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Radevormwald: Naturschutzverein will 2000 Unterschriften sammeln

Naturschutz in Radevormwald : Klinken putzen für den Artenschutz

Der Bergische Naturschutzverein will in Radevormwald rund 2000 Unterschriften für eine landesweite Volksinitiative sammeln. Derzeit ist die Zahl der Beteiligten noch überschaubar, doch Kathi Hentzschel und ihre Mitstreiter hoffen auf mehr Resonanz.

Kathi Hentzschel gehört als beratendes Mitglied zum Gremium des Radevormwalder Stadtentwicklungsausschusses. In dessen Sitzung am Mittwoch äußerte sie sich nicht nur zum Baugebiet Karthausen, sondern hatte noch ein besonderes Anliegen vorzubringen. Es geht um die Volksinitiative für Artenschutz in Nordrhein-Westfalen. Hentzschel und ihre Mitstreiter vom Bergischen Naturschutzverband sammeln derzeit Unterschriften für dieses Anliegen. „Wir sind dabei, Klinken zu putzen“, erklärte die Trägerin des Rheinlandtalers. Wie sich zeige, wüssten immer noch viele Bürger nicht, wo­rum es gehe.

Mit der Volksinitiative soll gegen das dramatische Aussterben von Tier- und Pflanzenarten etwas getan werden. Denn diese finde nicht nur in fernen Ländern statt, sondern auch in der heimischen Natur. Seit einigen Jahren wird über das Insektensterben gesprochen, und so taucht auch eine Biene als Logo der Aktion des Naturschutzvereins auf.

Die Volksinitiative wird von den großen Naturschutzvereinen NABU, BUND sowie der LNU (Landesgemeinschaft Natur und Umwelt) getragen. Der LNU ist der Dachverband zahlreicher ehrenamtlicher Naturschutzvereine. Diese sind nun landauf landab dabei, Unterschriften zu sammeln. Doch weil die Initiative bislang in der Öffentlichkeit noch nicht so bekannt ist, wie es sich Hentzschel und andere Naturschützer wünschen, sind bislang in Radevormwald nur „ein paar Dutzend“ Unterschriften zusammengekommen. Das Ziel, das sich der Bergische Naturschutzverein gesetzt hat, sind mindestens 1500 Unterschriften in der Stadt, möglichst 2000, damit am Ende, wenn landesweit die Listen ausgewertet werden, genügend Unterstützer zusammenkommen, um wie in Bayern Druck auf die Landesregierung zu machen – dort hatten sich mehr als eine Million Menschen beteiligt.

Dieser Druck auf die NRW-Regierung sei notwendig, damit die Naturschutzgesetze nicht weiter aufgeweicht würden. „Wenn beispielsweise in Naturschutzgebieten der Einsatz von Pestiziden erlaubt ist, dann stellt sich die Frage, wozu wir dann diese Gebiete brauchen?“

Ganz konkret seien aus dem Landschaftsbild in Radevormwald Vogelarten wie die Feldlerche, der Kiebitz und der Kuckuck verschwunden. „Wir nehmen diesen Arten den Lebensraum“, erklärt die Naturschützerin. Was den Rückgang der Insektenpopulation angeht, so sei dies letztlich eine Bedrohung für die Landwirtschaft, denn wer befruchte die Obst- und Gemüsesorten, wenn nicht die Insekten?

Eigentlich sollte die Volksinitiative in NRW bereits früher starten. Die Planungen hatten bereits 2019 begonnen, doch wegen der Corona-Pandemie gab es Verzögerungen. Der Start war nun im Juli 2020. Ein Jahr lang sollen die Unterschriften gesammelt werden. Wenn die Radevormwalder in diesen Zeitraum fleißig mitmachen, stehen die Chancen also gar nicht mal so schlecht, dass Kathi Hentzschel und ihre Mitstreiter die angepeilte Zahl schaffen werden.