Kirche in Radevormwald „Einmal Gemeinde, immer Gemeinde“

Radevormwald · Nach 23 Jahren Küster- und Hausmeister-Dienst für die Lutherische Kirchengemeinde sind Hilda und Konstantin Wessain den Ruhestand verabschiedet worden. Das Ehepaar kam 1989 aus Kasachstan nach Radevormwald.

Das Hausmeister-Ehepaar Konstantin und Hilda Wessa ist in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Das Hausmeister-Ehepaar Konstantin und Hilda Wessa ist in den wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Foto: Jürgen Moll

Es ist ein Abschied – zumindest auf der beruflichen Ebene. Denn auch wenn Hilda Wessa und ihr Ehemann Konstantin seit Anfang November nicht mehr als Küster und Hausmeister in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde tätig sind, bleiben sie der Gemeinde doch auch weiterhin treu. „Aber wir haben jetzt wesentlich mehr Zeit für unsere drei Enkelkinder – der Große ist 14 Jahre alt, der Mittlere acht und die Jüngste erst vier“, sagt Hilda Wessa.

Nach Radevormwald sind die beiden 1989 gekommen, ursprünglich stammen sie aus Kasachstan. „Wir sind damals zuerst nach Stuttgart – beziehungsweise wollten das. Das hat aber nicht geklappt, weshalb wir zu meiner Schwägerin nach Radevormwald gekommen sind, die dort schon ein halbes Jahr lebte“, sagt Konstantin Wessa.

Als Küsterin hat Hilda Wessa am 1. November 1999 in der Kirchengemeinde angefangen. „Anfangs habe ich im Wartburghaus gearbeitet. Der damalige Hausmeister Roman Stikelmaier hat mich gefragt, ob ich nicht zur Unterstützung dort mithelfen wollte, nachdem seine Frau ihren Posten aufgegeben hatte“, erinnert Hilda Wessa sich an die Anfänge ihrer Arbeit in der Kirchengemeinde. Der spätere Vorteil, dass fortan nicht mehr nur ein Ehepaar für die Arbeiten zuständig gewesen ist, sondern zwei voneinander unabhängige Personen, sei am Anfang nicht der ganzen Gemeinde bewusst gewesen. „Man war es eben gewöhnt, dass es ein Hausmeisterehepaar gibt. Aber gerade in der Urlaubszeit hat sich der Vorteil schnell gezeigt“, sagt Hilda Wessa. Schließlich seien dann nicht beide Hausmeister gleichzeitig weg.

Aber auch jenseits dieser ganz praktischen Auswirkung, ist die Arbeit für die 66-Jährige schon bald „zu einem zweiten Zuhause“ geworden. Selbstständigkeit in den Aufgabenbereichen sei ihr ebenso ermöglicht worden wie der Einkauf der Dekorationen für die unterschiedlichen Jahreszeiten. „Manchmal hat man sich in der Gemeinde darüber gewundert, dass ich schon zu Weihnachten die neue Oster-Deko gekauft habe – aber das war einfach deutlich günstiger“, sagt Hilda Wessa lachend.

Jetzt, nach 23 Jahren, ist diese Zeit für die 66-Jährige zu Ende gekommen – in den letzten zwei Jahren ist sie von ihrem Mann dabei unterstützt worden, nachdem Roman Stikelmaier ebenfalls in Ruhestand gegangen ist. Der Gemeinde bleibt das Paar aber weiterhin treu. „Einmal Gemeinde, immer Gemeinde“, sagt Hilda Wessa und lächelt.

Als sehr schön hat das Paar die Abschiedsfeier empfunden, die die Gemeinde Ende November ausgerichtet hat. „Das war so wundervoll und ich möchte mich hier auch noch einmal herzlich dafür bedanken. Das war ein Abschied, wie man ihn sich nur wünschen kann“, sagt die 66-Jährige gerührt. Ganz offensichtlich sei die eigene Arbeit in der Kirchengemeinde eben wohl wertgeschätzt worden. Ihre Hauptarbeit habe sie neben der Kirche an der Burgstraße eben über lange Jahre im Wartburghaus und im Paul-Gerhardt-Haus. „Es war immer viel los, sei es die Blutspende, der Mittagstisch oder die Arbeit der Diakonie, bei der ich mitgeholfen habe“, sagt Hilda Wessa.

Besonders gerne erinnere sie sich dabei an die großen Feiern. „Ob das nun die Seniorenweihnachtsfeiern mit über 700 Teilnehmenden waren oder auch die Jubelkonfirmationen im Wartburghaus. Das hat schon einfach Spaß gemacht, wenn alle froh und glücklich waren, weil die Feier gut geklappt hat“, sagt die 66-Jährige.

Im Ruhestand freut sich das Paar nun hauptsächlich auf die viele Freizeit, die es nun vor allem an den Wochenenden hat. „Klar, die meisten Feiern und Feste waren an Wochenenden und Feiertagen. Ich habe das sehr gerne gemacht, denn die Gemeinschaft mit Menschen ist etwas, das ich einfach brauche“, sagt Hilda Wessa. Trotzdem freuen sich die beiden, nun nicht mehr auf berufliche Termine Rücksicht nehmen zu müssen. „Ich mache gerne Sport, habe auch einen neuen Meditations-Kursus in Lennep begonnen – und möchte viel für meine Enkelkinder da sein, und ihnen viele Geschichten erzählen“, sagt die 66-Jährige. Dennoch werde das Paar der Gemeinde auch weiter mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und sicherlich auch mit dem einen oder andere offenen Ohr. „Das war nämlich auch bisweilen wichtig, so ein bisschen Seelsorge, wenn ich eben die nächste Person in der Nähe war“, sagt Hilda Wessa. Abschied – das ist immer auch ein Blick zurück. Und da sieht das Ehepaar Wessa vor allem eines: „Eine gute Zeit, eine wirklich sehr gute Zeit“, sagen beide.

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