Radevormwald: Rückblick auf die eigene Konfirmation

Jubelkonfirmation in Dahlerau : Bei Jubelkonfirmationen werden viele Erinnerungen ausgetauscht

Für manche liegt der Tag ihrer Konfirmation schon 70 Jahre zurück. Bei dem Jubelgottsdienst in Dahlerau trafen sich ehemalige Konfirmanden wieder und erinnerten sich an alte Zeiten.

Manche von ihnen wurden vor 50 oder 60 Jahren konfirmiert, andere bereits vor 70 Jahren in der Zeit der großen Währungsreform. Die Jubelkonfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde Dahlerau kamen am Sonntag in der Kirche auf der Keilbeck zusammen, um das Jubiläum ihrer Konfirmation zu feiern und gemeinsam dem Gottesdienst von Pfarrerin Maria Kluge zu folgen. Sie wurde durch den Posaunenchor Remlingrade unterstützt und hielt nach der Predigt das Abendmahl mit der Kirchmeisterin Dorit Lauterbach ab. Zu dem Abendmahl versammelten sich alle Jubilare vor dem Altar und hielten sich, wie vor einigen Jahrzehnten an den Händen.

Nach dem Gottesdienst fielen sich viele von ihnen in die Arme, stellten sich erneut vor und halfen sich gegenseitig auf die Sprünge, wenn es um den richtigen Namen ging. „Ich habe die meisten von früher nicht wiedererkannt. Die Gesichter schon eher, aber mein Namensgedächtnis ist schlecht“, sagte Jürgen Gebauer, der vor 50 Jahren konfirmiert wurde. Er lebt schon seit einigen Jahren in Wuppertal und war lange nicht mehr in Radevormwald. Wenn er sich an seine Konfirmation erinnert, muss er sofort an das schwere Zugunglück denken, das sich 1971in Dahlerau ereignete und bei dem 46 Menschen ums Leben gekommen ist. „Dieses Ereignis lag zeitlich zwar nach meiner Konfirmation, aber rückblickend wirft es einen Schatten über meine gesamte Jugend. Ich kannte die Kinder, die dort verunglückt sind. Es war eine schreckliche Zeit.“ Die Konfirmation selber war für Jürgen Gebauer ein „flüchtiges Ereignis“ seiner frühen Jugend, aber am Wochenende freute er sich trotzdem einige Jugendfreunde wiederzutreffen.

Helmut Stoffel und Otto Anders standen vor 70 Jahren in der Kirche auf der Keilbeck, die von den Industriellen der Tuchindustrie finanziert wurde. Während die Jugend von Jürgen Gebauer durch das schwere Zugunglück gezeichnet wurde, wurde ihre Konfirmation durch die Währungsreform geprägt. „Wir wurden in dem Jahr konfirmiert, als die Reichsmark gegen die Deutsche Mark eingetauscht wurde. Damals gab es erst nichts, nach der Reform immerhin ein bisschen was“, erinnerte sich Helmut Stoffel. Die Konfirmation lief, zwei Monate vor der Reform, sehr sparsam ab. In Radevormwald gab es weder genug Nahrung, noch Kleidung oder Schuhe. Trotz der schweren Rahmenbedingungen erinnert sich Otto Anders gerne an die Zeit zurück. „Wir haben Verse und Gebete auswendig gelernt, von denen ich einige immer noch auswendig kann.“

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Jubilare im Gemeindehaus am Siedlungsweg, um noch mehr in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen.

(trei)
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