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Radevormwald: Knappes Rennen bei den Zweitstimmen

Bundestagswahl 2021 : Auch in Rade war es ein knappes Rennen

Zwar blieben die Christdemokraten bei der Auszählung vor der SPD, doch der Abstand bei den Zweitstimmen war zeitweise winzig. Durchweg zufrieden zeigte sich am Wahlabend nur die FDP.

Die CDU hat in Rade noch immer viele treue Wähler – das zeigen die Ergebnisse der Bundestagswahl in der Bergstadt. Bereits zu Beginn der Auszählung lag der CDU-Kandidat für den Wahlkreis Oberberg, Dr. Carsten Brodesser, vor seiner SPD-Herausforderin Michaela Engelmeier, wenn auch weniger deutlich als noch vier Jahre zu vor. Bei den Zweitstimmen zeigte sich dagegen, dass CDU und SPD bei diesem Wahlkampf näher beieinander liegen, als man vor einem halben Jahr noch geglaubt hätte. Gegen Ende der Auszählung hatten die Christdemokraten nur noch einen winzigen Vorsprung.

Der große Anteil der Briefwähler bei dieser Bundestagswahl sorgte dafür, dass die Auszählung lange dauerte. Die Ergebnisse der Briefwahlbezirke fielen vor allem dadurch auf, dass die AfD-Stimmen nur etwa halb so hoch waren wie bei den Abstimmungen in den Wahllokalen und die Grünen hier einen größeren Stimmanteil erhielten.

Die CDU Radevormwald hatte sich am Sonntagabend erneut in der Gaststätte Oberste Mühle im Uelfetal versammelt. Gerd Uellenberg, Vorsitzender des Stadtverbandes, sah nach der ersten Hochrechnung im Bund noch Potenzial für die Union, sich vor die SPD zu schieben. „Wir haben eine Trendwende geschafft“, kommentierte er das Ergebnis. Auch das Direktmandat im Kreis werde man mit hoher Wahrscheinlichkeit verteidigen.

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Dennoch räumt Uellenberg ein, dass der Wahlkampf sich für die Union als härter entpuppt hatte als erwartet. „Im Frühsommer haben manche vielleicht noch gedacht, das geht leicht von der Hand, schließlich können wir 16 Jahre erfolgreiche Regierungsarbeit vorweisen.“

Auf die Frage, ob die Union sich programmatisch und personell – zum Beispiel mit dem zum Schluss hastig präsentierten Zukunftsteam – sich nicht zu spät aufgestellt habe, meint Uellenberg: „Es gibt in unserer Partei verschiedene Meinungen, und dieser Diskurs muss im Programm enthalten sein.“ Und dafür brauche es Zeit.

Dietmar Stark, SPD-Vorsitzender und Fraktionschef, zeigte sich von dem unerwarteten Wiederaufstieg der SPD bei dieser Wahl erfreut, auch wenn er am frühen Abend einräumen musste, dass der Vorsprung zur Union am Ende doch recht klein ausgefallen war. Trotzdem lautet sein Resümee: „Das ist ein schönes Ergebnis.“ Die SPD habe zweifellos auch von den Fehlern der Kandidaten Armin Laschet und Annalena Baerbock profitiert, aber der Zuspruch für Olaf Scholz als Kanzlerkandidat sei in den vergangenen Wochen spürbar gewachsen.

Dass die Union auf Bundesebene schon früh die Jamaika-Koalition ins Gespräch brachte, hält Stark kaum für den Ausdruck des Wählerwillens, dagegen spreche das gute SPD-Ergebnis. „Ich denke, dass die Bürger auch keine Neuauflage der Großen Koalition wollen“, meint er.

Enttäuscht von dem Wahlabend auf Bundes- wie auch regionaler Ebene zeigte sich die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne in Radevormwald, Elisabeth Pech-Büttner: „Dass die 25 Prozent auf Bundesebene nicht mehr zu schaffen waren, das ahnten wir, aber nur 15 Prozent – das hätte mehr sein können“, sagt sie bedauernd. Die Schuld sieht sich nicht bei der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, auch wenn es sicherlich Fehler gegeben habe. Dass die Grünen nach den ersten Ergebnissen für Radevormwald auch in der Stadt unter den Erfolgen bei der Kommunalwahl lägen, wundere sie sehr. Besonders erschreckend finde sie, dass die Alternative für Deutschland (AfD) in Radevormwald und im Kreis teilweise vor den Grünen liege.

Während die anderen Parteien nicht aus vollem Herzen über ihr Ergebnis jubeln konnten, zeigte man sich bei den Liberalen in der Bergstadt am Sonntagabend gut gelaunt. „Wir sind sehr zufrieden“, versicherte Annette Pizzato, die Fraktionsvorsitzende der FDP im Radevormwalder Rat. „Wir sitzen hier im Haus Burgstraße, haben uns Pizza bestellt und verfolgen die Ergebnisse.“ Wieder einmal sei es der FDP gelungen, zweistellig zu werden. „Nun hoffen wir auch, dass unser Kandidat es in den Bundestag schafft.“ Dass die AfD und ihr Kandidat Bernd Rummler im Oberbergischen Kreis erneut ein starkes Ergebnis erreicht werden, sei leider sehr unerfreulich, so Pizzato.

Bei der AfD selber zeigt sich der Radevormwalder Fraktionsvorsitzende Udo Schäfer mit dem Ergebnis in der Stadt und im Kreis zufrieden. „Auch wenn wir ein wenig verloren haben im Vergleich zur letzten Wahl.“ Auf Bundesebene bleibt die AfD stabil, kann aber von ihrer Linie gegen die Corona-Proteste offenbar wenig profitieren. Er selber, sagt Schäfer, gehöre eher zu jenen AfD-Mitgliedern, die den Querdenkern weniger nahe stehe. Dieses Wählerpotenzial decke ja eher die neue Partei „dieBasis“ ab.

Das schlechte Ergebnis der Linken auf Bundesebene schlug sich auch in den Zahlen für Radevormwald nieder, hier lagen zum Redaktionsschluss ihre Werte bei den Zweitstimmen knapp über drei Prozent.

(s-g)