Ehepaar feiert Goldhochzeit „Auf der Spülmaschine stand nie ein Name“

Radevormwald · Elfi und Dietmar Helmich feiern am Dienstag Goldhochzeit. Kennengelernt haben sie sich in der katholischen Jugend. Ihr Rezept für eine gute Ehe: Gegenseitiger Respekt und Freiraum für eigene Hobbys.

 Dietmar und Elfriede Helmich feiern am 16. April ihren Ehrentag. Beide sind im Vereinsleben der Stadt aktiv, so beim RTV und dem DRK.

Dietmar und Elfriede Helmich feiern am 16. April ihren Ehrentag. Beide sind im Vereinsleben der Stadt aktiv, so beim RTV und dem DRK.

Foto: Jürgen Moll

In der katholischen Jugend nahmen sich Elfi und Dietmar Hellmich erstmals bewusst wahr. Sie waren im zarten Teenie-Alter, zwölf und 14 Jahre jung, erlebten die ersten sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch. „Du hast mir schon damals sehr gut gefallen“, offenbart Elfi Helmich ihrem Mann, während sie ihn verschmitzt anschaut. „Ich hatte richtiges Kribbeln im Bauch“, erinnert sich die heute 71-Jährige und lächelt. Doch die junge Liebe erlebte einen Einschnitt.

Nach der ersten Turtelei blieben sie befreundet und fanden erst mit der Volljährigkeit wieder als Paar zueinander. „Beim Tanzabend der katholischen Jugend sind wir uns dann nähergekommen“, verrät die 71-Jährige und muss herzhaft lachen. Zeit verbrachten sie gemeinsam mit Freuden bei regelmäßigen Spaziergängen durch die heimische Natur. „Das war damals so“, sagt Elfi Helmich schulterzuckend. „Man ging spazieren und sang.“

Zwei Jahre lang waren sie verlobt, bis der Druck aus der Familie zu groß wurde und Elfi Helmich selbst die Zügel in die Hand nahm. „Sie fragten ständig, wann wir denn endlich heiraten würden.“ Also fasste sich die damals junge Frau ein Herz und stellte nicht nur selbst den Heiratsantrag – Anfang der 1970er-Jahre, wohlgemerkt – sondern organisierte selbstständig die Hochzeit, während ihr Dietmar in Oldenburg die Meisterschule als Radio- und Fernsehtechniker besuchte. Die Heirat, erklärt die Radevormwalderin, hatte den Vorteil, dass sie als Paar endlich eine gemeinsame Wohnung anmieten konnten und außerdem würde Dietmar Helmich einen monatlichen Zuschuss für seine Heimreisen aus Oldenburg erhalten. Das Paar war sich einig und Elfi Helmich übernahm das Ruder. „Ich bin alleine zu meinen Schwiegereltern gegangen, um nach dem Stammbuch zu fragen, bin alleine zum Standesamt, um alles einzustielen. Da ist jede Menge Romantik kaputtgegangen“, bedauert Elfi Helmich.

Am 16. April 1974 gaben sich Dietmar und Elfi Helmich schließlich vor dem Standesbeamten Herrn Stein das Ja-Wort. Viel Zeit für Romantik blieb auch an jenem Tag nicht, wie sich Elfi Helmich erinnert. „Am Abend ist er dann wieder zurück zur Meisterschule gefahren.“ Immerhin, erzählt das Paar, konnten sie durch die standesamtliche Trauung schonmal gemeinsam eine Wohnung anmieten. Nur darin zusammenwohnen, das durften sie zu jener Zeit nicht. „Dafür zählte die standesamtliche Trauung nicht“, erklärt Dietmar Helmich. „Erst nach der kirchlichen Trauung konnten wir gemeinsam einziehen.“ Doch weil er zu jener Zeit ohnehin in Oldenburg war, nutzte sie das halbe Jahr bis zur kirchlichen Hochzeit, um die Wohnung schonmal herzurichten. „Heute muss ich sagen, hat uns dieses halbe Jahr nicht geschadet“, sagt Elfi Helmich.

Zwar feiert das Paar seit jeher den standesamtlichen Termin als Hochzeitstag, beim kirchlichen Termin am 4. Oktober 1971, gesteht die 71-Jährige, sei sie deutlich aufgeregter gewesen. Sie trug das Hochzeitskleid einer älteren Schwester, die als Schneiderin ihr Kleid für die Braut sogar umnähte und neue Details einarbeitete, wie etwa Manschetten an den Ärmeln. Obwohl sie stets gehört hatte, dass getragene Brautkleider Unglück bringen, kann Elfi Helmich diesen Aberglauben nicht bestätigen. „Mir hat es Glück gebracht.“ Sie habe eine große Familie gewonnen und „die schönste Zeit im Leben erlebt. Wir haben nichts vermisst.“ Bis heute ist sie an der Seite ihres Mannes glücklich.

„Natürlich haben auch wir Höhen und Tiefen erlebt“, betont das Paar. Aber die Hürden im Leben hätten sie stets gemeinsam genommen und aus dem Weg geräumt. Weil beide berufstätig waren, er mit dem eigenen Radio- und Fernsehgeschäft, sie in der Altenpflege, kümmerten sich auch beide um die zwei gemeinsamen Kinder und den Haushalt. „Auf der Spülmaschine stand noch nie ein Name“, sagt Elfi Helmich. Doch neben der gleichberechtigten Arbeitsteilung sieht Dietmar Helmich noch zwei weitere Punkte als elementar wichtig für eine langlebige Beziehung: „Gegenseitiger Respekt und Zeit für sich und seine eigenen Hobbys.“ Letzteres war Elfi Helmich bereits vor der Hochzeit klar. Denn ihr Mann, sagt sie, habe „den Turnverein mit in die Ehe gebracht“. Er ist langjähriges Mitglied beim RTV, Übungsleiter und Vorstandsmitglied. „Ich wusste, dass ich nicht nur ihn, sondern mit ihm den Verein heirate“, sagt sie schmunzelnd.

Während er in seiner Freizeit aktiv im Sportverein ist und Fahrrad fährt, unterstützt sie seit vielen Jahren schon das Deutsche Rote Kreuz im Ehrenamt, kocht und backt gerne für andere und spielt mit Freundinnen und Nachbarn Gesellschaftsspiele. „Langweilig wird uns nicht“, sagen sie amüsiert.

Wünsche haben sie dennoch. „Ich würde gerne mehr reisen, einfach die Tür hinter sich zu machen und für längere Zeit weg sein“, verrät Elfi Helmich. Auf Usedom, ihrer Trauminsel, einfach mal länger als zwei Wochen verbringen. Jetzt wo beide in der Rente, fit und gesund sind, würde das eigentlich gehen. Doch dann schaut sie ihn über die Augenwinkel an. „Er kann ja seinen Verein nicht lange in Sticht lassen.“ Und er kontert amüsiert: „Als ob du lange weg sein könntest.“

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