1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: Rheinische Landestheater Neuss eröffnet 72. Spielzeit

Kultur in Radevormwald : Erfolgreicher Spielzeit-Auftakt mit Molière

Das Rheinische Landestheater Neuss (RLT) eröffnete mit der Komödie „Der Geizige“ die 72. Spielzeit des Kulturkreises. Im Bürgerhaus wurde endlich wieder Theater auf hohem Niveau gezeigt.

Ob die 72. Spielzeit des Kulturkreises Radevormwald pünktlich starten kann, war in den vergangenen Monaten nicht klar. Die Corona-Krise hat auch den Kulturbetrieb in Radevormwald, lahmgelegt. Das Rheinische Landestheater Neuss (RLT) hat genauso wie der örtliche Kulturkreis auf die neuen Herausforderungen reagiert und steht Michael Teckentrup als starker Partner für die kommenden Monate zur Seite. „Wir haben viele Absprachen getroffen, ein Hygienekonzept erstellt, und natürlich ist auch Arbeit auf die Theater zugekommen“, sagt der Vorsitzende des Kulturkreises. „Der Start dieser Spielzeit ist etwas ganz Besonderes.“

Nach der Begrüßung durch Michael Teckentrup wurden die Abonnenten des Kulturkreises am Mittwoch in die Handlung von „Der Geizige“ hineingezogen. Die Komödie von Molière in einer Prosaübersetzung von Simon Werle wurde von Thomas Goritzki inszeniert. Die Komödie verrät, wie sich ein Leben entwickelt, dass von Besitz und dem Gedanken an Geld dominiert wird. Die Komödie von Molière wurde 1668 uraufgeführt und weist parallel laufende Handlungsstränge auf und damit eines von mehreren Details, die dem Stück eine schräge, beinahe ulkige Wirkung verleihen.

In der zeitlose Haupteigenschaft des Harpagon, der von Carl-Ludwig Weinknecht gespielt wird, findet sich das Publikum wieder. Er ist unfähig aus seinen Fehlern zu lernen und verliert sich in seinem übersteigertem Geiz. Lächerlich macht ihn nicht nur die Habgier, sondern auch die emotionale Kälte seinen Kindern gegenüber. Sie werden, und sei es für eine mitgiftfreie Hochzeit, verschachert. Innere Werte oder gar Liebe sind absurd, nur ein prall gefülltes Konto zählt.

Am Mittwoch brachte des RLT das Publikum aber nicht nur mit dem überzeichnet dargestellten Vater zum Lachen, sondern auch mit den Charaktereigenschaften der übrigen Figuren. Seine Kinder Elise und Cléante, gespielt von Niklas Maienschein und Nelly Pollit, reagieren hysterisch auf den Irrsinn ihres Vaters, und Heiratsvermittlerin Frosine, verkörpert von Hergard Engert, ergötzt sich an der männlichen Statur von Harpagon. Sie säuselt in ihr Handy und wirft sich in der gleichen Minute gierig an den Hals ihres Gegenübers. Weil die Schauspieler des RLT hervorragend spielten, wurden auch die Running Gags oder die starken Stilbrüche der Inszenierung nie langweilig oder albern, das Bühnen-Spektakel wurde mit jeder Minute lustiger und ausgelassener.

Mit „Der Geizige“ ist die 72. Spielzeit in genau der richtigen Stimmung gestartet. Nach den vergangenen Monaten, in denen Kultur zu kurz gekommen ist, wurde im Bürgerhaus endlich wieder Theater auf hohem Niveau gezeigt.