Radevormwald: Langer Samstag ist im Einzelhandel umstritten

Einzelhandel in Radevormwald : Langer Samstag lohnt sich nicht für alle

Der Einzelhandel ist mit dem Start ins Weihnachtsgeschäft durchaus zufrieden. Allerdings haben sich viele Inhaber entschieden, den Nachmittag nicht zu öffnen. Denn erfahrungsgemäß fahren dann viele Rader in die Großstädte.

In vielen Städten war der 30. November der erste „lange Samstag“ vor dem Weihnachtsfest. Auch in Radevormwald öffneten manche Läden an diesem Tag länger. Doch nicht alle haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass längere Öffnungszeiten auch bessere Verkaufszahlen bedeuten.

Felicitas Kühn vom gleichnamigen Juwelier-Fachgeschäft an der Kaiserstraße erklärt: „Wir waren mit dem Samstag zufrieden.“ Die zuvor in Prospekten vorgestellten Waren seien gut angenommen worden. „Wir hatten allerdings an diesem Adventssamstag nur bis 13 Uhr auf“, sagt Kühn. Früher habe man es auch mit dem langen Samstag probiert, „doch das hat sich nicht gelohnt“. Zum Weihnachtsmarkt Mitte Dezember wird das Juwelier-Geschäft allerdings auch länger geöffnet haben. Dann lädt die Werbegemeinschaft erneut zum „langen Samstag“ in die Innenstadt, wie schon jüngst beim Martinsmarkt.

Auch Karsten und Torsten Schaub, Inhaber des gleichnamigen Möbelgeschäftes, haben schon seit einigen Jahren darauf verzichtet, an solchen Samstagen länger zu öffnen. „Viele Radevormwalder fahren dann in die großen Städte, etwa nach Wuppertal“, nennt Torsten Schaub den Grund. Dennoch zeigt er sich mit der Resonanz am Samstagvormittag zufrieden: „Es lief gut.“

Der gleiche Trend zeigt sich bei Elektrofachgeschäft EP Biesenbach. „Wir hatten einen sehr guten ,Black Friday“ und Samstagvormittag“, sagt Oliver Biesenbach. Doch am Nachmittag blieb der Laden zu. „Wir hatten früher an den Nachmittagen auf, aber da tat sich fast nichts“, schildert Biesenbach seine Erfahrungen.

Es gibt jedoch auch Geschäfte, die gute Erfahrungen mit längeren Öffnungszeiten zum Advent haben. Die Bergische Buchhandlung an der Schlossmacherstraße hatte am Samstag bis 16 Uhr geöffnet. Und es hat sich gelohnt. „Wir haben mit so einem Ansturm gar nicht gerechnet“, sagt Dagmar Wittke. „Der Samstag ist sehr gut gelaufen.“ Gekauft würden vor allem die aktuellen Bestseller, darunter Thriller- und Krimi-Autoren wie Sebastian Fitzek oder die beliebten skandinavischen Krimireihen. „Zu Weihnachten werden gebundene Bücher häufiger nachgefragt als übers Jahr“, weiß Wittke. Auch Kalender und DVDs seien sehr gefragt gewesen.

Anke Hüllen, Inhaberin des Geschäftes „Bahama Moden“, hat am Samstag bis 16 Uhr ausgeharrt, obwohl sie einräumt: „Nach Mittag kamen vielleicht noch drei Kunden.“ Der Vormittag sei dagegen zufriedenstellend gelaufen.

Dennoch ist Anke Hüllen der Meinung, dass die Geschäfte in Rade sich den längeren Öffnungszeiten an solchen Samstagen nicht völlig verschließen sollten. Denn sonst drohe sich der genannte Effekt zu verstärken. „Wenn so viele Geschäfte geschlossen haben, dann gehen die Leute natürlich nicht mehr am Samstagnachmittag einkaufen.“ Die Chefin des Mode-Geschäftes ist zuversichtlich, dass die Kundenresonanz noch weiter anziehen wird. Die ersten beiden Wochenenden vor Weihnachten seien in Rade erfahrungsgemäß etwas schleppend.

Nach dem vergangenen Martinsmarkt und dem ersten „langen Samstag“ zu einer solchen Veranstaltung waren die Reaktionen im Rader Einzelhandel gemischt. Kein Vergleich zu den verkaufsoffenen Sonntagen, so hieß es. Ein Flop sei es allerdings auch nicht gewesen. Die Werbegemeinschaft hatte sich zu diesem Schritt unter dem Druck der Gewerkschaft ver.di entschlossen, die verkaufsoffene Sonntage kritisch beäugt und im vergangenen Jahre mit einer kurzfristigen Eingabe den Markt beinahe zum Scheitern gebracht hatte.

Ob die Besucher des Weihnachtsmarktes den „langen Samstag“ am 14. Dezember gut annehmen, muss sich nun zeigen.