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Radevormwald: Neuer Kirchenmusiker stellt sich vor

Reformierte Kirchengemeinde Radevormwald : Neuer Kirchenmusiker stellt sich vor

Dennis E. Herder aus Wuppertal übernimmt ab 1. September die Nachfolge von Inga Kuhnert als Kirchenmusiker der reformierten Kirchengemeinde. Der 20-Jährige schwärmt von der Roetzel-Orgel und hat einige Visionen für 2020.

Alles begann mit einer mysteriösen E-Mail, die Dennis E. Herder aus Wuppertal-Elberfeld von der ehemaligen Kirchenmusikerin der reformierten Kirchengemeinde, Inga Kuhnert, bekam. „Darin teilte sie mir mit, dass für sie eine Nachfolge gesucht werde“, erinnert sich der 20-Jährige an den kuriosen Weg, wie er an seine neue Stelle kam. Denn weder von Inga Kuhnert noch von der reformierten Kirchengemeinde hatte er jemals zuvor etwas gehört.

Trotzdem ließ sich Herder locken, und nur wenige Tage nach der Mail schaute sich der junge Mann die Orgel in der reformierten Kirche einmal genauer an. Ein unverbindlicher Termin, „aber ich habe mich sofort in diese Orgel verliebt“, sagt er. Da erfuhr Herder dann auch, dass der Kontakt von Inga Kuhnert zunächst über den ihm bekannten Pfarrer Schumacher aus Beyenburg gelaufen war, der Herder der Rader Gemeinde empfohlen hatte. Hier liefen die Fäden wiederum über Hausmeisterin Ute Thiele, ihres Zeichens Schwester der Ehefrau von Pfarrer Schumacher. „Ich wusste nichts, hatte keine Ahnung“ sagt Herder und schmunzelt über so viele Zufälle. Der 20-Jährige wird ab kommenden Sonntag, 1. September, für sechs Wochenstunden als Kirchenmusiker für die reformierte Kirchengemeinde im Einsatz sein wird. Eingeführt wird er um 10 Uhr im Gottesdienst zur Gold- und Jubelkonfirmation.

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Herder selbst bezeichnet sich als freiberuflicher Musiker und Klavierlehrer – ein vollständiger Autodidakt, „ein klassisches Künstlerleben“, sagt er. Seinen Heimatgefilden Citykirche Elberfeld und Beyenburg-Laaken will der junge Musiker weiter treu bleiben, aber sicher nicht mehr in dem gewohnten Umfang wie bisher. Nach der Mittleren Reife (Klasse zehn am Gymnasium) widmete sich Herder fortan der freiberuflichen Gemeindearbeit. „Ich wurde immer mehr zum Kirchenmusiker, bin da so reingerutscht, das ist alles von selber gekommen“, sagt er. Eine richtige Ausbildung hat er nie gemacht, „ich habe viel experimentiert“, sagt er.

Dass er als 20-Jähriger unter den Kirchenmusikern in der Region auffällt, weiß er. „Ich steche als Typ heraus“, sagt Herder. Das stelle er bei Treffen immer wieder fest. Da gebe es auch Skeptiker, die es ihm als 20-Jährigen nicht zutrauen, die Aufgaben eines Kirchenmusikers zu erfüllen. Das Presbyterium der reformierten Kirchengemeinde in Rade jedenfalls war zufrieden und überzeugt, nachdem Herder zur Johannes-Andacht seinen Einstiegsgottesdienst gehalten hatte. Er selbst war mit seiner Leistung zwar nicht zufrieden, aber darin sieht die Vorsitzende des Presbyteriums, Gisela Busch, nur noch mehr Ansporn. „Weiterentwickeln kann ja nie schaden“, sagt sie und schmunzelt. Die Gemeinde jedenfalls habe gewusst, dass Herder gut ist. Gisela Busch ist gespannt auf die Zusammenarbeit und lässt sich gerne auf was Neues ein. „Wir haben da keine Bedenken, das wird ein Lernprozess für beide Seiten“, sagt sie. Die reformierte Gemeinde sei sehr offen und geprägt von verschiedenen Reformatoren. Und die Musik spiele auch eine wichtige Rolle für die Gemeinde.

Dennis E. Herder zählt sich zu den Verfechtern der romantischen Kirchenmusik. Die Roetzel-Orgel von 1826 in der Kirche am Markt hat es ihm besonders angetan. „Besonderheit der historischen Orgel sind die Holzpfeifen, die stark von der Temperatur abhängig sind“, erläutert Gisela Busch. Lediglich Blasebalg und Licht werden mit Strom betrieben, der Rest kommt ohne Elektrik aus. „Die Trompeten sind das Besondere“, schwärmt Herder. Der Klang sei sehr dunkel. Aber eine Romantik-Orgel sollte seiner Meinung nach orchestral klingen und Variationsmöglichkeiten bieten.

„Ich bin vor allem Künstler, und da passt dieses wunderbare Werkzeug perfekt zu mir“, sagt der 20-Jährige, der Anhänger des entschleunigten Pendelns ist und mit dem Bus aus Wuppertal nach Rade zum Dienst kommt.