Orchestertage in Radevormwald Auch die Tuba hatte ihre große Stunde

Radevormwald · Nach vier intensiven Probentagen gipfelte die nunmehr dritte Auflage der Sinfonischen Orchestertage in einem lebensfrohen, internationalen Abschlusskonzert. Ganz nach dem diesjährigen Motto: „Einmal um die Welt“.

Auch diesmal fand das Abschlusskonzert der Sinfonischen Orchestertage im Bürgerhaus statt.

Auch diesmal fand das Abschlusskonzert der Sinfonischen Orchestertage im Bürgerhaus statt.

Foto: Jürgen Moll

Es ist immer wieder bemerkenswert, in welch zeitlicher Kürze die Teilnehmer der Sinfonischen Orchestertage in Radevormwald ein grandioses Konzert mit hochkomplexen Stücken auf die Beine stellen. Am Donnerstag reisten viele, aber längst nicht alle Teilnehmer dieses ambitionierten Projekts an, einige stießen erst zum Wochenende dazu. Sie quartierten sich im Sport- und Seminarcenter ein und probten in einer der Sporthallen Stunden um Stunden, Satz für Satz ihre ausgesuchten Stücke.

„Ich lasse meinen Musikern kaum Zeit für andere Aktivitäten“, äußerte Dirigent Desar Sulejmani am Konzertabend vor dem Publikum im gut gefüllten Bürgerhaus. Das Publikum lachte, die Musiker schmunzelten, doch so scherzhaft hatte der in Essen an der Folkwang-Universität der Künste ausgebildete Pianist und Dirigent dies keineswegs gemeint. Außer zur Nahrungsaufnahme oder kurzen Erfrischungspause wird über Pfingsten intensiv durchgeprobt. Mit Humor und guter Laune, aber diszipliniert. Nur so kann Sulejmani nach nur wenigen Tagen ein hochkarätiges Konzert gewährleisten.

Denn bei den Sinfonischen Orchestertagen hat er es nicht nur mit Profimusikern zu tun, die lange Probentage gewöhnt sind. Oftmals sind es auch versierte Hobbymusiker und talentierte Anfänger, die zwar ihr Instrument beherrschen und regelmäßig an ihm üben, aber eben nicht häufig oder nur sporadisch in die Arbeitswelt eines Orchesters hineinschnuppern. So wie der jüngste Musiker in diesem Jahr, Jonathan Still. Mit 13 Jahren nahm der Radevormwalder erstmalig an teil und eröffnete das Konzert mit Trommel- und Paukenschlägen. Steffi Bäumer-Enzer (79), älteste Teilnehmerin, hat nach langer Zeit erst vor 20 Jahren wieder zu ihrer Violine zurückgefunden und wirkte zum zweiten Mal in Radevormwald mit. Sie alle auf ein gleiches Niveau zu heben, erscheint in Anbetracht der abgelieferten Leistung, wie Magie. Eine Zauberei, die auch in diesem Jahr wieder glückte.

Insgesamt 71 Musiker aus ganz Deutschland und Teilen Europas, lieferten am Pfingstmontag ein grandioses Konzert im Bürgerhaus ab. Das Konzert begann heiter mit Gioachino Rossinis (1782 - 1868) Ouvertüre zu „Die diebische Elster“, ein zehnminütiges Spektakel und Hörerlebnis, das durch ein Tal der Gefühle lotst, mal sanft und leicht daher getippelt kommt, um im Anschluss in einen furiosen Lauf durchzustarten und tänzelnd wieder zurückzukehren. Ein Werk, das vielen Anwesenden im Saal bekannt war. Im leicht fedrigen Walzer-Teil der Komposition bewegten sich die Köpfe zum Takt, als ob sie in Gedanken auf einem großen Parkett zur Musik herumwirbeln würden. Das Stück mündete in tosendem Beifall der Besucher.

Um seinen Musikern eine kleine Pause zu verschaffen, verriet Dirigent Sulejmani, dass Rossini für sein Werk überhaupt keine Ouvertüre vorgesehen hatte. Vom Direktor sei er einen Tag vor der Uraufführung im Dach des Scala-Theaters in Mailand mit vier Maschinisten eingeschlossen worden. „Wäre ihm das Notenpapier ausgegangen“, erzählte der Dirigent amüsiert, „hatten die Maschinisten den Auftrag, Rossini aus dem Fenster zu werfen.“ Das geschah zum Glück nicht. Rossini schrieb eine spritzige Ouvertüre, die auch Sulejmanis Musiker voller Spielfreude wiedergaben.

Mit dem zweiten Stück von Giancarlo Castro D'Addona (*1980) sprang das Orchester nicht nur fast 200 Jahre weiter – die diebische Elster wurde 1817 uraufgeführt – sondern wechselte auch den Kontinent, von Italien nach Venezuela. Das Konzert für Tuba und Orchester op. 12 des venezolanisch-italienischen zeitgenössischen Komponisten, uraufgeführt im Jahr 2007, war ebenso heiter und dennoch völlig fremdartig. Das tragende Instrument war die Tuba, gespielt von Guido Gorny. Ein schwerfälliger Klang und eine Melodie, die an eine abenteuerreiche Filmmusik erinnerte, fast wie ein Elefant auf Reisen.

Nach diesem Abstecher quer durch die Welt wurde eine kurze Pause eingelegt, um gut gestärkt mit den „Bildern einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Mussorgsky (1839 - 1881) eine erneute Zeitreise zu erleben. Ein fabelhaftes Konzert.

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