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Radevormwald: Klaus Wagner wurde vor 50 Jahren zum Pfarrer ordiniert

Kirche in Radevormwald : Rückblick auf ein bewegtes Pfarrer-Leben

Klaus Wagner wurde vor 50 Jahren zum Pfarrer ordiniert. Die Hauptzeit seines Berufslebens war der gebürtige Wülfrather in Remlingrade tätig. Auch sein Vater war bereits evangelischer Pfarrer.

Klaus Wagner war 28 Jahre, als er zum Pfarrer ordiniert wurde. Das war im Jahr 1971 – da wurde er in seiner Heimatgemeinde Düssel bei Wülfrath offiziell in seinen Beruf eingeführt. „Das fand in einem Gottesdienst statt, ich hatte damals meine zweite Theologische Prüfung gerade bestanden“, sagt der heute 78-Jährige.

Das Theologiestudium sei auch wegen der Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch sehr umfangreich gewesen, so dass er nach zwölf Semestern im Jahr 1969 das erste Theologische Examen absolviert habe. „Ich komme selbst aus einer Pfarrersfamilie, mein Vater war von 1937 bis 1973 Pfarrer in der reformierten Kirchengemeinde in Düssel. Ich selbst bin 1943 dort geboren worden“, sagt Wagner.

Für seine Eltern sei es durchaus etwas Besonderes gewesen, dass alle vier Kinder hätten studieren können. „Mein Großvater war Bergmann und Bauer im Saarland. Auch für ihn war es besonders, dass er seinen Sohn zum Studium schicken konnte“, sagt der 78-Jährige.

Im Vikariat, das sich an das erste Examen angeschlossen habe, seien die beruflichen Weichen zunächst in eine etwas andere Richtung gestellt worden als die Seelsorge. „Ich habe in der Bergischen Diakonie Aprath-Oberdüssel gearbeitet – das ist das, was man heute sozialpädagogische Betreuung nennen würde. Davon beeinflusst habe ich ein Zweitstudium der Pädagogik angeschlossen“, sagt Wagner. Dem Studium habe sich dann die erste kreiskirchliche Pfarrstelle im Elberfelder Erziehungsverein in Wuppertal angeschlossen. Dort habe er in der Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern in Religionspädagogik gearbeitet. Allerdings habe er sich dann doch mehr und mehr zur Gemeindearbeit hingezogen gefühlt. „Das führte dann 1980 dazu, dass ich Gemeindepfarrer in Remlingrade wurde – wo ich dann auch bis zu meiner Pensionierung 2004 geblieben bin“, sagt Wagner.

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Ganz von der Pädagogik habe er indes nicht lassen können, denn weil Remlingrade eine recht kleine Dorfgemeinde gewesen sei, habe er von der Landeskirche noch eine Sonderaufgabe übertragen bekommen. Eine durchaus nicht alltägliche, wie er sich heute schmunzelnd erinnert. „Ich war zuständig für den sogenannten berufsethischen Unterricht an der Polizeischule in Wuppertal“, sagt er. Dort habe er angehende Polizisten in ethischen Fragen unterrichtet. „Für die Gemeinde war das ein lukrativer Job, da sie von der Landeskirche dafür Gelder bekam“, sagt Wagner. Da er selbst aus einer kleinen und ländlichen Gemeinde stamme – Düssel ist ein kleiner Ortsteil von Wülfrath und hat nur rund 2700 Einwohner – sei ihm der Wechsel ins beschauliche Remlingrade nicht schwergefallen. „Mich hat damals die überschaubare Gemeindegliederzahl gereizt, was für mich bedeutet hat, dass ich die Gelegenheit hatte, die Menschen persönlich kennenzulernen – und auch das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde zu fördern und auszubauen“, sagt Wagner. Nachdem der Unterricht an der Polizeischule nicht mehr von Wagner gegeben worden sei, habe sich ein neuer kreiskirchlicher Auftrag angeschlossen – die Betreuung von Übersiedlern und Asylbewerbern im Freizeitheim. „Meine Pfarrstelle war auf 75 Prozent ausgelegt, die restlichen 25 Prozent habe ich damit gefüllt“, sagt Wagner.

Und auch sonst sei er sehr rührig gewesen. „Wir haben den Arbeitskreis Asyl gegründet, das Café International im Caritas-Haus und die Notfallseelsorge in Rade organisiert. Außerdem habe ich noch an der Realschule in der Stadt Religion unterrichtet“, sagt der 78-Jährige.

Nun sei er bereits seit 17 Jahren im Ruhestand. Langweilig sei es ihm in dieser Zeit nicht geworden. „Ich bin mit meiner Frau viel mit dem Wohnmobil gereist, außerdem konnte ich meinen Hobbys nachgehen – Klavierspielen, Singen im Chor, Gartenarbeit und Briefmarkensammeln. Ich besuche auch ausgesuchte Vorlesungen in der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal“, sagt Klaus Wagner.

Auch wenn sich die Kirche derzeit insgesamt verändere, sehe er dennoch nach wie vor die „Strahlkraft des Evangeliums und die Treue Gottes“, wie er sagt. „Dadurch werden alle nötigen Erneuerungen der Gemeinden ermöglicht“, ist der 78-Jährige überzeugt.