Radevormwald: Podiumsdiskussion der SPD zum Thema Wohnpolitik

Podiumsdiskussion in Radevormwald : Neue Impulse für das Wohnen in Rade

Eine Informations- und Diskussionsveranstaltung veranstaltete die SPD am Donnerstagabend im Bürgerhaus.

Die SPD-Fraktion beschäftigt sich in diesem Jahr intensiv mit dem Thema Wohnen. Unter der Überschrift „Wohnen in Radevormwald – wohnen, bezahlbar und attraktiv“ kamen am Donnerstag zahlreiche Parteimitglieder und interessierte Bürger zusammen, um neue Impulse über das Thema zu hören und zwar aus Perspektiven, die für die meisten Zuhörer neu waren. „Wir haben Architekten beauftragt neue Zugänge zu dem Thema aufzuzeigen“, sagt Dietmar Stark, Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Ihm ging es Donnerstagabend nicht darum, fertige Lösungsansätze zu präsentieren, sondern neue Erkenntnisse zu fassen, die in die künftige Planung der Wohnlandschaften, insbesondere in die des Neubaugebietes Karthausen, einfließen sollen. „Wir müssen uns mit den Wohn- und Raumbedürfnissen unserer Stadt auseinandersetzen, neue Möglichkeiten aufzeigen und auf die neuen Bedarfe eingehen. Über 100 Wohnungen werden in unserer Stadt in Zukunft ihre soziale Bindung verlieren, und auch darüber müssen wir nachdenken und auf diese Veränderung reagieren.“

Thorsten Konzelmann, der Kreisvorsitzende der SPD Oberberg, übernahm nach der Begrüßung von Dietmar Stark die Moderation des Abends und überließ den Architekten Prof. Christl Drey und Dirk Waldmann, beide aus Köln, die Bühne für einen ausgiebigen Impulsvortrag. Beide haben sich in diesem Jahr mit dem Neubaugebiet Karthausen sowie mit den ersten bestehenden Planungen beschäftigt.

Christl Drey war von dem ersten Eindruck des künftigen Neubaugebietes überwältigt. „Die Topografie ist prägend für diesen Ort, die landschaftlichen Elemente sollte man schützen und die Architektur nach ihr ausrichten. Das kommt in der aktuellen Planung, nach meinem Empfinden, zu kurz“, sagte sie.

In ihrer Präsentation zeigte sie viele Möglichkeiten auf, wie modernes Wohnen unter der Berücksichtigung höchster ökologischer Standards funktionieren kann. „Es geht darum, Heimat und die Identität eines Ortes zu bewahren.

Beim Neubaugebiet Karthausen sollte man von Beginn an mit einer Integrierten Planung arbeiten, damit das Wohngebiet nicht nur als eine große Einheit funktioniert, sondern auch in seinen einzelnen Elementen“, sagte sie. Sie empfahl nicht nur strikte Reihen mit Häusern zu bilden, sondern Höfe und Gruppierungen verschiedener Wohnformen, die sich in die Landschaft einbetten und das Zusammenleben innerhalb eines Gebietes in den Fokus rücken. Drey: „Momentan ist das Gebiet mit einem großen Flächenverbrauch, der zum größten Teil durch Einfamilienhäuser entsteht, geplant. Man sollte bei einem Neubaugebiet die Wohnformen mischen.“

Im Fall von Karthausen empfahl sie außerdem über ein durchdachtes Oberflächenwasser-Management nachzudenken, das nicht nur die erfolgreiche Entwässerung des Gebietes garantiert, sondern das Element Wasser auch zu einem gestalterischen Element macht, das die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Bewohner erhöht.

Dirk Waldmann stellte im Anschluss zahlreiche Projekte vor, die ein Beispiel für gelungene Neubaugebiete sind, bei denen verschiedene Wohnformen in einem Gebiet realisiert wurden. „Höfe zu bilden, würde in Radevormwald Sinn machen. Menschen rücken zusammen und auch die Anordnung der Gebäude passt zu der Geschichte des Ortes.“

Pfarrer Dieter Jeschke bezog sich in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Nachbarschaft. Nicht nur räumlich gesehen. „Nachbarschaft ist ein kollektives Gebilde, in dem Menschen zusammenleben. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle“, sagte er. Ihm sei es wichtig, dass Gemeinschaft nicht nur in Neubaugebieten entsteht, sondern auch in den Zentren von Kleinstädten wie Radevormwald. „Die Städte werden immer leerer, der Charme von Kleinstädten verfällt. Da muss man gegensteuern.“

Bürgermeister Johannes Mans kündigte an, die Impulse dieses Abends in die weiteren Planungen und Entscheidungen des Rates mitzunehmen: „Wir müssen Barrieren abbauen und die Kommunikation öffnen.“

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