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Radevormwald: Ist ein Böllerverbot in der Stadt vorstellbar?

Ordnungsamt in Radevormwald : Ist in Rade ein Böllerverbot vorstellbar?

Eine Mehrheit der Deutschen will ein Böllerverbot. Mancherorts gibt es Teilverbote. Doch dazu müssen Voraussetzungen erfüllt sein.

Knaller zünden und Raketen abschießen, das gehört für viele Menschen zum Silvesterfest. Andere kritisieren den Lärm und die Luftverschmutzung, die damit einhergehen – laut dem Umweltbundesamt werden jedes Jahr 4000 Tonnen Feinstaub durch das Silvesterböllern in die Luft über Deutschland gepustet. Hinzu kommen die schweren Unglücksfällen durch Pryotechnik und das Leiden von Haustieren, die durch das Geknalle zu Tode geängstigt werden.

Zwar hat am Samstag der Verkauf der Feuerwerkskörper wieder begonnen, doch die Stimmung in der Bevölkerung scheint tatsächlich zu kippen: Wie das Meinungsforschungsinstitut „YouGov“ im Auftrag des Redaktions-Netzwerk Deutschland nun ermittelte, ist eine Mehrheit von 57 Prozent der Bundesbürger inzwischen für ein Böllerverbot. In großen Städten werden inzwischen schon Teilverbote ausgesprochen.

Doch wie ist die Lage in einer Kleinstadt wie Radevormwald? Ist ein Verbot der Knallerei hier denkbar? Jochen Knorz, der Leiter des Ordnungsamtes, räumt ein: „Wir haben in der Verwaltung über dieses Thema noch nicht nachgedacht.“ Nach seiner Einschätzung ist ein solches Verbot im Moment aber eher unwahrscheinlich. „Ein solches Verbot kommt in Betracht, wenn eine akute Gefährdungslage vorliegt“, erläutert Knorz. „Ein klassischer Bereich ist beispielsweise die Kölner Domplatte in der Silvesternacht.“ Wo sich Menschen dicht drängen, kann das Anzünden von Pyrotechnik gefährlich werden. „Das Gleiche gilt auch, wenn in dem Bereich, wo Feuerwerk stattfinden soll, leicht brennbare Gebäude stehen, zum Beispiel solche mit Rieddächern.“ Auch in eng gebauten, verwinkelten Altstädten sei ein solches Verbot denkbar, damit nicht Querschläger für Schaden an Menschen und Häusern sorgen. Knorz resümiert: „Ich kenne keine Kommune hier im Umkreis, die bislang ein Böllerverbot verhängt hat.“

Die Feuerwehr in Radevormwald ist der Silvesternacht wieder mit einem Bereitschaftsdienst für Einsatze gerüstet. Allerdings hat es in den vergangenen Jahren zum Glück keine schweren Unglücke mit Feuerwerkskörpern gegeben. Die Feuerwehr weist darauf hin, dass auch jene Bürger, die nicht selber knallen, einige Sicherheitsregeln beachten sollen. So sollte man den Balkon freiräumen, vor allem dann, wenn dort Dinge stehen, die leicht entflammbar sind, etwa welke Pflanzen oder Gartenmöbel. Wer gerne böllert, sollte zumindest einen Blick auf die Artikel werfen und nachsehen, ob diese die Prüfnummer des Bundesamtes für Materialprüfung (BAM) tragen. Diese muss sich auf der Verpackung befinden. Wer importierte Feuerwerkskörper ohne BAM-Nummer zündet, macht sich strafbar – und geht das Risiko ein, mit schweren Verletzungen ins neue Jahr zu gehen.

Dass man Kindern keine gefährlichen Böller in die Hand gibt, sollte eigentlich jedem Erziehungsberechtigten einleuchten. Glasflaschen, die gerne zum Abschießen von Raketen genutzt werden, sollte man in einen Getränkekasten stellen, damit die Flaschen nicht umkippen und die Raketen nicht jemanden treffen, der in der Nähe steht.

Und für alle Fälle sollte man beim Böllern immer einen Eimer Wasser, eine gefüllte Gießkanne oder einen Feuerlöscher griffbereit haben – wer alles das berücksichtigt, muss die ersten Stunden des Jahres 2020 nicht in der Notaufnahme verbringen.