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Radevormwald: Lockdown light bedeutet harten Winter für Museen

Lockdown light in Radevormwald : Ein harter Winter für alle Museen

Der November-Lockdown trifft die Museen schwer. Das Heimatmuseum ist seit dem Frühjahr geschlossen und bleibt es auch weiterhin. Wünschenswert wäre eine differenzierte Betrachtung gewesen statt einer generellen Schließung.

Seit Anfang November sind wieder alle Museen in Radevormwald geschlossen. Der zweite Lockdown light trifft die Museen hart, denn die meisten haben erst seit wenigen Monaten ihren vollen Betrieb wieder aufgenommen. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr aufgrund der Corona-Krise eröffneten die Museen in der Stadt auf der Höhe im Sommer wieder. Nur das Heimatmuseum an der Hohenfuhrstraße ist seit dem Beginn der Krise geschlossen und plant auch keine Wiedereröffnung während der Krise. Grund dafür sind die engen Räumlichkeiten des historischen Museums, die eine Umsetzung eines Hygienekonzeptes samt Mindestabstand nicht ermöglichen.

Das Museum für Asiatische Kunst von Li und Peter Hardt eröffnete im Sommer wieder und führte sogar ein Open-Air-Konzert im Außenbereich durch. Außerdem entwickelte Li Hardt ein neues gastronomisches Angebot: Das Terrassen-Frühstück mit Blick auf die bergische Natur wurde gut angenommen. Dass Museen jetzt wieder geschlossen sind, kann Li Hardt verstehen. Eine Herausforderung ist die aktuelle Situation trotzdem. „Die Infektionszahlen entwickeln sich rasant und deswegen kann ich die Schließung aller Freizeitstätten nachvollziehen. Unsere Gesundheit steht an erster Stelle“, sagt sie.

Der November-Lockdown bedeutet für ihr Museum den Ausfall eines Workshops sowie der Einnahmen, die über die Ausstellungsbesucher generiert werden. „Finanziell ist 2020 für uns ein schwieriges Jahr. Wir hatten weniger Einnahmen als in den Vorjahren, aber durch die Umsetzung der Hygienekonzepte mehr Ausgaben.“ Ob die Open-Air-Veranstaltung im Dezember stattfinden kann, weiss Li Hardt noch nicht. „Wir wollten bei Glühwein und Bratwurst ein Weihnachtskonzert im Garten genießen. Momentan sieht es eher schlecht aus, weil die Infektionszahlen weiter steigen.“

Für das Wülfingmuseum ist der November-Lockdown mit vielen Absagen verbunden, denn die Räumlichkeiten waren für mehrere Hochzeiten und Fotoshootings vermietet. „Wir haben mit einem zweiten Lockdown gerechnet, aber für unseren Verein ist er eine Katastrophe“, sagt Gerd Neumann, der sich ehrenamtlich für den Verein engagiert und im Vorstand sitzt. Auch der Energietag des Museums, an dem die alte Dampfmaschine in Gang gesetzt werden sollte, fällt aus.

Die erst kürzlich eröffnete Sonderausstellung hat zahlreiche neue Besucher angelockt. „Wenn wir wieder öffnen dürfen, müssen wir mehr Werbung machen. Wir hoffen, dass wir im Dezember öffnen können, denn in der Vorweihnachtszeit ist das Museum immer gut besucht.“ Gerd Neumann hat auch beobachtet, dass die Wiedereröffnung des Museums-Cafés gut angenommen wurde. „Bis zum zweiten Lockdown hatten sich unsere Besucherzahlen stabilisiert.“ Die großen Räume des Wülfingmuseums haben dem Verein ermöglicht alle wichtigen Abstandsregeln leicht umzusetzen. „Hier ist alles groß und luftig, sodass ein Lockdown sicherlich nicht nötig für unser Museum war. Aber für einzelne Museen Ausnahmen zu machen, geht natürlich auch nicht. Eine differenziertere Betrachtung für den zweiten Lockdown wäre trotzdem gut gewesen“, sagt Gerd Neumann.

Eine differenziertere Betrachtung bei der Schließung von Freizeitstätten und Museen hätte sich auch Lothar Kasper gewünscht. Er gehört zum Vorstandsteam der IG Bismarck. Das Museum der Interessengemeinschaft in der Schlossmachergalerie leidet unter der erneuten Schließung. „Unsere Besucherzahlen waren nach dem ersten Lockdown deutlich kleiner, als noch im vergangenen Jahr. Früher konnten wir an jedem Sonntag 15 bis 30 Besucher begrüßen, in diesem Sommer waren es höchstens zehn pro Sonntag“, sagt er. Das aktive Freizeitangebot der Kleinstadt hat unter der Corona-Krise gelitten. „Die Resonanz auf Veranstaltungen war kleiner. Langsam spüren wir die Verunsicherung der Menschen. Sie verbringen ihre Freizeit jetzt lieber alleine, gehen spazieren oder fahren Rad“, sagt Lothar Kasper. Er rechnet nicht damit, dass Museen in diesem Jahr nicht wieder öffnen dürfen.