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Radevormwald: Landwirte protestieren mit 50 Traktoren vor Aldi-Zentrallager

Mahnwache in Radevormwald : Landwirte protestieren vor Aldi-Lager

250 Bauern haben mit einer Mahnwache ihren Ärger über die drohende Senkung der Milchpreise öffentlich gemacht.

In der Nacht zu Montag haben mehrere hundert Landwirte vor dem Aldi-Zentrallager an der Bundesstraße 229 in Radevormwald mit einer Aktion gegen die Preispolitik des Discounters bei Milch protestiert. Aldi Nord und Aldi Süd hatten jüngst angekündigt, Preise für Milchwaren durch die Konzentration der Nachfrage senken zu wollen.

„Die Versammlung in Radevormwald war spontan organisiert worden“, berichtete Monika Treutler, Pressesprecherin der Oberbergischen Polizei unserer Redaktion. „Gegen 22 Uhr erhielten wir die Meldung, dass mehrere Traktoren im Bereich der B 229 standen.“

Die Beamten seien mit mehreren Streifenwagen zum Zentrallager gefahren. Es habe zeitweilig Verkehrsbehinderungen auf der Bundesstraße gegeben, nach Rücksprache mit eine der Organisatoren der Zusammenkunft sei die Straße aber wieder frei gemacht worden, so dass der Verkehr fließen konnte. „Es waren gegen 23 Uhr etwa 250 Personen mit 50 Traktoren vor Ort“, fasst die Polizeisprecherin zusammen. Um 0.15 Uhr habe man schließlich von den Kollegen die Mitteilung erhalten, dass die Landwirte ihre Aktion beendet hätten.

Holger Gesenberg, Ortslandwirt in Radevormwald, war in der Nacht auf Montag zwar nicht persönlich vor Ort, kennt die Sorgen seiner Kollegen jedoch gut. „Es stehen derzeit wieder Verhandlungen über die Preise an, und den Landwirten wurde mitgeteilt, dass der Liter künftig einen Cent weniger kosten soll. Am Ende kämen dann bei uns zwei Cent weniger an“, schilderte Gesenberg die Situation im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Grund für diese neue Preispolitik sei, dass Aldi Nord und Aldi Süd nun die Milch zusammen einkaufen. Auch das Coronavirus sei als ein Grund für die geplante Preissenkung genannt worden. Ein Radevormwalder Teilnehmer der Versammlung, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, berichtet: „Es waren eigentlich keine Proteste in dem Sinne, es war eine Mahnwache.“ Die Fahrzeuge von Aldi seien auch nicht blockiert worden, hätten nach einem Stopp auf das Gelände und auch wieder rausfahren können.

Das bestätigt auch Heiner Born, Ortslandwirt aus Breckerfeld, der zu den Organisatoren der Versammlung gehörte: „Wir Landwirte wollten dort einfach Präsenz zeigen.“ Mit den Plänen des Discounters könnten die Bauern nicht leben, versichert er. „Für manche ist das existenzbedrohend“. Man müsse bedenken: Durch die zwei vergangenen trockenen Jahren hätten viele Betriebe eine Menge Futter zukaufen müssen, erläutert Born Außerdem hätten viele Landwirte in jüngster Zeit in das Tierwohl investiert.

Es sei nicht akzeptabel, dass Aldi nun seine Macht ausspiele, obwohl es laut Heiner Born eigentlich keine wirtschaftlichen Gründe dafür gebe. „Das hat nichts mit dem Markt zu tun. Eigentlich müsste der Milchpreis stabil bleiben oder sogar ansteigen“, sagt er.