor allem in den Morgen- und Abendstunden sollten Autofahrer zurzeit besonders vorsichtig sein. Denn dann ist die Gefahr besonders hoch, dass Wildtiere wie Reh, Wildschwein und Hase die Straße kreuzen.“ Wildtiere kennen keine Regeln, sie müssen über Straßen wandern, um zu fressen oder Partner zu finden.

Joachim Höller, Leiter der Verkehrsdirektion der Kreispolizeibehörde, gibt den Verkehrsteilnehmern folgende Tipps für das richtige Verhalten, um Wildunfälle zu vermeiden oder im Unglücksfall richtig zu reagieren: „Fahren Sie in den ländlichen und waldreichen Gegenden in den kommenden Wochen besonders vorsichtig. Ist ein Verkehrszeichen Wildwechsel aufgestellt, ist die Gefahr besonders hoch. Die Hinweisschilder werden an gefährdeten Stellen mit häufigem Wildwechsel aufgestellt und sollten ernst genommen werden. Wenn plötzlich ein Tier auf der Straße auftaucht, nicht ausweichen, sondern kontrolliert abbremsen und notfalls einen Zusammenstoß in Kauf nehmen. Rechnen Sie bei Wildwechsel immer mit Nachzüglern – ein Tier kommt selten alleine.“

Wenn es zu einer Kollision mit einem Wildtier gekommen ist, sollte man sich auf keinen Fall so verantwortungslos verhalten wie der Autofahrer bei Jakobsholt vor zwei Jahren. Zunächst sollte man die Unfallstelle sofort und richtig absichern, das heißt: die Warnblinkanlage des Autos anschalten, die Warnweste überziehen und das Warndreieck aufstellen. Dann die Polizei über den Notruf 110 verständigen – dies ist bei Unfällen mit so genanntem Schalenwild (Rehe, Hirsche und Wildschweine) vorgeschrieben. Sollte ein Schaden am Fahrzeug entstanden sein, sollte der Fahrer eine Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung durch Polizei oder den Inhaber des Reviers ausstellen lassen.

Claudia Möllney und andere Jäger müssen im Fall eines Wildunfalls regelmäßig ausrücken. „Alle Jagdpächter oder -aufseher haben ihre Telefonnummern bei der Polizei hinterlegt, die Beamten haben zudem eine Übersicht der Reviere“, erläutert sie. Es komme zum Beispiel vor, dass ein schwer verletztes Tier noch in den Wald flieht. „In diesem Fall markiert die Polizei die Stelle mit einem Pfeil, wir suchen dann mit unseren Hunden nach dem Tier.“ Erst vor kurzem habe es an der B 483 einen solchen Fall gegeben – ein Reh schleppte sich mit gebrochenen Läufen noch davon. Das Tier wurde dann von seinen Leiden erlöst.

Damit solche Unfälle gar nicht erst passieren, waren im Jahr 2011 entlang der Straßen rund 900 blaue Reflektoren angebracht worden. Diese sollten eine Art Lichtbarriere bilden und Wildtiere abschrecken. Doch hat die Aktion die Zahl der Unfälle nicht so deutlich gesenkt wie ursprünglich erwartet. Deshalb sei allen Verkehrsteilnehmern weiter ans Herz gelegt: In Waldgebieten aufmerksam und nicht zu schnell fahren.