1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: Kein Toilettenpapier mehr für Senioren-WG

Coronakrise : Kein Toilettenpapier in Senioren-WG

Weil in Rade gehamstert wurde, musste die Diakoniestation zu ungewöhnlicher Maßnahme greifen.

Dass das Hamstern von Toilettenpapier ein Unding ist, sollte mittlerweile eigentlich allen klar sein. Dass dem leider nicht so ist und die weißen Rollen gekauft werden, als würde das Fortbestehen der Menschheit davon abhängen, musste nun die Senioren-Wohngemeinschaft der Diakoniestation Radevormwald in Remlingrade machen. „Bei uns wird einmal in der Woche ein Großeinkauf getätigt, dann wird unter der Wache noch bei Bedarf nachgekauft“, sagt Uwe Kremers, Geschäftsführer der Diakoniestation. Dass dann für die Bewohner in Remlingrade eben nicht nur eine, sondern eben mehrere Packungen Toilettenpapier gekauft werden müssen, ist klar. In Zeiten des grassierenden Hamsterkaufs eine potenziell problematische Sache. „Deswegen habe ich die Mitarbeiterin, die für den Einkauf zuständig ist, mit einem Diakonie-T-Shirt ausgestattet“, sagt Kremers.

Normalerweise seien die Mitarbeiter der Senioren-WG in Zivilkleidung im Dienst. Er habe befürchtet, dass die Mitarbeiterin vielleicht angepöbelt werden würde. Ein Hinweis auf die Arbeitsstelle, für die eingekauft würde, würde da vielleicht entschärfend wirken. „Das war auch tatsächlich eine ganz richtige Einschätzung, wie mir die Mitarbeiterin nach dem Einkauf bestätigt hatte“, sagt Kremers. Allerdings, wie der Geschäftsführer der Diakoniestation weiter ausführt: „Sie hat keine einzige Rolle Toilettenpapier mehr bekommen.“

Not macht in dieser Situation erfinderisch. Kremers waren die Worte mit dem Aufruf nach Solidarität, die er unter anderem in der Zeitung und im Radio gehört hatte, im Kopf geblieben. „Daraufhin kam mir die Idee, mit einem Facebook-Posting auf unsere missliche Lage hinzuweisen“, sagt Kremers. Dort wurde ein Bild eines großen Pappkartons gepostet, im Begleittext dazu hieß es: „Es geht um die Mieterinnen und Mieter der Senioren-WG in Remlingrade. Das ist eine selbstbestimmte WG, für die wir als Pflegedienst die Betreuung, die Pflege, die Hauswirtschaft und das Einkaufen sicherstellen. Und beim Einkaufen haben wir ein Problem – Überraschung! Es gibt keine ausreichende Menge an Klopapier!“ Dazu wurde die Bitte um Spende von einer oder zwei Rollen im Büro an der Andreasstraße 2 veröffentlicht.

„Es gab direkt einige Spenden, das hat uns natürlich sehr gefreut. User gaben zudem weitere Tipps: „Könnt ihr nicht die Gastronomen fragen, die jetzt schließen“, schrieb eine. Eine andere bemängelte: „Traurig, dass es in Radevormwald soweit kommen muss. Es gibt wirklich nur noch ICH ICH ICH. Kein Wir mehr.“ Die unmittelbare Reaktion habe ihn gefreut, sagt Kremers. „Wir können auch weiterhin Spenden brauchen, es soll aber nicht nur der Vorrat in der WG wieder aufgefüllt werden. Es geht mir auch darum, die Menschen zum Nachdenken über ihr Verhalten anzuregen.“ Er habe mit dem Posting auch ein Zeichen setzen wollen.

Kremers betont weiter, dass die Unterstützung innerhalb des Pflegearbeitskreises in der Stadt sehr gut funktioniere. „Wir konnten zum Beispiel dem Seniorenhaus mit Handschuhen aushelfen – und haben dafür eine Großpackung Toilettenpapier erhalten“, sagt der Geschäftsführer. Er bitte zudem um weitere Spenden, da damit auch den Pflegebedürftigen zu Hause geholfen werden könne. Die Abgabe an der Andreasstraße 2 ist in der Zeit von 8 bis 14 Uhr möglich.