Radevormwald: Jubelkonfirmation in der Keilbecker Kirche

Gemeinden Dahlerau und Remlingrade : „Damals war es unglaublich aufregend“

Viele Erinnerungen wurden wach bei der Feier zur Jubelkonfirmation in der evangelischen Kirche in Keilbeck. 20 Frauen und Männer begingen das Jubiläum ihrer Konfirmation – und erzählten schöne Anekdoten von früher.

„Es war ein Sonntag im April 1949 und ein großes Ereignis“, beginnt Hanns Neumaier am Sonntag seine Ansprache im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Keilbeck. Denn dieser feierliche Tag sollte ihn zu einem „vollwertigen Christen“ machen. Die Rede ist natürlich von seiner Konfirmation, die sich in diesem Jahr zum 70. Mal jährte.

Der heute 84-Jährige war einer von 20 Jubelkonfirmanden der evangelischen Kirchengemeinden aus Dahlerau und Remlingrade, die gemeinsam ihr jeweiliges Jubiläum feierten. Es handelte sich um die Jahrgänge 1949, 1959, 1969 und 1994, also waren 70, 60, 50 und 25 Jahre seit der Konfirmation vergangen.

Für Hanns Neumaier ist es immer noch ein wichtiger Tag, da er eigentlich als kleiner Junge katholisch getauft worden war und es vieler Gespräche und Ausnahmen bedurfte, bis er mit seinen Freunden gemeinsam zur Konfirmation gehen und Protestant werden durfte. Die Gespräche zwischen seinen Eltern und dem Pfarrer seien damals wahrscheinlich eine der ersten ökumenischen Veranstaltungen gewesen, scherzt er und bringt damit die versammelte Gemeinschaft zum Lachen.

Doch nicht nur er schwelgte am Sonntag in Erinnerungen an lustige Ereignisse aus seiner Jugend. Als Günter Lehn während des vorangegangenen Gottesdienstes auf die Fensterbilder im Altarraum blickte, musste er an seinen Konfirmationsunterricht zurückdenken: „Meine Konfirmation war auch hier in der Kirche von Keilbeck, und die Fenster zeigten damals schon die vier Evangelisten. Unser damaliger Pastor Müller legte immer sehr viel Wert darauf, dass wir die Namen der Apostel richtig aussprachen, und wir machten uns einen Witz daraus sie extra falsch zu betonen. Da konnte er richtig böse werden.“

Damals waren es ungefähr 30 Jugendliche, die sich konfirmieren ließen, darunter viele seiner Schulkameraden. „Ich habe sogar noch einen alten vergilbten Gemeindebrief gefunden, wo wir alle gelistet waren“, berichtet er.

Leider wird die Gruppe der Jubelkonfirmanden aus seinem Jahrgang von vor 60 Jahren immer kleiner, aber einige Bekannte waren am Sonntag noch da – und für Lehn war dies wie für die anderen Damen und Herren eine Freude. „70 Jahre, das ist eine lange Zeit. Es war kurz nach dem Krieg, ich lebte auf dem Land, und wir waren fünf Jungen und fünf Mädchen“, erzählt Helga Field und betrachtet dabei das alte Foto, das bei ihrer Konfirmation aufgenommen wurde. Alle tragen dunkelblaue Kleidung mit zueinander passenden Applikationen, die alle von der gleichen Schneiderin gemacht worden waren.

Trotz der schweren Nachkriegszeit war die Vorbereitungsphase auf die Konfirmation auch schön. „Der Pastor früher in Thüringen war sehr nett, und wir haben viel gelernt“, meint Fild. Auch ihre Sitznachbarin Doris Rummenhöller erinnert sich an die vielen Dinge, die sie für die Konfirmation lernen musste: „Es war unheimlich aufregend. Wir mussten an den Presbytern vorbeigehen und deren Fragen richtig beantworten. Sie entschieden dann, ob wir die Konfirmation empfangen durften oder nicht“.

So machten beim gemeinsamen Mittagessen der Jubilare viele Erinnerungen die Runde. Und dabei stand die Feier vor einer Woche noch kurz davor, wegen einer Erkrankung von Pfarrer Keller auszufallen. So übernahm am Sonntag Michael Parpart den Gottesdienst – alles konnte wie geplant stattfinden.

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