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Radevormwald: Hier kicken Deutsche und Flüchtlinge

Sportereignis mit Deutschen und Flüchtlingen : Kick’n Fun-Turnier war ein gutes Mittel gegen den Fußball-Frust

Wer noch immer Trübsal blies wegen der verpatzten WM-Teilnahme, der konnte sich bei der Premiere des Turniers in Rade wieder gute Laune holen. Denn auch dieses Turnier war internationale besetzt: mit Flüchtlingen und Deutschen.

Es war eine Kooperation, die so nicht alltäglich ist: Der Stadtsportverband Radevormwald hatte am Samstag mit dem DRK Oberberg und der reformierten Kirchengemeinde ein Kick’n’Fun-Turnier am Sportplatz Hermannstraße organisiert. Wie Pfarrer Dieter Jeschke sagte: „Wann gibt es schon Berührungspunkte zwischen Stadtsportverband und Kirche?“

Auf dem Fußballplatz spielten geflüchtete und einheimische Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam. Und auch organisiert wurde das Turnier von den jungen Flüchtlingen selbstständig, wie Jeschke sagte. „Die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Rade hat die Organisation selbst in die Hand genommen.“ Es sei eine aktuelle Theorie im Rahmen der Integrationsarbeit, dass die Eigeninitiative der Geflüchteten besonders wichtig sei und gefördert werden solle.

Das Turnier war das erste seiner Art und entstand aus einem Sport-Projekt der drei beteiligten Organisationen, das in Radevormwald vor etwa einem halben Jahr gestartet wurde. „Wir haben uns überlegt, was man den Jugendlichen mit Fluchthintergrund anbieten könnte – und Fußball ist ja nun wirkliche eine verbindende Sache“, sagte Jeschke. Yannick Pauly, Geschäftsführer des Stadtsportverbands, meint: „Das Ziel von Projekten dieser Art ist es natürlich auch, Nachwuchs für unsere Fußballvereine in Radevormwald, also den SC 08 und den Tuspo Dahlhausen, zu generieren“, sagte Pauly. „Wir hatten schnell gemischte Teams mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Deutschland, Eritrea, Syrien, Ghana oder dem Irak“, sagt Pfarrer Jeschke. Der Grundgedanke sei gewesen, Fußball aus Spaß am Spiel zu spielen. Was auch gut funktionierte, denn die vier Teams – angemeldet hatten sich eigentlich acht, die Hälfte sei jedoch wieder abgesprungen, sagte Jeschke – spielten leidenschaftlich und engagiert auf dem großen Feld. Und das trotz der durchaus enormen Hitze am Samstag.

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Mit auf dem Platz war auch ein Schiedsrichter – was beim Training nicht der Fall war, wie Jeschke sagte. „Die Jugendlichen spielen sonst ohne Schiri. Auch hier gilt wieder, dass die Geflüchteten alles selbst in der Hand haben“, sagte der Pfarrer. Und lobte, dass das auch sehr gut klappen würde. „Wir haben von Anfang an gesagt: Das müsst ihr selbst geregelt bekommen.“ Für Jeschke ist dies das Besondere an dem Projekt. Er freut sich über Netzwerke, die künftig Projekte genutzt werden könnten.

Auf dem Siegertreppchen standen am Ende die ausrichtenden Rader Flüchtlinge, die sich über den Pokal, der vom Sporthaus Reinbott gesponsert wurde, freuen durften. Gefolgt wurden sie auf Platz zwei vom Remscheider Team der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land und auf Platz drei vom Team des Jugend- und Sozialwerks Gotteshütte aus Wipperfürth.