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Radevormwald: Politik hakt nach, wie die Stadt Energie spart

Politik in Radevormwald : Energiesparen – Politik wird ungeduldig

Die FDP-Fraktion fordert in einem Brief an den Bürgermeister zeitnah Auskünfte, wie in städtischen Gebäuden Energie gespart werden soll. Auch SPD-Fraktionschef Dietmar Stark hält es für geboten, mit dem Thema offensiv umzugehen. 

Es dürfte das große Thema der zweiten Jahreshälfte werden, die Energieversorgung. Angesichts der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas drohen in Herbst und Winter Engpässe. In vielen Städten haben die Verwaltungen bereits über laufende oder geplante Maßnahmen zum Energiesparen informiert.

So hatte die Stadt Wermelskirchen bereits Ende Juli mitgeteilt, in den städtischen Gebäuden würden bereits erste Regeln umgesetzt, um die Ressourcen zu schonen. In Hilden ist man schon weiter, dort wurden bereits in den städtischen Gebäuden sämtliche Heizungen deaktiviert und die Warmwasseraufbereitung bis Ende September ausgestellt. Auch aus der Politik in Radevormwald kommt nun der Wunsch, über die Pläne der Stadt zum Energiesparen zeitnah informiert zu werden. Eine entsprechende Anfrage hat die Fraktion der FDP an Bürgermeister Johannes Mans geschickt. Die Liberalen möchten gerne „über geplante beziehungsweise bereits umgesetzte Maßnahmen der Energieeinsparungen bei städtischen Gebäuden, wie auch im Rathaus selbst, in Kenntnis gesetzt werden“, heißt es in dem Schreiben. „Durch die allgemein bekannten Verschärfungen der Gasmangellage wird es in den kommenden Wochen und Monaten zu Verfügbarkeitsengpässen beim Gas, wie auch bei anderen Energieträgern wie Strom, Öl, Holz oder Biomasse kommen. Auch Preisdynamiken werden Thema sein. Wird es durch Preiserhöhungen notwendig sein, einen Nachtragshaushalt aufzustellen?“, möchte die FDP-Fraktion wissen.

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Da alle Bürger aktuell aufgefordert werden, Energie einzusparen, fände man es gut, von der Verwaltung Auskünfte zu erhalten, wie sie mit gutem Beispiel vorangehe. Da der Hauptausschuss erst am 6. September stattfinden werde, „freuen wir uns über eine Vorabinformation“, schreibt die Fraktionsvorsitzende Annette Pizzato.

Stadtreferentin Flora Treiber teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass die Stadt bereits ein Konzept zu kurz- und langfristigen Energiesparmaßnahmen in städtischen Gebäuden vorbereite. Politik und Öffentlichkeit sollen noch im August darüber informiert werden.

Andere Städte haben bereits ihre Pläne kommuniziert. Die niederrheinische Großstadt Krefeld beispielsweise teilte Ende Juli mit, dass in den Büros der Stadt im Herbst die Heizungen maximal auf 20 Grad Celsius gestellt werden. Auch die abendliche Effektbeleuchtung von Gebäuden werde deutlich eingeschränkt. Angekündigt wurde auch die Teilnahme der Stadt an neuen Förderprogrammen zum Ausbau von Photovoltaikanlagen, eine Schulung aller städtischer Mitarbeitenden zu möglichen Energiesparmaßnahmen am Arbeitsplatz, der weitere Ausbau von energiesparender LED-Technik in und an städtischen Gebäuden sowie die Abschaltung von Warmwasser zum Händewaschen, etwa bei den Toilettenanlagen in Dienststellen der Verwaltung. Dass einige Maßnahmen auch in Radevormwald bereits getroffen wurden, war vor einigen Tagen öffentlich geworden: SPD-Ratsherr Hans Golombek hatte darauf hingewiesen, dass die Senkung der Beckentemperatur im Freizeitcenter „life-ness“ von Seniorinnen und Senioren kritisiert worden sei, da das Wasser nun zu kalt sei. Die Temperatur war, wie Betriebsleiter Mario Banse auf Anfrage unserer Redaktion erklärte, von 27,8 auf 26,8 Grad Celsius gesenkt worden. Wer meint, dass so eine Maßnahme nicht viel bringt, der täuscht sich: Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hat durchgerechnet, dass beispielsweise bei einer Verringerung der Wassertemperatur um zwei Grad der Energieverbrauch um 25 Prozent reduziert werden könne.

Dietmar Stark, Fraktionsvorsitzender der Radevormwalder SPD, betont, dass es bei der Anfrage zur Beckentemperatur im „life-ness“ nicht darum gegangen sei, die Sparmaßnahmen grundsätzlich in Frage zu stellen. „Es geht um das Informationsbedürnis“, sagt Stark.

Angesichts der Herausforderungen, die durch die Gaskrise auf die Bevölkerung zukomme, müsse man dieses Thema auch offensiv in der Öffentlichkeit vertreten.