Radevormwald: In den Schulferien für das Leben lernen

LernFerien : In den Schulferien für das Leben lernen

Schüler aus ganz Nordrhein-Westfalen nehmen seit Dienstag am „LernFerien“-Programm der Landesregierung teil. Eines der Camps macht Station in der Jugendherberge Radevormwald. 18 Achtklässler von Gymnasien nehmen teil.

Max hatte sich auf die Osterferien gefreut. Lange schlafen, keine Schule und endlich alle Sorgen um schlechte Noten, Klassenarbeiten und Lernstoff vergessen. Aber dann brachte seine Lehrerin die „LernFerien NRW“ ins Spiel – ein Programm, mit dem die Landesregierung in den Oster- und Herbstferien versetzungsgefährdete Schüler unterstützen will. „Davon war ich erst gar nicht überzeugt“, erzählt der 14-Jährige. Aber: Es sei nicht von der Hand zu weisen. Er habe Probleme mit den Noten in den Hauptfächern. „Und jetzt kämpfe ich, damit ich nicht von der Schule fliege“, sagt Max. Genau deswegen verzichtet er auf das Ausschlafen in der zweiten Osterferienwoche.

Wie Max geht es in der Jugendherberge in dieser Woche vielen. Eines ihrer 19 Feriencamps hat die Landesregierung hier aufgeschlagen. 18 Achtklässler nehmen teil – zufälligerweise alle Gymnasiasten. Es sind Jugendliche wie Max, die nach einem rettenden Seil suchen und im Camp als allererstes auf viel Wertschätzung treffen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Probleme in der Schule nur ganz selten etwas mit der Kompetenz der Schüler zu tun hat“, sagt Jan Rosser vom Camp-Team. Manchmal stimme die Chemie mit den Lehrern nicht, es gehe eher um Beziehungsfragen, dazu komme die Pubertät, vielleicht auch ein Problem Zuhause. Und deswegen gelte es als allererstes, den Jugendlichen zuzuhören.

„Am Anfang war es schwer, so viel von sich zu erzählen“, sagt Nissa (14), „aber dann fällt dir ein, dass ja alle hier sind, weil sie ein Problem haben.“ So beginnen die Jugendlichen zu erzählen – von Schulproblemen, schlechten Noten, von Lehrern, die sich auf Schwächen statt auf Stärken konzentrieren, von Eltern, die sich trennen. „Es gibt hunderte Gründe, warum es in der Schule auch mal schwierig werden kann“, sagt Rosser. Im Camp stellen sich die Jugendlichen diesen Problemen – und nehmen sie in Angriff.

„Wir lernen hier keinen Stoff für bestimmte Fächer“, erklärt Max, „sondern wir lernen das Lernen.“ Und das bedeutet: Das Coach-Team gibt den Schülern Werkzeug an die Hand, um den Schulalltag meistern zu können. Wann fällt wem das Lernen am leichtesten? Wer erledigt die Hausaufgaben gerne mittags? Wer kümmert sich darum lieber abends? Wie können Verträge mit Eltern und Pläne für den eigenen Tagesablauf aussehen? Die Schüler finden mit den Fachleuten Antworten auf ihre Fragen. Und die bringen viel Verständnis mit. „Für die Schüler läuft es schon länger nicht gut, wenn am Ende die Versetzung gefährdet ist“, sagt Rosser. Dann leiden die Jugendlichen seit Monaten, manchmal seit Jahren an der Schule, seien oft demoralisiert, ihr Selbstbewusstsein verschwunden, das Problem hingegen riesengroß geworden. Oft seien es Lerntypen, deren kreative Strategien vor allem viele Gymnasien nicht bedienen würden, die schließlich im Camp ankommen, sagt Rosser. Hier lernen sie im Laufe der Woche auch das Zürcher Ressourcen-Modell kennen – ein psychoedukatives Selbstmanagement-Training. Bauchgefühl und Verstand spielen eine Rolle. Angst, Schüchternheit, Identitätsfragen, Motivationsprobleme: Jugendliche sollen mit dem Coaching eine Möglichkeit bekommen, sich langfristig rüsten zu können. Die Erfolgsgeschichten, die Lehrer dem Team hin und wieder erzählen, sprechen für sich.

„Ich kann jetzt schon sagen: Das hier bringt mir was“, sagt Max. Auch weil die Stimmung im Camp so gut sei. Dann nimmt der 14-Jährige Pfeil und Bogen und tritt konzentriert an den Punkt zehn Meter vor der Zielscheibe. Denn auch das gehört zum „FerienLernen“: Freizeit und Miteinander.