Radevormwald: Minister Laumann beim CDU-Neujahrsempfang

Neujahrsempfang der CDU : Versöhnliche Töne beim Neujahrsempfang

Prominenter Redner war NRW-Minister Karl-Josef Laumann. Nur kurz wurde die aktuelle Debatte über die Beigeordnetenwahl erwähnt.

Am Ende sah es fast so aus, als würde der Neujahrsempfang der CDU ohne ein Wort zur Diskussion um die Beigeordnetenwahl verlaufen. Dann jedoch, im Schlusswort des offiziellen Teils, sprach Gerd Uellenberg, der Radevormwalder CDU-Vorsitzende, das das Thema doch noch an. „Der Rat hat einen Kandidaten mit Mehrheit gewählt“, sagt er. Im Nachbarland Österreich sei es offenbar kein Problem, wenn ein junger Mensch Verantwortung übernehme – ein Hinweis auf den 33-jährigen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Ansonsten jedoch gab es am Donnerstagabend meist versöhnliche Töne. „Wir zeigen hier, dass wir uns auch vertragen können“, erklärte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende in seiner Ansprache zur Begrüßung der Gäste im Bürgerhaus, die wieder zahlreich erschienen waren. Der Neujahrsempfang der CDU ist nach Radevormwalder Brauch sozusagen der offizielle Start ins politische Jahr, bei dem neben den lokalen Akteuren aus Vereinen, Kirchen und Unternehmen auch die anderen politischen Fraktionen willkommen sind.

Dialogbereitschaft und Offenheit für andere Meinungen forderte auch der Hauptredner des Abends, Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Der CDU-Politiker bedauerte in seiner Ansprache, dass die politische Kultur so polarisierend geworden sei. Kompromissbereitschaft sei ein wesentliches Element der Demokratie. Das gelte auch für jene Stimmen unter den Christdemokraten, die eine schärfere konservative Profilierung forderten. „Manche Parteifreunde sagen mir, sie wollen Politik nach dem Motto ,CDU pur‘“, erzählte Laumann. Das sei jedoch unter den herrschenden Mehrheitsverhältnissen nicht möglich. Die demokratischen Parteien müssten zusammenarbeiten können, nicht starr auf ihren Prinzipien beharren. Wer wollte, konnte dies auch als sanfte Mahnung an die Radevormwalder Politik verstehen.

Was die Landespolitik betrifft, strich Karl-Josef Laumann die bisherigen Leistungen der CDU-FDP-Landesregierung heraus, so auf dem Gebiet der Arbeitspolitik. Es gebe freilich noch große Herausforderungen, die man anpacken müsse: „Wir kriegen wir den Fachkräftemangel in den Griff?“ Laumann, der selber seine Laufbahn mit einer Lehre als Maschinenschlosser begonnen hatte, plädierte dafür, wieder deutlich zu machen, „wie wichtig die duale Ausbildung ist“. Er freue sich, dass die Meisterpflicht für bestimmte Handwerksberufe wieder eingeführt werde: „Wer zu doof ist, den Meister zu machen, soll die Finger von der Selbstständigkeit lassen“.

Der 62-Jährige ist für handfeste Zitate bekannt. Mit seiner hemdsärmeligen Art kam der Münsterländer beim Publikum gut an. Laumann wuchs auf einem Bauernhof auf, und als er seine Liebe zu Oldtimer-Treckern kundtat, hatte er die Zuhörer im ländlichen Radevormwald endgültig gewonnen.

Große Ehrung für Horst Enneper (2.v.r.) beim Neujahrsempfang der CDU im Bürgerhaus: Zu den Gratulanten gehörten (v.l.) Jochen Hagt, Jens Nettekoven, Peter Biesenbach, Dietmar Busch, Gerd Uellenberg, Carsten Brodesser und Karl-Josef Laumann. Foto: Jürgen Moll. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

In seiner Rede spendete der Minister dem Landrat Jochen Hagt (CDU) Lob für die Gesundheitsversorgung im Oberbergischen Kreis. Hagt hatte in einer knappen Ansprache die wichtigen aktuellen Themen der Kreispolitik dargelegt und unter anderem die Möglichkeiten der Telemedizin für den ländlichen Raum herausgestrichen. Er wisse auch, sagte der Landrat, dass Sicherheit ein wichtiges Thema für die Bürger sei, allerdings sei der Oberbergische Kreis nach wie vor eine der am wenigsten von Kriminalität geplagten Regionen im Land. Hagt kündigte an, dass die Kreisverwaltung auf dem Gebiet des Klimawandels Maßnahmen umsetzen werde. „Es geht allerdings nicht nur durch Verzicht“, meinte er. „Wir brauchen auch neue Technologien.“