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Radevormwald: Hören wie die Fledermäuse

Ferienaktion in Radevormwald : Kinder hören wie die Fledermäuse

In der „Batman Nacht“ begeben sich Mädchen und Jungen mit ihren Eltern auf die Spur der Fledermäuse. Die Ferienspaß-Aktion des Bergischen Naturschutzvereins ist sehr beliebt und kommt bei den Teilnehmern bestens an.

Wer in der Dämmerung am Uelfebad in Radevormwald unterwegs ist, sollte seine Aufmerksamkeit auf die Wasseroberfläche richten, denn zu sehen ist ein Naturspektakel. Die Wasserfledermäuse werden, genau wie die anderen Fledermausarten, aktiv, sobald die Sonne untergeht. Ganz nah fliegen sie über die Wasseroberfläche, die an stehenden Gewässern wie dem Uelfebad besonders reich an Insekten, also Nahrung ist.

Tom Klinkenberg vom Bergischen Naturschutzverein geht seit vielen Jahren mit Kindern in den Sommerferien auf Beobachtungstouren, um die kleinen Säugetiere in ihrer aktiven Zeit zu entdecken. Die Ferienspaß-Aktion „Batman Nacht“ ist jedes Jahr aufs Neue beliebt – und das ist ein gutes Zeichen. „Kinder haben das Interesse an Natur noch nicht verloren, und wenn man dieses Interesse früh fördert, bleibt es auch bestehen“, sagt Klinkenberg. Er begrüßte die Mädchen und Jungen, die in Begleitung ihrer Eltern und zahlreichen Taschenlampen ans Uelfebad gekommen waren kurz nach Sonnenuntergang. Nach dem heißen Sommertag war es im Tal von Radevormwald bereits angenehm kühl.

Oskar und Collin beim Fledermaus-Spiel. Foto: Flora Treiber

Der Abend startete für die Kinder mit einem kleinen theoretischen Einstieg in die Welt der Fledermäuse, denn in Radevormwald sind drei Arten stark vertreten. Neben den Wasserfledermäusen, gibt es die Zwergfledermäuse, die sich in Baumkronen oder unter Dachvorständen finden lassen sowie den Abendsegler. „Der Abendsegler ist eine etwas größere Fledermausart und relativ selten. Den entdecken wir heute nur mit sehr viel Glück“, sagt der Naturschützer. Die Kinder wussten, dass Fledermäuse sich von Insekten ernähren, aber manche Arten saugen auch Blut. „Das habe ich schon mal im Fernsehen gesehen. Es gibt Fledermäuse, die sich von Blut ernähren“, sagt Collin. Tom Klinkenberg stimmt ihm zu, allerdings mit einer Einschränkung. „Diese Fledermausarten gibt es in Deutschland nicht, aber zum Beispiel in Amerika. Die Fledermäuse, die wir heute sehen, ernähren sich von Insekten.“

Der Naturschützer verriet den Kindern auch, wo sich die Fledermäuse tagsüber aufhalten. „Sie hängen auf Dachböden oder in Brunnen und auch in den Kästen, die wir für sie angebracht haben.“ Am Waldrand entdeckten die Kinder die kleinen Kästen, die der Naturschutzverein für die Fledermäuse aufgehängt hat und die gut angenommen wurden.

Einige Fragen warf am Mittwochabend der Orientierungssinn der Fledermäuse auf. „Das funktioniert über Schall“, sagt Oskar. Die Fledermäuse stoßen hohen Schreie aus, die für das menschliche Ohr nicht zu hören sind. Die Schreie werden von der Umgebung reflektiert. Den Schall nutzen die Fledermäuse, um sich ein Bild von ihrer Umgebung zu machen und Hindernisse zu erkennen und Nahrung zu orten.

Wie schwierig es ist, sich bei seiner Orientierung ausschließlich auf sein Gehör zu verlassen, lernten die Kinder bei einem Spiel kennen. Während Collin mit zwei Holzstäben Geräusche erzeugte, musste Oskar ihn als Fledermaus orten und fangen. „Das ist total schwierig“, sagten die beiden Grundschüler.

Von der Brücke des Uelfebades aus konnten die Kinder dann unzählige Fledermäuse entdecken. Das Fledermaus-Aufkommen am Uelfebad ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Mit Hilfe eines Fledermaus-Detektors, den Tom Klinkenberg mitgebracht hatte, hörten die Mädchen und Jungen den Schall der Fledermäuse. Wenn aus dem Gerät leise, tickernde Geräusche kamen, war das der Schall, an dem sich auch die Fledermäuse orientieren. „Wir können hier ganz nah an den Tieren dran sein und sie bei ihrem Beutefang beobachten“, sagt Tom Klinkenberg. Genau das machten er und die Teilnehmer der „Batman Nacht“ bis 23 Uhr. Für die Kinder war die Ferienspaß-Aktion ein eindrucksvolles Erlebnis. „Man sieht die Fledermäuse hier ganz nah. Das ist toll“, sagt Oskar.