Radevormwald: Kurzweiliger Abend mit dem "Streichholzschachteltheater"

Kulturkreis in Radevormwald : Amüsanter Auftakt zur 71. Spielzeit

Mit dem „Streichholzschachteltheater“ von Michael Frayn startete im Bürgerhaus die neue Spielzeit. Das Rheinische Landestheater Neuss verwöhnte das Publikum mit einem kurzweiligen Abend.

Der Kulturkreis Radevormwald meldet sich mit einer abwechslungsreichen 71. Spielzeit aus der Sommerpause zurück und feierte am Mittwoch den Auftakt des neuen Programms. Das Rheinische Landestheater Neuss (RLT) holte das Publikum mit dem „Streichholzschachteltheater“ zurück ins Bürgerhaus am Schlossmacherplatz und zeigte mit diesem Format eine ganz neue Interpretation von Theater.

Im Streichholzschachteltheater sind die einzelnen Stücke, von denen es am Mittwoch 22 gab, so kurz, dass sie in eine Streichholzschachtel passen würden. Für die Schauspieler des RLT bedeutet das ein hohes Maß an Schnelligkeit und Flexibilität. Hergard Engert, Juliane Pempelfort, Nelly Politt, Carl-Ludwig Weinknecht, Peter Waros und Benjamin Schardt verkörperten am Mittwoch insgesamt 52 Figuren in dem Schauspiel von Michael Frayn. Das Publikum lernte unter anderem den desillusionierter Kontraphon-Solisten kennen, der im Orchestergraben auf Takt 973 wartet, oder das verstaubte Paar, das in der alten Krypta, die mittlerweile ein Club ist, aus ihrem hundertjährigen Schlaf geweckt wird. Die Figuren aus der Schreichholzschachtel beleben das Bühnenbild, eine Wand voll alter Koffer, auf unterschiedliche Arten. Mal dienen die Koffer als Sarg, mal als Bank und einige Minuten danach als Rednerpult. Aber nicht nur das eigentliche Bühnenbild ist Schauplatz der zahlreichen kleinen Geschichten, sondern auch das Publikum selber.

Der Theaterabend im Bürgerhaus startete damit, dass sich die Schauspieler unter die Radevormwalder mischten. „Das baut die Barrieren ab und macht Sie, das Publikum, zum Bühnenbild“, sprach Benjamin Schardt in die Menge. Mit ein bisschen Vorstellungskraft landeten die Zuschauer einige Minuten später unter anderem in einem Café, in dem die falsche Aussprache von Ländernamen unüberhörbar ist. Auf unterschiedlichen Ebenen, von purem Klamauk bis hin zur tiefgründigen Philosophie, brachten die Schauspieler ihr Publikum zum Lachen. Das Streichholzschachteltheater von Michael Frayn deckt die sprachlichen Ungenauigkeiten unserer Zeit auf und macht das Aneinandervorbeireden, typisch für den britischen Humor, wieder salonfähig.

Die Inszenierung von Caroline Stolz war ein gelungener Auftakt in die 71. Spielzeit, die Michael Teckentrup als „gemeinsame Reise“ beschreibt. Der Vorsitzende des Rader Kulturkreises begrüßte seine Abonnenten und Zuschauer am Mittwoch persönlich zu diesem Abenteuer. „Ich freue mich auf diese Reise, die hoffentlich sehr lebhaft wird“, sagte er. Er bedankte sich nicht nur bei den treuen Zuschauern des Kulturkreises, sondern auch bei den zahlreichen Sponsoren sowie der Bürgerstiftung der Sparkasse.

In den kommenden Monaten wird der Kulturkreis seine Zuschauer unter anderem mit einem Kriminalstück von Florian Battermann, einem Jazzkonzert von Julian und Roman Wasserfuhr, Kabarett, der Rader Comedy-Show sowie klassischem Abendtheater überzeugen.

Mit dem Anlauf der 71. Spielzeit geht für das Team des Kulturkreises und die Ensembles des Umkreises bereits die Planung der folgenden Spielzeit los. Die Zuschauer aus Radevormwald haben am Sonntag, 6. Oktober, die Möglichkeit die Planung der 72. Spielzeit mitzubestimmen und sich eine Vorschau der neuesten Stücken des Rheinischen Landestheaters Neuss anzusehen. Im Anschluss an die Vorstellung können die Bürger, wie jedes Jahr, Stimmen für ihre Favoriten abgeben, die dann vielleicht in einem Jahr auf der Bühne des Bürgerhauses zu sehen sind.

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