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Radevormwald: Mitfahrbank wird Treffpunkt in Wilhelmstal

Treffpunkt in Wilhelmstal : Mitfahrbank wird Treffpunkt in Wilhelmstal

Auf seinen zahlreichen Oldtimer-Ausfahrten in die Eifel kam Uli Frank auf die Idee, auch in Wilhelmstal eine Mitfahrgelegenheit zu schaffen. Mittlerweile hat sich die Bank in zentraler Lage zu einem beliebten Treffpunkt der Einheimischen, aber auch von Wanderern und Spaziergängern entwickelt.

Eigentlich sollte die Fläche mal ein Stellplatz werden, doch dafür war sie dann doch nicht geeignet. Dann wurde sie zu einer „toten Ecke“ – und jetzt erstrahlt die kleine Fläche als Mitfahrbank mitten in Wilhelmstal und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Idee dazu hatte Uli Frank. Dem 58-Jährigen gehören das geteerte Grundstück, auf dem die Bank jetzt steht, und der darüber liegende Garten, der unbebaut ist. Er selbst wohnt in einer Mietwohnung in den ebenfalls oberhalb liegenden alten Arbeiterhäusern und betreibt in Wilhelmstal einen Zulassungsdienst.

Bei seinen zahlreichen Touren im Oldtimer entdeckte der Wilhelmstaler in der Eifel verstärkt solche Mitfahrbänke an den Ortsein- und Ortsausgängen. „Und da bei uns der ÖPNV nur bis Krebsöge fährt, aber ebenso wie Bürgerbus und Wupperaner nicht weiter durch bis Wilhelmstal, hatte ich die Idee für die Mitfahrerbank“, berichtet er. 2019 setzte er die Idee in die Tat um. Mittlerweile hat sich der Platz zu einem regelrechten Treffpunkt entwickelt – für die Einheimischen, aber auch für viele Wanderer und Spaziergänger. Kein Wunder, denn die Bank steht direkt am beliebten Wald-Wasser-Wolle-Wanderweg. „Zu Beginn der Corona-Pandemie musste ich sogar einen Hinweiszettel anbringen, um die Leute daran zu erinnern, die Abstands- und Hygienregeln einzuhalten“; berichtet Frank. „Willkommen zur kleinen Pause“, begrüßte er die Gäste an der Mitfahrerbank. Gerade sonntags ist an der Bank immer viel los.

Ob sie tatsächlich auch rege als Möglichkeit genutzt wird, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, weiß Frank nicht, weil er ja nicht ständig an der Bank anzutreffen ist. „Ich weiß nur, dass immer mal wieder die Klappschilder bewegt werden, ob aus richtigem Interesse oder nur als Jux weiß ich nicht“, sagt er. Wie funktioniert die Mitfahrerbank? Ganz einfach: Wer nach Lennep, Rade oder zum Wuppermarkt will, klappt einfach das entsprechende gelbe Schild hoch und setzt sich hin. Mit etwas Glück kommt jemand vorbei, der genau in die gewünschte Richtung fährt und den Wartenden mitnimmt. „Ich wollte noch ein viertes Klappschild anbringen mit der Aufschrift ‚Nur weg hier’, aber da es in Wilhelmstal ja richtig schön ist, habe ich das dann gelassen“, sagt Frank und schmunzelt. Und wenn seine Mitfahrerbank nur als Treffpunkt dient, dann reicht ihm das auch schon. In Wilhelmstal wohnen seiner Einschätzung nach höchstens 120 bis 140 Menschen, und da ist die Wahrscheinlichkeit, jemanden an der Mitfahrerbank zu treffen und mitzunehmen, nicht sonderlich groß. „Wir sind hier schon eine in sich geschlossene Gemeinschaft“, sagt Frank. Dass liegt natürlich auch an der sehr abgelegenen Lage der Ortschaft. Deshalb ist seine witzige Idee bislang auch sehr positiv aufgenommen worden. „Etwas Negatives habe ich eigentlich noch nicht gehört“, sagt Frank. Die grüne Farbe für die Sitzbank kommt aus dem Baumarkt seines Vertrauens. Sieben Sitzplätze bietet die Mitfahrbank, bei schönem Wetter hübsch dekoriert mit grünen Kissen und immer schön bepflanzt. Hierfür hat sich Frank mittlerweile eine Hilfe organisiert.

Neben den klappbaren Schildern befindet sich auf der anderen Seite noch ein Dorfplan mit den Hausnummern, die in Wilhelmstal etwas anders angeordnet sind als üblich. „Die Reihung ist mitunter sehr abenteuerlich, deshalb habe ich diese Orientierung vor allem auch für die Brief- und Paketzusteller ausgedruckt“, sagt Frank. Reiner Eigennutz sei das, damit er seine Pakete nicht ständig in irgendeinem Paketshop abholen müsse. Ein Blick auf den Plan beweist, dass die Nummerierung tatsächlich verwirrt: Da steht das Haus 9 gegenüber der 32, die 6 neben der 32 und die 23 liegt neben der 20. Und es gibt noch eine Besonderheit: Uli Frank hat für die Mitfahrbank ein kleines Selbstbedienungskiosk gebaut, das noch nicht in Betrieb ist. Hier soll es Platz für die Kissen geben, aber auch für verpackte Süßigkeiten und Snacks sowie für PET-Getränke – inklusive Vertrauenskasse. Gebaut mit einem Steckregal und Brettern aus dem Baumarkt, die Tür ist ein alter Schlagladen aus Lennep. Angekettet ist der Schrank an die Weiden, unter denen die Besucher meist im Schatten rasten können und für eine gewisse Zeit auch vor Regen geschützt sind.