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Radevormwald: So handelt kein Hirte

Präsenzgottesdienste in Radevormwald : So handelt kein Hirte

Der Aufruf von Pfarrer Marc D. Klein an die Radevormwalder Katholiken, zum Gottesdienst nach Hückeswagen zu strömen, um das Verbot von Präsenzgottesdiensten zu umgehen – das war offenkundig selbst für den Christdemokraten Jochen Hagt zu viel.

Wann immer sich Jochen Hagt in den vergangenen Monaten zur Corona-Lage geäußert hat, vermied er es tunlichst, Vorwürfe gegen bestimmte Personen zu erheben. Am Sonntag, nach einer Krisensitzung der Kreisverwaltung, war es damit vorbei. Zwar nannte der oberbergische Landrat nicht ausdrücklich den Namen von Pfarrer Marc D. Klein. Doch dessen Aufruf an die Radevormwalder Katholiken, zum Gottesdienst nach Hückeswagen zu strömen, um das Verbot von Präsenzgottesdiensten zu umgehen – das war offenkundig selbst für den Christdemokraten Hagt zu viel.

Wie sehr der Pastor in seinem Beitrag zu den Pfarrnachrichten das Augenmaß verloren hat, zeigt der unselige Verweis auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Nicht einmal damals, so schrieb er, seien Gottesdienste verboten worden. Nur zur Erinnerung: Das war die Zeit, wo mutige Priester, Ordensbrüder und -schwestern von den Nazis ermordet wurden – von den anderen Scheußlichkeiten dieser Jahre gar nicht zu reden.

Viele Menschen, die regelmäßig die Heilige Messe besuchen, sind bereits im fortgeschrittenen Alter und gehören zur Risikogruppe. Für diese Generation ist der Pfarrer oft noch eine große Autorität. Mit Aufforderungen wie „Bleiben Sie nicht fern“ das Gewissen dieser tiefgläubigen Menschen zu beunruhigen – so handelt kein Hirte.

STEFAN GILSBACH

(s-g)