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Radevormwald: Martin Scheibner fertigt Schreibgeräte aus Holz.

Alte Fachwerkhäuser in Radevormwald : Schreibgefühl aus der Nordstraße

Martin Scheibner fertigt Schreibgeräte aus Holz. Aus den alten Balken der historischen Häuser an der Nordstraße hat er neue Unikate produziert.

Die alten Fachwerkhäuser an der Nordstraße gehörten lange in das Stadtbild der Radevormwalder Innenstadt. An ihrem ehemaligen Standort ist jetzt eine große Baulücke. Dort soll das neue „WohnZimmer“ entstehen, das unter anderem der neue Standort des Jugendamtes werden soll.

Als die historischen Häuser abgerissen wurden, hat sich Martin Scheibner einige Holzbalken gesichert. Der Radevormwalder fertigt seit über 15 Jahren Schreibgeräte aus Holz an und wird dabei nicht nur bei der Gestaltung kreativ. Er verarbeitet Holz mit Geschichte.

Die Eichenbalken aus der Nordstraße waren über 200 Jahre verbaut. Gewachsen ist die Eiche schätzungsweise 100 Jahre. Das Holz, das jetzt zu Kugelschreibern verarbeitet wurde, ist also über 300 Jahre alt. „Ich habe mir vier große Eichenstücke abgeholt, als ich von dem Aufruf in der Zeitung gelesen habe. Daraus kann ich maximal 200 Schreibgeräte fertigen“, erklärt Martin Scheibner.

Die ersten Exemplare stehen bei Armin Werker zum Verkauf. In seinem Geschäft Garten Werker an der Kaiserstraße gibt es viele sorgsam ausgewählte Produkte, einige davon mit Heimatbezug. Die Handarbeiten von Martin Scheibner hat er seit 2018 im Sortiment. „Das Interesse an den Schreibgeräten ist da. Dass Holz aus der Nordstraße verarbeitet wurde, ist etwas Besonderes und ein tolles Stück Stadtgeschichte“, sagt Armin Werker. Das Material Holz ist nicht nur ein Handschmeichler, sondern auch ein lebendes Material, das sich verändert. Das Holz aus der Nordstraße musste Martin Scheibner sorgsam schleifen. Jeder Kugelschreiber hat eine eigene Maserung, von denen die meisten geölt wurden. Es gibt aber auch komplett unbehandelte Varianten. „Ich habe aus den Balken Rohlinge zugeschnitten, aus denen die Formen dann gedrechselt werden“, sagt Martin Scheibner.

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Das Holz aus der Nordstraße war zu einem großen Teil in einem sehr guten Zustand. Wenige Teile mussten im Nachhinein stabilisiert und verdichtet werden. „Die Balken lagen an unterschiedlichen Stellen im Haus. Je feuchter die Lage, desto mehr leidet das Holz“, sagt Martin Scheibner. Lange Trockenphasen musste er für das Holz aber nicht einrechnen. Nachdem er die Eichenbalken im August abgeholt hatte, konnte die Arbeit sofort beginnen.

Vorproduziert hat Martin Scheibner nur Kugelschreiber, aber auch Füllfederhalter können aus dem Holz der Nordstraße gefertigt werden. Hochwertige Federhalter fertigt der Radevormwalder allerdings erst nach einer persönlichen Beratung an. Jede Hand und jede Handschrift benötigt individuelle Beratung. An seiner Drechselbank entstehen dann Handschmeichler, die nachhaltig und wertig sind.

Wenn es nicht gerade Eichenholz aus der Nordstraße ist, verarbeitet der Kirchenmusiker viele andere Hölzer, wie Ahorn oder Kirsche. Gekaufte Edelhölzer und heimische Holzsorten aus Radevormwald und den umliegenden Städten verarbeitet er zu Stiften mit einer Geschichte. Insgesamt hat er schon über 1600 Stifte angefertigt.

Geschichten würde das Holz aus der Nordstraße, wenn es denn könnte, viele erzählen. In und um die Häuser, die nach dem großen Strandbrand 1802 wieder errichtet wurden, haben sich zahlreiche Geschichten ereignet. In ihnen wurde gewohnt, gearbeitet, geliebt oder gestritten. An die letzten Besitzer des mittleren Hauses erinnert sich Martin Scheibner bis heute. „Sie haben das alte Haus liebevoll renoviert. Ich würde ihnen gerne einen Kugelschreiber aus dem alten Holz zukommen lassen, finde aber keinen Kontakt“, sagt er. Wer die ehemaligen Bewohner der mittleren Nordstraße kennt und noch Kontakt zu ihnen hat, kann sich bei Martin Scheibner melden.

Die Schreibgeräte aus dem Holz der Nordstraße eignen sich als Weihnachtsgeschenk, aber auch zu allen anderen Anlässen. Mit den Schreibgeräten verschenkt man nicht nur Handarbeit, sondern auch ein Stück Radevormwald.