Radevormwald: Schule heißt nach Malala Yousafzai

Geschwister Scholl sollen auf andere Weise geehrt werden : So setzt sich Malalas Name im Rat durch

Es war eine lebhafte Debatte, bis klar war: Die Schüler dürfen ihre Sekundarschule nach Malala Yousafzai benennen. Doch auch die Geschwister Scholl sollen weiter geehrt werden. Wie das geschehen soll, ist noch nicht entschieden.

Pathetische Auftritte am Rednerpult, Anträge auf geheime Abstimmung, Krach um die Geschäftsordnung, Sitzungsunterbrechung - in der Debatte um den Namen der Sekundarschule haben die Ratsmitglieder sämtliche Register gezogen. Die Entscheidung, die letztlich auf einen prestigeträchtigen Konflikt zwischen der Linie der SPD und jener der CDU hinauslief, hatte wochenlang das politische Tagesgeschäft beherrscht.

Seit gestern Abend ist nun klar: Die Schüler, Lehrer und Eltern der Sekundarschule haben den Segen des Rats (zumindest seiner Mehrheit), den von ihr ausgesuchten Namen der Schule zu verleihen: Malala-Yousafzai-Schule, benannt nach der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin. Das hatte die SPD gefordert, auch der Schulausschuss hatte dies empfohlen. Und die Schüler hatten sich an die Politik vor der Sitzung noch einmal mit einem Brief gewandt, mit der Bitte, ihre Wahl zu akzeptieren. SPD-Fraktionschef Dietmar Stark verlas daraus einige Zitate.

Die Politik hatte ursprünglich beschlossen, der Schule selber die Entscheidung zu überlassen, mit welchem (welcher) Namenspatron/in sie sich identifizieren mochte. Und dies war für die meisten Fraktionen am Ende auch der Grund, diese Wahl nicht mehr anzutasten. „Wir hatten bewusst festgelegt, dass die Politik sich raushält“, sagte Elisabeth Pech-Büttner (Bündnis 90/Grüne). Die CDU-Fraktion hatte dagegen beantragt, den Namen der auslaufenden Geschwister-Scholl-Hauptschule auf die Sekundarschule zu übertragen. Viele Stimmen aus der Bevölkerung, bekräftigte der Fraktionsvorsitzende Gerd Uellenberg, hätten der Partei diesen Wunsch zugetragen.

Nachdem nun die Entscheidung gegen den CDU-Antrag gefallen ist, muss die künftige Namensgeberin Malala Yousafzai nur noch zustimmen. Einen direkten Kontakt zu ihr habe es noch nicht gegeben, erklärte Bürgermeister Johannes Mans. „Wir brauchten erst eine saubere Beschlusslage.“ Hätte die weltberühmte Aktivistin Ja gesagt, der Rat aber Nein, dann wäre Radevormwald zur Lachnummer geworden, meinte auch Rolf Ebbinghaus (Alternative Liste).

Hart an die Grenze des Skurrilen geriet die Diskussion am Dienstagabend ohnehin. Als Gerd Uellenberg eine geheime Abstimmung beantragte - in der Hoffnung, dass Mitglieder anderer Fraktionen insgeheim den Namen Malala Yousafzai nicht wollten -, protestierte sein SPD-Gegenspieler Dietmar Stark. Die CDU, erklärte er, habe nicht genug Leute im Rat, um dies zu fordern.

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Auf dem Podium der Verwaltung wurde daraufhin nach dem entsprechenden Paragrafen in der Geschäftsordnung geblättert. Die Sitzung musste unterbrochen werden. Der Bürgermeister kommentierte: „Das kommt zum ersten Mal vor.“

Am Ende reichte es doch zu einer geheimen Abstimmung. Und das Kalkül der CDU ging auf - deutlich mehr als die 14 Christdemokraten stimmten gegen die SPD-Linie. Doch das war nicht genug.

Nach diesem Beschluss kam die Ratssitzung wieder in ein ruhigeres Fahrwasser. Mehrere Fraktionssprecher äußerten nun Verständnis für den Wunsch der CDU, den Namen der Widerstandskämpfer der „Weißen Rose“ in Radevormwald weiter zu ehren. Die AL-Fraktion hatte vorgeschlagen, den unteren Teil der Hermannstraße nach Sophie und Hans Scholl zu benennen. Klaus Steinmüller von der Unabhängigen Wähler-Gemeinschaft meinte, die künftige katholische Grundschule könne doch so benannt werden.

Eine weitere Debatte über Namen wollte an diesem Abend aber niemand mehr beginnen. „Jetzt keine Schnellschüsse“, mahnte Armin Barg (UWG) an. Die Fraktionen sollen in Ruhe über das Thema nachdenken, der Haupt- und Finanzausschuss wird dann eine Entscheidung treffen. Ob dies dann das letzte Wort in dieser Sache bleibt - wer will das voraussagen?