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Radevormwald: Hochwasser-Lage entspannt sich langsam

Hochwasser in Radevormwald : Lage entspannt sich, Wupper-Pegel bleibt hoch

Im Vergleich zu Orten wie Wuppertal-Beyenburg ist Radevormwald glimpflich davon gekommen. Personenschäden sind weiterhin nicht bekannt.

Die Hochwasser-Situation in den Radevormwalder Wupperorten hat sich von Donnerstag auf Freitag entspannt. „Wir haben seit gestern keine Einsätze mehr gehabt“, erklärte Dietmar Hasenburg, Wehrführer der Radevormwalder Löscheinheiten, am Freitagmorgen. Es habe am Donnerstag noch Abpumparbeiten gegeben, unter anderem in der Wülfingsiedlung in Dahlerau. „Wir konnte die Räume nicht überall trockenlegen, das Wasser ist teilweise durch Löcher in der Außenseite eingedrungen.“ Der Pegel der Wupper ist noch immer hoch, so dass auf der dem Fluss zugewandten Seite der Fabrikgebäude zum Teil keine Fenster geöffnet werden können, ohne ein Volllaufen zu riskieren.

In der Nacht auf Donnerstag war die Wupper-Talsperre durch die andauernden Regenfälle so voll gelaufen, dass schließlich die Fluten durch den Hochwasser-Überlauf nicht mehr zurückgehalten werden konnten. Die Wupper schwoll stark an und überflutete teilweise den unmittelbaren Uferbereich im Tal. Die Anwohner wurden durch die Einsatzkräfte mit Durchsagen gewarnt und aufgefordert, wegen der akuten Überschwemmungsgefahr das Ufergebiet zu verlassen (unsere Zeitung berichtete). 53 Personen wurden in der Grundschule Wupper von Helfern versorgt.

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Wolfgang Scholl, Leiter der Stabsstelle der Radevormwalder Verwaltung, teilte am Freitagvormittag mit, dass derzeit noch zwei Fußgängerbrücken im Tal der Wupper gesperrt sind. Die Straße von Dahlerau nach Oberdahl, die durch einen Hangrutsch teilweise weggebrochen war, wird voraussichtlich für längere Zeit nicht befahrbar bleiben. Die Buslinie der 626 nach Oberbarmen war am Freitag ab 11.18 Uhr wieder im Einsatz.

 Ein Gully an der Textilfabrik Wülfing konnte am Donnerstag die Wassermassen nicht mehr bewältigen und spuckte wie ein Geysir.
Ein Gully an der Textilfabrik Wülfing konnte am Donnerstag die Wassermassen nicht mehr bewältigen und spuckte wie ein Geysir. Foto: Stefan Gilsbach

Nach dem jetzigen Erkenntnisstand ist Radevormwald trotz der vielen Sachschäden durch das Wasser im Vergleich zu anderen Städten in NRW bei der Hochwasser-Katastrophe glimpflich davon gekommen, auch gab es keine Personenschäden. Ein Stück wupperabwärts, in Wuppertal-Beyenburg hat das Hochwasser deutlich mehr Schaden angerichtet, der untere Teil des Ortes wurde in der Nacht auf Donnerstag überflutet. Bruder Dirk, der Mönch des Beyenburger Klosters, hatte mit der Glocke Sturm geläutet, um die Menschen zu warnen, damit sie nicht im Schlaf von den Wassermassen überrascht wurden.

 Sandsäcke vor einer Haustür in der Wülfingsiedlung.
Sandsäcke vor einer Haustür in der Wülfingsiedlung. Foto: Stefan Gilsbach

Wehrführer Dietmar Hasenburg hat am Freitagvormittag die Staumauer der Wupper-Talsperre besucht und sich ein Bild der Lage gemacht. Was er sah, war ermutigend: „Das Wasser steht jetzt schätzungsweise 40 Zentimeter unterhalb des Randes des Überlaufs.“ Dennoch bleibt der Pegel des Flusses noch immer hoch, wovon sich jeder, der von einer der Wupperbrücken einen Blick auf das Gewässer wirft, überzeugen kann. Dennoch herrschte etwa am Wuppermarkt in Vogelsmühle am Freitag wieder ganz normaler Betrieb.

Das Wetter in den kommenden Tagen gibt ebenfalls zu Hoffnung Anlass: Es soll vorerst nicht mehr zu größeren Niederschlägen kommen. „Die Zuflüsse am Oberlauf der Wupper gehen zurück“, hatte Susanne Fischer, die Sprecherin des Wupperverbandes am Donnerstagabend mitgeteilt. „Die Talsperren sind aber immer noch komplett gefüllt, daher erfolgt weiterhin eine kontrollierte Abgabe. Der Wupperverband gehe davon aus, dass der Pegel der Wupper nicht erneut ansteigt.“ In den kommenden ein bis zwei Tagen werde das Wasser dann voraussichtlich sinken.

Das Schauspiel der Wassermassen hat teilweise auch Schaulustige angezogen, so machten bereits am Donnerstag am Staumauer-Überlauf in Krebsöge Menschen Fotos und Videos von den herab donnernden Fluten. Auch an anderen Stellen sammelten sich Neugierige, berichtet Susanne Fischer: „Der Wupperverband stellt bereits an einigen Stellen einen die Arbeiten behindernden Hochwassertourismus fest. Er ruft dazu auf, Einsatzkräfte nicht zu behindern.“