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Radevormwald: Kreuzweg an der Wupper für alle Sinne

Unterwegs in den Wupperorten : Kreuzweg an der Wupper für alle Sinne

Die Kirchengemeinde Remlingrade und Dahlerau hat einen Kreuzweg eingerichtet. Das analoge Programm führt durch die bergische Natur und erweckt alle Sinne.

Gegenüber vom Friedhof in Dahlerau steht ein Holzkreuz. Daneben ein Korb gefüllt mit kleinen Steinen. Jeder, der an dieser Station des Kreuzweges der evangelischen Kirchengemeinde Remlingrade und Dahlerau vorbeikommt, wird aufgefordert, sich einen Stein auszusuchen und ihm und Gott die Dinge anzuvertrauen, die einem Angst und Sorgen machen. „Laufe ein Stück mit dem Stein. Zum Schluss lege den Stein an einer schönen Stelle ab oder behalte ihn als Erinnerung“, steht auf einem gelben Zettel. Das Kreuz in Dahlerau am Siedlungsweg ist eines von sieben Kreuzen, die von der Kirchengemeinde aufgestellt wurden und bis einschließlich Ostersonntag besucht werden können. „Wir nutzen den altbekannten Kreuzweg, aber in anderer aktueller Ausrichtung und für die je eigene persönliche Stille und Meditation, für Glaubens- und Lebenszuversicht“, sagt Pfarrer Albrecht Keller.

Wer den Siedlungsweg verlässt, entdeckt wenige Meter später das nächste Kreuz auf der Keilbeck. An diesem Kreuz baumelt ein kleiner Spiegel, der an sonnigen Tagen funkelt. Eine verschlüsselte Nachricht kann mithilfe des Spiegels gelesen werden – und auch der kurze Blick in den Spiegel regt zum Nachdenken an. Man begegnet auf dem Kreuzweg nicht nur Gott, sondern auch sich selber. An jedem Kreuz hängt außerdem ein Liedtext, den man als Text für sich lesen oder auch singen kann. Der Kreuzweg erlaubt es seinen Besuchern, kreativ zu werden und Gott auf vielen verschiedenen Wegen zu begegnen.

Die Keilbeck hoch marschiert, kann man einen kleinen Abstecher in die Kolpingstraße machen. Dort, in einem beschaulichen Vorgarten, steht ein weiteres Kreuz, von dem eine rote Schnur wegführt. Mutige Menschen ergreifen diese Schnur und verfolgen sie blind. Sich auf seinen Tastsinn zu verlassen und Vertrauen zu üben, steht an dieser Station im Vordergrund. Menschen, die zu Zweit wandern, können sich ihr Vertrauen gegenseitig schenken und sich ein Stück des Kreuzweges blind führen. Begleitet wird dieses Kreuz von einem Widerstandstext von Dietrich Bonhoeffer sowie der Bibelstelle „Sei getrost bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“

Auf dem Weg Richtung Remlingrade wandert der Blick über weite Felder, auf denen Kühe und Pferde grasen. Vor der ehemaligen Gaststätte Schöne Aussicht steht ein weiteres Kreuz, das nächste begegnet allen Besuchern in der Ortschaft Sondern. Direkt am Straßenrand gibt es die Möglichkeit, innezuhalten und sich ein kleines Kärtchen mitzunehmen, das die Jahreslosung 2020 verkündet. Der Blick auf die historische Kirche in Remlingrade bestimmt die letzten Meter des Kreuzweges. In der Ortschaft stehen zwei Kreuze. Eines am Friedhof, ein weiteres direkt vor der Kirche.

An dem Kreuz vor der Kirche hängen zwei große Holzlöffel. Die Spaziergänger werden zum Eierlauf aufgefordert. Wenn die Plastikeier herunterfallen, ist der Schaden nicht groß, aber der Spaß riesig, wenn der Eierlauf um die Kirche zur Herausforderung wird. Das Kreuz vor der Dorfkirche klärt außerdem darüber auf, was Eier mit Ostern zu tun haben und motiviert, die großen Ziele nicht aus dem Auge zu lassen. Der Liedtext „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ erklingt nach dem Lesen der ersten Zeilen in allen Ohren.

Der Kreuzweg der Kirchengemeinde berührt das Herz, bereitet Freude, macht emotional, nachdenklich und regt alle Sinne an. Der Weg eignet sich mit seinen sieben Stationen für Erwachsene und Kinder. Zur Orientierung ist an jedem Kreuz ein Lageplan zu finden, der das Abkommen vom Weg unmöglich macht.

Und wer nicht den gesamten Kreuzweg abgehen möchte, kann sich auch nur auf einzelne Stationen einlassen.