Radevormwald: Pilger finden in Lennep eine Herberge

An der Berliner Straße : Pilger finden in Lennep eine Herberge

Viele Pilger, die nach Lennep kommen, benötigen eine Unterkunft. Die Lenneper Pilgerfreunde bieten seit drei Jahren eine kostenfreie Herberge. Das Fachwerkhaus an der Berliner Straße wurde jetzt gründlich renoviert.

Seit Jahrhunderten pilgern Menschen nach Santiago de Compostela. Die Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt. Wer nach Spanien zur Grabstätte möchte, muss durch Lennep pilgern.

Vor 20 Jahren wurden in Lennep, an den Eingängen zur Altstadt an der Küchengasse und am Kölner Tor (Löwenbrunnen), Stelen gesetzt. Auf der freistehenden Platte sind Informationen und Hinweise zum Jakobsweg eingraviert. In diesem Jahr feiert deshalb der Verein Lenneper Pilgerfreunde das Pilgerfest unter dem Motto „20 Jahre im Zeichen der Muschel“. Dazu bietet der Verein eine Wanderung am 28. Juli ab Radevormwald bis nach Beyenburg an. Im Anschluss der Wanderung findet in der Klosterkirche St. Magdalena eine Pilgerandacht statt.

Auf dem Lenneper Marktplatz lädt der Verein zum Familienfest ein – mit Kaffee, Kuchen, Grillware und Originalwein aus Spanien. In Zusammenarbeit mit „Lennep Offensiv“ wird das Fest mit Live-Musik von Stefan Brewing und der Band „Les Fleurs Reunion“ abgerundet. Geplant ist in diesem Jahr auch wieder eine Pilgerfahrt
(30. August bis 10. September), diesmal von Saint-Jean-Pied-de-Port (Frankreich) nach Nájera.

Willi Oberlis, Vereinsvorsitzender der Pilgerfreunde, pilgert seit Jahren den Jakobsweg. Mehr als 1000 Kilometer hat er schon zurückgelegt. Aus Erfahrung weiß er, wie wichtig eine kostenlose oder günstige Übernachtungsmöglichkeit ist. Viele Pilger, die nach Lennep kommen, benötigen eine Herberge. Der Verein bietet seit drei Jahren eine kostenfreie Unterkunft – und zwar neben dem Lennep Laden, Berliner Straße 1. „In dem alten Fachwerkhaus musste vieles gemacht werden. Wir haben jetzt das Bad saniert, den Flur neu gestrichen, die Brandschutzauflagen erfüllt und ein neues Fenster als Notausstieg errichtet“, sagt Willi Oberlis. Sechs stabile Betten stehen den Pilgern zur Verfügung, daneben Lesematerial über den Jakobsweg.

Die Dusche ist klein, nur 80 mal 80 Zentimeter, da die Räume in dem Dachgeschoss niedrig sind. Malermeister Peter Kämmereit hatte bei der Renovierung mitgeholfen. Mit Hilfe von Sponsoren konnte der Verein die Kosten übernehmen. Luxus wird es in einer Pilgerherberge nicht geben, aber seit der Sanierung ist alles hell, frisch und sicher. „Die Pilger kommen hauptsächlich aus Norddeutschland und Skandinavien“, weiß Oberlis. Seit neun Jahren erhalten die Pilger im Leo-Laden den Pilgerstempel und bei Bedarf auch einen Schlafplatz mitten in der Altstadt. „Das Pilgerlager wird nach jeder Nutzung von unseren ehrenamtlichen Putzteufelchen gereinigt“, erklärt er. Seitdem hat Willi Oberlis schon zahlreiche Pilger kennengelernt. Gerne erinnert er sich an einen Pilger aus Hamburg. Der Mann wusste nicht, was er im Ruhestand machen sollte, also begann er zu pilgern. Er wanderte nach Spanien, von dort zur Wallfahrtstätte Fatima (Portugal), weiter nach Gibraltar und in die Schweiz.

„Insgesamt war er 12.000 Kilometer unterwegs“, sagt Oberlis. Ein anderer hatte einen Esel dabei. Oder es gab einen Rollstuhlfahrer, der von Bremen bis Santiago de Compostela gefahren ist. Pilgerfreunde schätzen besonders den bergischen Jakobsweg. „Die Strecke bis Altenberg ist eine der schönsten“, sagt Holger Thieme.

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