Radevormwald: Seniorenhaus hat sich bestens entwickelt

Pflege in Radevormwald : Seniorenhaus hat sich bestens entwickelt

Der Betreiber Convivo aus Bremen hat die Senioreneinrichtung an der Uelfestraße in die Erfolgsspur zurückgebracht. Das Haus ist fast immer ausgelastet und hat einen sehr guten Ruf. Auch in den nächsten Jahren wird weiter investiert.

Viele Jahre sorgte das ehemalige Seniorenwohnzentrum (SWZ) an der Uelfestraße durch ständige Betreiberwechsel und Querelen bei den Finanzen für negative Schlagzeilen. Mittlerweile steht das Seniorenhaus auf gesunden Füßen und bietet seinen 140 Bewohnern ein angenehmes Zuhause. Leiterin Rita Zimmer freut sich seit drei Jahren über ein sehr angenehmes Klima – auch wenn die Arbeit nicht weniger geworden ist.

„Aber die positive Entwicklung, die die Terranus Consulting aus Köln initiiert hatte, wurde von Convivo aus Bremen nahtlos fortgesetzt“, berichtet sie zufrieden. So hätten sich die Mitarbeitergehälter sehr positiv entwickelt und seien ordentlich angehoben worden. „Und für 2020 sind weitere Erhöhungen angekündigt“, sagt Rita Zimmer. Aber Gehalt alleine mache nicht glücklich. Zufriedenheit entstehe auch durch genügend Fachpersonal. Und da müsse auch im Seniorenhaus noch etwas mehr passieren. Denn bislang wird die vom Wohn- und Teilhabegesetz geforderte Quote von 50 Prozent Fachpersonal nicht erfüllt. Ab Oktober werden zwei vom Seniorenhaus selbst ausgebildete Kranken- und Gesundheitspfleger ihren Dienst antreten. „Die Politik muss mehr tun und nicht nur reden“, fordert Rita Zimmer. Den Personalschlüssel zu erhöhen, entspanne die Situation ungemein.

Auch die vom Gesetzgeber geforderte Einzelzimmerquote von 80 Prozent sei noch nicht gänzlich erfüllt. Hier sucht das Haus innerhalb des Gebäudes noch Platz für fünf Einzelzimmer, der durch Umstrukturierungen anderer Räume 2020 erreicht werden soll. Die ursprünglichen Planungen, die Zimmer im Dachgeschoss auszubauen, ließen sich nicht realisieren. „Da hätten wir das Dach anheben lassen müssen, was 5,8 Millionen Euro gekostet hätte“, sagt Rita Zimmer.

Idylle pur im Garten des Seniorenhauses: Mittlerweile plätschert auch wieder der kleine Wasserfall und mündet in einen kleinen Teich – zudem ist alles schön bepflanzt, und es blüht prächtig. Foto: Joachim Rüttgen

Riesig ist die Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen. Sehr bedauerlich sei aber, dass man gezwungen werde, diese Plätze nur der Kurzzeitpflege zur Verfügung zu stellen. „Für viele Betroffene ist das ein Drama, denn einige können nach einer Kurzzeitpflege nicht wieder alleine nach Hause, aber dafür fehlt uns der Platz“, sagt die Leiterin. Konkret in Planung ist der Austausch der 25 Jahre alten Heizung. Die Eigentümergesellschaft, der das Gebäude gehört, habe bereits zugestimmt.

Neu ist, dass im Seniorenhaus wieder in Eigenregie gewaschen wird, auch für die Haus- und Gebäudereinigung hat Convivo eigenes Personal eingestellt. Das senkt die Kosten und steigert das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter. „Und einige unserer Senioren helfen auch mal mit beim Wäsche-Legen“, berichtet Rita Zimmer und schmunzelt. Dass gewisse Dinge weiter zentral aus Bremen gesteuert werden, sieht die Leiterin nicht als Nachteil. „Unsere Merkmale, unsere Identität dürfen wir behalten, das ist wichtig“, sagt sie. Es gebe keine Gleichstellung. Die Mitarbeiter müssten sich an einen strukturellen Rahmen halten, behielten aber ihre Eigenständigkeit.

Trotzdem macht auch dem Seniorenhaus die Bürokratie schwer zu schaffen. Weil Kritiker etwa die bislang gängige Praxis bei der Benotung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen monierten, gibt es nun ein neues Indikatorenmodell, anhand dessen die Pflegeeinrichtungen geprüft werden. „Das bedeutet für uns wieder mehr Arbeit“, sagt Rita Zimmer. Auch die für 2020 angekündigte generalistische Pflegeausbildung, nach der es keine Kranken- und Altenpfleger, sondern Pflegefachmänner- und frauen gibt, sieht die Leiterin skeptisch. „Die Auszubildenden haben zwar die Möglichkeit, sich während der Ausbildung zu spezialisieren, aber sind weniger in den Einrichtungen und müssen mehr Praktika in anderen Häusern machen, was wiederum die Bindung ans Haus erschwere“, sagt Rita Zimmer.

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