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Radevormwald: So lebten die Menschen im alten Süden der Stadt

Historie von Radevormwald : So lebten die Menschen im alten Rader Süden

Die neue Publikation des Geschichtsverein über Rader Ortschaften ist ab sofort erhältlich. Am Montag wurde das Buch vorgestellt. Wolfgang Motte, Ehrenvorsitzender des BGV Radevormwald, hat jahrelang über das Thema geforscht.

Drei Ortschaften mit „K“– Kattenbusch, Kirschsiepen, Kaffekanne – stehen im Mittelpunkt der neuen Publikation des Bergischen Geschichtsvereins in Radevormwald. Wolfgang Motte, Pfarrer i. R. und fleißiger Chronist der Geschichte der Bergstadt, hat sich über Jahre hinweg mit der Historie der drei Weiler beschäftigt, in denen noch heute einiges Historisches zu bewundern ist.

Am Montag stellten Vorstandsmitglieder der Radevormwalder Abteilung des Geschichtsvereins die neue Veröffentlichung ganz stilecht vor – nämlich im rund 300 Jahre alten Hofgebäude von Kattenbusch.

Der Ort wurde bereits in der „Topographia Ducatus Montani“ im Jahr 1715 als „Cattenbusch“ verzeichnet, im 19. Jahrhundert fand sich auf Karten auch die Bezeichnung „Katzenbusch“. Heute liegt der Hof unmittelbar an der Straße „Am Kattenbusch“, einer Siedlung mit modernen Häusern.

Gastgeber der Runde war Hartmut Fuchs, der Eigentümer des Anwesens, ein Nachfahre der Familie Feldermann, deren Name unter anderem in der Bezeichnung „Feldermanns Hütt“ verewigt worden ist, einen beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen durchs Wiebachtal.

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Die neue Publikation bietet viele Fotos und einen Anhang mit Dokumenten. „Diese Bücher sind immer eine Gemeinschaftsarbeit“, sagt Ulrich Haldenwang. Wolfgang Motte, der Ehrenvorsitzende des örtlichen Geschichtsvereins, forschte und schrieb, Haldenwang kümmerte sich um das Layout, Bernhard Priggel schaute nach Tippfehlern. Und Haldenwangs Ehefrau Gabriele war beteiligt, an der Transkription der Dokumente, die auch im Original abgebildet sind  – abgefasst in der „deutschen Schrift“.

„Ich habe übrigens einiges über meine eigene Familiengeschichte erfahren“, verrät Ulrich Haldenwang. Seine Vorfahren hatten im 18. Jahrhundert einen Teil der Hofschaft erworben. „Sie kamen ursprünglich aus Ofterdingen, einem Ort in der Nähe von Tübingen.“

Heute sind die Hügel im Süden von Radevormwald mit neuen Straßenzügen bedeckt, Ortschaften die Kattenbusch oder Kaffekanne liegen an der Peripherie, haben jedoch ihren idyllischen Charakter bewahrt. Hartmut Fuchs hat für das alte Haus und das Ensemble mit Scheune und Teich Pläne. „Das Erdgeschoss soll ein Bauerncafé werden, im Obergeschoss sollen Ferienwohnungen entstehen“, erläutert er.

Das Leben in den drei Ortschaften war geprägt von der Landwirtschaft, aber nicht ausschließlich. Wie oft im kargen bergischen Land verdienten sich die Bewohner mit einem Nebenerwerb etwas hinzu. In diesem Fall waren es die Weberei und Schmiedearbeiten. Aus solchen Wurzeln sind manche mittelständische Unternehmen in der Region entstanden. Kattenbusch und Kaffekanne sind heute auf Radevormwalder Gebiet, Kirschsiepen gehört dagegen schon zu Hückeswagen.

Zu den Besonderheiten der Ortschaften gehörten auch die so genannten Haferkästen, die man im Radevormwalder Raum häufiger findet. Darin wurde seinerzeit nicht nur das Saatgut für das kommende Jahr gelagert, sondern auch andere wertvolle Sachen, zum Beispiel teures Porzellan, hochwertige Kleidung oder Gehröcke. Gebaut wurde der Haferkasten aus Eichenholz, an dem sich Mäuse und anderes Getier die Zähne ausbeißen konnten. Der Haferkasten in Kirschsiepen ist noch zu bewundern, obwohl ein Teil mittlerweile abgebaut wurde. In späteren Zeiten wurden die Kästen beispielsweise als Hühnerstall oder zur Bienenzucht verwendet.

Neben den drei genannten „K“-Ortschaften geht es in dem neuen Buch auch um die Häuser Hummeltenbergs-Mühle und Nieder-Hagelsiepen, die sich in der Nähe befinden, erstere in der Nähe von Kirschsiepen, zweitere gegenüber von Kaffekanne.

Über Jahre hinweg hatte sich Wolfgang Motte mit der Geschichte von Kattenbusch, Kirschsiepen und den benachbarten Ortschaften beschäftigt. Persönliche Kontakte zu den Besitzern halfen bei der Recherche der Familien- und Hofgeschichten im südlichen Teil von Radevormwald.

Für den Bergischen Geschichtsverein in Radevormwald war die Vorstellung des Buches einer der wenigen öffentlichen Termine in diesem Jahr, denn die Corona-Pandemie hat vielen Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. So fiel der Tag der Bergischen Geschichte im Mai ebenso aus wie Tagesfahrten ins Sauerland und nach Duisburg. Weiterhin fest geplant sind jedoch Vortragsveranstaltungen im Herbst. Und das nächste der „blauen Hefte“ des Bergischen Geschichtsvereins ist bereits in Planung. Bernhard Priggel, zweiter Vorsitzender der Radevormwalder Abteilung, hat sich mit dem Bau der Ennepe-Talsperre beschäftigt, denn bei diesem Unternehmen spielte die Stadt Radevormwald eine entscheidende Rolle.