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Radevormwald: Jetzt beginnt die letzte Woche der Realschule

Die Geschichte der Realschule endet : Jetzt beginnt die letzte Woche der Realschule

Die Städtische Realschule verabschiedet in dieser Woche ihre letzten Schüler. Damit endet ein wichtiges Stück Stadtgeschichte, das bereits im Jahr 1860 begann.

Die Städtische Realschule Radevormwald verabschiedet in dieser Woche ihre letzten Schüler. Bereits 2014 wurde beschlossen, das diese Schulform in der Stadt auslaufen wird und gemeinsam mit der Geschwister-Scholl-Hauptschule durch die Sekundarschule ersetzt wird. Seitdem ist nicht nur das Lehrer-Kollegium an der Realschule immer kleiner geworden, sondern auch die Zahl der Jahrgänge. Es waren herausfordernde letzte Jahre für Schulleiter Claus Peter Wirth.

„Für mich war diese Entscheidung ein herausragendes Ereignis. Am Anfang waren wir alle sehr betroffen und danach war kein Jahr, wie das andere. Wir mussten uns vielen organisatorischen Herausforderungen stellen und uns mit der Entscheidung der Politik und der Stadt arrangieren.“ Nicht nur für den Schulleiter der Realschule, sondern für das gesamte Kollegium war das Ende der Realschule eine bittere Wendung in der Rader Schullandschaft. „Ich halte die Sekundarschule nicht für die falsche Schulform“, sagt er. „Sie hat eine andere Ausrichtung als eine Realschule. Wir haben immer versucht, unseren Schülern so viel Bildung wie möglich zu vermitteln. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass dieser Anspruch gelingt, wenn Schüler durch differenzierte Schulformen auf ihrem Niveau gefördert werden“, sagt Claus Peter Wirth. Er hat die persönliche Entscheidung getroffen, in den kommenden Jahren nicht weiter als Lehrer zu arbeiten. „Die Schulpolitik geht nicht in die richtige Richtung. Wir haben zu wenig Ressourcen. Das Schulsystem kann ich in dieser Form nicht weiter mittragen“, stellt er klar. 

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Die Städtische Realschule hat sich für ihn durch einen guten Zusammenhalt und einen fairen Leistungsanspruch ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren ist der gemeinsame Alltag mit der Sekundarschule immer mehr in den Fokus gerückt. Die beiden Schulformen haben sich nicht nur ein Schulgebäude, sondern teilweise auch Lehrkräfte geteilt. „Die Zusammenarbeit war respektvoll und hat gut funktioniert“, sagt der Schulleiter.

Die Belastung des letzten Jahrgangs der Realschule war groß. Das gilt allerdings für alle Schüler, die der Corona-Pandemie begegnen mussten. „Unser Abschluss-Jahrgang hat relativ viel Präsenzunterricht erlebt. Die Schüler können sich in dem Alter schon selber organisieren und mit digitalen Angeboten umgehen. Das letzte Jahr an unserer Schule wäre anders verlaufen, hätten wir uns nicht in einer Krise befunden.“ Dass der Abschluss-Jahrgang nicht das normale soziale Gefüge einer Realschule erleben konnte, finden einige Schüler schade. „Natürlich lebt eine Schule davon, dass es junge und alte Schüler gibt. Das konnte unser letzter Jahrgang leider nicht erleben.“

 1860 wurde die erste Form der späteren Realschule zunächst als Jungenschule in Rade gegründet.
1860 wurde die erste Form der späteren Realschule zunächst als Jungenschule in Rade gegründet. Foto: Archiv

Die ersten Schüler begrüßte die Städtische Realschule im Oktober 1860, als die erste weiterführende Schule der Stadt eröffnet wurde, damals allerdings noch als Privatschule. 1874 wurde die Schule in Rektoratsschule für Jungen mit angeschlossener privater Töchterschule umbenannt. 1885 wurde die Schule zur gemeinsamen Rektoratsschule für Jungen und Mädchen. In städtische Trägerschaft gingen beide Schulen erst 1897 über. Damals betrug das Schulgeld 200 Mark pro Schuljahr. 1907 wurde dann das neue Schulgebäude an der Blumenstraße errichtet. Die Mädchen waren im Obergeschoss, die Jungen im Erdgeschoss untergebracht.

 Von der Blumenstraße zog die Schule um in die Hermannstraße.
Von der Blumenstraße zog die Schule um in die Hermannstraße. Foto: Archiv

1939 folgte die Umwandlung der Rektoratsschule in eine sechsstufige Mittelschule und erst seit 1951 heißt die Schule Realschule. Damals besuchten 339 Schüler die Schule. 1962 begann der Bau eines neuen Schulgebäudes an der Hermannstraße 21. Nach dem Neubau des Theodor-Heuss-Gymnasiums folgte ein drittes Schulgebäude an der Hermannstraße, das innerhalb von nur fünf Monaten errichtet wurde. Die Schülerzahl der Realschule nahm weiterhin stark zu, sodass 1998 der Anbau eingeweiht wurde. 2004 übernahm Regina Meyerhoff die Schulleitung der Realschule.

Der aktuelle Schulleiter Claus Peter Wirth will sich in der letzten Woche der Realschule, die nun anbricht, die Zeit nehmen, um sich von seinen Schülern und Kollegen zu verabschieden. Für die Lehrer der Realschule und ihre letzten Schüler wird diese Woche sicherlich mit vielen Höhen und Tiefen verbunden sein.