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Radevormwald: Löwenzahn punktet mit seinen Bitterstoffen

Kraft der Kräuter in Radevormwald : Löwenzahn punktet mit seinen Bitterstoffen

Nach Giersch und Brennnessel ist Löwenzahn eine heimische Pflanze mit heilenden Kräften. Löwenzahn ist gut für Galle und Niere.

Der Löwenzahn gehört zu den heimischen Heilpflanzen, die etwas später als Brennnessel und Giersch in voller Pracht erblühen und Mitte April ihre Hochzeit haben. Für die Themenserie „Die Kraft der Kräuter“ stellt Anke Höller, die in Borbeck das Bergische Kräuterstübchen betreibt, den Löwenzahn vor. Ihn nennt man im Volksmund unter anderem auch Apothekerkraut oder Dotterblume.

„Löwenzahn ist gut für die Galle, regt die Niere an und stärkt die Leber. Außerdem regt die Pflanze den Stoffwechsel an“, sagt die Kräuter-Expertin. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pflanze sind der hohe Kaliumgehalt sowie Bitterstoffe. Bei einem Vergleich zu einem gewöhnlichen Kopfsalat schneidet der Löwenzahn erstaunlich gut ab. „Die Wurzel enthält fünf Mal so viel Eiweiß und acht Mal so viel Vitamin C, das ist einfach toll.“ Anke Höller rückt bei der Betrachtung des Löwenzahns besonders die Wirkung der Bitterstoffe in den Fokus. „Bitterstoffe fördern die Sekretion der Verdauungsdrüsen und haben auch harntreibende Wirkungen. Löwenzahn ist bei entzündlichen Erkrankungen und Steinbildung hilfreich.“

Dass der Stängel des Löwenzahns giftig ist, stimmt nicht. Anke Höller isst den Löwenzahn auch gerne komplett, direkt von der Wiese. Die Blätter und Triebspitzen können aber als Salat verarbeitet werden. Wenn der Löwenzahn noch jung ist, ist die Pflanze auch nicht so bitter. „Wenn die Blätter älter sind, können sie fein geschnitten und für eine Stunde in Wasser eingelegt werden. Das kalte Wasser entbittert die Blätter“, sagt Anke Höller. Die eingelegten Teile der Pflanzen können ebenfalls in die Salatschüssel oder den Suppentopf wandern. „Löwenzahn macht sich auch gut in Eierspeisen oder Quark.“ Die gelben Blüten des Löwenzahns kann man als Gemüse braten oder nutzen, um honigähnlichen Sirup herzustellen, den man dann auch gerne als Brotaufstrich verzehren kann.

Gezupft sind die Blütenblätter eine schöne und essbare Dekoration. Anke Höller bereitet mit den gelben Blüten gerne einen „Sonnenquark“. „Zu den Blüten und dem Quark kommt etwas Salz und Pfeffer. Kinder essen diesen Dip auch gerne auf Gurkenscheiben oder Paprika. Dann hat man die Sonne im Bauch“, sagt sie und lächelt. Absolutes Geheim- und Lieblingsrezept von Anke Höller ist allerdings der Löwenzahnlikör, der verdauungsfördernd ist und süßlich nach Honig schmeckt. Für den Likör braucht man Löwenzahnblüten mit grünem Kelch, Kandiszucker, Doppelkorn oder Wodka. „Eine Flasche mit einer weiten Öffnung füllt man zur Hälfte mit Löwenzahnblüten. Dann folgt daumendick der Kandis, und die Masse füllt man dann mit Alkohol auf“, sagt Anke Höller, die das Gemisch sechs Wochen lang an einem hellen Ort ziehen lässt und die Flasche in dieser Zeit immer mal wieder durchschüttelt. „Nach den sechs Wochen seiht man die Blüten ab und bewahrt den Likör an einem dunklen Ort auf.“

Wer Löwenzahn sammeln und verzehren möchte, wird an sonnigen und halbschattigen Plätzen fündig. Löwenzahn blüht von April bis Mai und kann komplett verzehrt werden. Im Krieg wurde aus den Wurzeln des Löwenzahns Kaffeeersatz geschaffen. Je jünger die Pflanze ist, desto weniger Bitterstoffe enthält sie.

Darauf muss man achten Wer Wildkräuter in der Natur sammelt, sollte einige Grundsätze beachten: Man sollte nur die Pflanzen sammeln, die man kennt und eindeutig bestimmen kann. Außerdem sollte man beim Sammeln von Kräutern Straßenränder, Hundelaufstellen und gedüngte Wiesen meiden. Anke Höller empfiehlt achtsames Sammeln. Das bedeutet, immer nur wenige Kräuter von einer Sammelstelle zu nehmen, um den Fortbestand der Pflanze zu gewährleisten und natürlich nur so viele Kräuter zu sammeln, wie man wirklich braucht und verzehren kann.