Radevormwald: Pfingsten ist das Fest des Gemeinschaftssinnes

Geistliches Wort : Pfingsten ist das Fest des Gemeinschaftssinnes

Pfarrer Dr. Dieter Jeschke macht sich so seine Gedanken über das Pfingstfest.

Pfingsten ist nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest im Christentum. Und vielleicht das schwierigste. Denn Pfingsten ist ein „schoko-freies“ Fest: Keinen Weihnachtsmann gibt es, keine Ostereier. Pfingsten ist das Fest der Kraft Gottes beziehungsweise in kirchlicher Sprache des Heiligen Geistes. Und der ist nicht mit Waren oder Leckereien schmackhaft zu machen.

An Pfingsten lassen wir uns begeistern von Gottes Kraft, die in unseren Herzen spürbar werden kann. Gottes Heiliger Geist schenkt Mut, begeistert verängstlichte Menschen und stiftet Gemeinschaftssinn. Petrus und die übrigen Jünger Jesu haben es als erstes in Jerusalem erfahren. Und schon zehn Jahre später waren im ganzen Römischen Reich Menschen bereit, sich lieber den Löwen vorwerfen zu lassen, als diesem Glauben an Gottes Geist abzuschwören. Diese Entwicklung ist historisch nicht begreifbar, wenn nicht tatsächlich Gottes Geist Menschen bewegt hätte.

Und heute? Mut wird immer wichtiger. Noch nie ging es uns Deutschen so gut wie in dieser Zeit, und trotzdem werden wir immer ängstlicher. Populistische „Politiker“ schüren diffuse Ängste, um ihre Ziele leichter erreichen zu können. In der deutschen Sprache kommt das Wort „Angst“ von „eng“. Wer Angst verbreitet, will Menschen in die Enge drücken. Und hat selber oft nur einen sehr engen geistigen Horizont. Dadurch wird das zweite große Pfingstthema beschädigt: Der Gemeinschaftssinn.

Pfingsten ist das Fest des Gemeinschaftssinnes und der Aufmerksamkeit füreinander. Damals kamen in Jerusalem viele tausend Pilger aus allen möglichen Ländern zusammen. Und konnten sich auf einmal verständigen. Trotz unterschiedlicher Sprachen, trotz unterschiedlicher Kulturen, trotz unterschiedlicher Eigeninteressen. Der Gemeinschaftssinn war wichtiger als der Eigennutz.

Und heute? Für viele ist der Eigennutz das wichtigste überhaupt. Das können wir täglich im Straßenverkehr beobachten, in vielen Nachbarschaftsstreitereien, am Arbeitsplatz. Regeln werde da allenfalls noch als Empfehlung akzeptiert. Vielleicht tun wir uns mit dem Pfingstfest deshalb so schwer, weil wir uns mit dem Gemeinschaftssinn so schwer tun mittlerweile. Das kann gut beobachtet werden an den alljährlichen Diskussionen um den Schutz der Feiertage, der Sonntagsruhe, der gemeinsamen Ruhezeiten. Da wird ja niemand gezwungen, sich religiös zu betätigen, aber es ist auch ein Zeichen von Achtsamkeit und Gemeinschaftssinn, wenn man bereit ist, den Eigennutz an wenigen Zeiten des Jahres einmal hintenan zu stellen.

Als Zeichen für den Gemeinschaftssinn werden am 2. Juni, am Sonntag vor Pfingsten, in allen Radevormwalder Kirchen einmütig Gedanken zum Schutz der Feiertage ausgesprochen werden.

Der Autor ist Pfarrer der reformierten Kirchengemeinde.

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