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Radevormwald - Reul: „Die Jahre vergehen, die Trauer bleibt“

50 Jahre Zugunglück in Radevormwald : Reul: „Die Jahre vergehen, die Trauer bleibt“

Mit einer bewegenden Gedenkstunde auf dem Kommunalfriedhof wurde an die Eisenbahnkatastrophe vor 50 Jahren erinnert. 

Mit einer Gedenkstunde auf dem Kommunalfriedhof ist am Donnerstagnachmittag an die Opfer des Eisenbahnunglücks von Dahlerau erinnert worden. Am 27. Mai vor 50 Jahren waren 46 Menschen bei der Kollision eines Schienenbusses und eines Güterzuges ums Leben gekommen. Die meisten Opfer waren Schüler der Geschwister-Scholl-Hauptschule.

Die Veranstaltung auf dem Friedhof, unmittelbar neben den Gräbern der Unglücksopfer und dem ihnen gewidmeten Denkmal, wurde eingeleitet durch ein Musikstück des finnischen Komponisten Urho Sipponen: „Die überraschende Trauer“. Die Musik schilderte in jähem Aufbäumen und getragenen Klängen den Schmerz, aber auch die Anteilnahme, die viele Menschen weltweit an dem Leid der Radevormwalder gezeigt hatten. Daran erinnerte Bürgermeister Johannes Mans in seiner einleitenden Ansprache. Das Stadtoberhaupt begrüßte die Gäste, insbesondere Monika Zierden, die als Vertreterin der Überlebenden sprach. Diese Stunde sei den Opfern, den Überlebenden, den Hinterbliebenen und allen, die durch das Unglück Leid erfahren hätten, gewidmet, sagte Mans.

 Aus Betroffenheit über das Unglück schrieb ein finnischer Komponist ein Werk, das während der Gedenkstunde aufgeführt wurde.
Aus Betroffenheit über das Unglück schrieb ein finnischer Komponist ein Werk, das während der Gedenkstunde aufgeführt wurde. Foto: Jürgen Moll
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Die NRW-Landesregierung war mit drei Ministern vertreten: Innenminister Herbert Reul, Verkehrsminister Hendrik Wüst und Justizminister Peter Biesenbach. Reul überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Armin Laschet. Und er bedauerte, dass die Corona-Pandemie es nicht erlaube, „dass Menschen so trauern können, wie sie es möchten“. Denn aus Gründen der Sicherheit war die Zahl der Anwesenden stark begrenzt worden. Auch galt auf dem Friedhofsgelände Maskenpflicht. Der strömende Regen, der zu Beginn der Veranstaltung herabkam, ließ mit der Zeit etwas nach.

Der 27. Mai 1971 sei „ein rabenschwarzer Tag für das ganze Land“ gewesen, sagte Herbert Reul. Nur die gemeinsame Erinnerung könne helfen, das Geschehen zu bewältigen. Sein Dank gehe an alle Menschen, die seinerzeit Hilfe geleistet hatten, auch an jene, die den Überlebenden, den Hinterbliebenen Trost gespendet hätten. „Die Jahre vergehen, die Trauer bleibt“, fasste Reul die Gefühle der Anwesenden zusammen.

 Die Erinnerung an das furchtbare Zugunglück ist nie verblasst, wie dieser Grabschmuck zeigt. 
Die Erinnerung an das furchtbare Zugunglück ist nie verblasst, wie dieser Grabschmuck zeigt.  Foto: Jürgen Moll

Bewegt lauschten die Gäste dann den Worten von Monika Zierden. „Ich habe bei dem Unglück wenig sichtbare Verletzungen davon getragen“, sagte die Überlebende, der zeitweise vor Erschütterung die Stimme versagte. „Erst später kamen die unsichtbaren Verletzungen der Seele.“ Zierden schilderte, wie sie in den Jahrzehnten nach dem Unglück gerungen habe, das Geschehen zu verarbeiten. „Ich habe neue Freunde gesucht. Denn meine Freunde waren nicht mehr da.“

Als Vertreter der Kirchen nahmen Superintendentin Antje Menn und der Kölner Dompropst Guido Assmann an der Gedenkstunde teil. Beide kommen aus Radevormwald. „Ich war sieben Jahre als, als das Unglück geschah“, erinnerte sich Assmann. Er wisse noch, wie seine Mutter ihm gesagt habe, dass etwas sehr Schlimmes passiert sei: „Mein Vetter war tot.“ Antje Menn erinnerte an „die Lebenspläne und Hoffnungen“, die durch das Unglück plötzlich vernichtet worden seien. Die beiden Geistlichen verlasen anschließend die Namen aller 46 Todesopfer und beteten mit den Anwesenden das Vaterunser.

Bereits am Vormittag hatte Johannes Mans an der Unglücksstelle einen Kranz niedergelegt. Der Förderverein Bergische Bahnen habe dort ein neues Kreuz aufgestellt, das an das schreckliche Ereignis erinnert, sagte der Bürgermeister.

Weil die Zahl der Personen auf dem Friedhof begrenzt war, wurde die Gedenkstunde in die Radevormwalder Kirchen übertragen.

Die Aufzeichnung kann zudem auf der Internetseite der Stadt unter www.radevormwald.de angesehen werden.