Radevormwald: Gewinner des Abends sind die Grünen

Europawahl in Radevormwald : Gewinner des Abends sind die Grünen

Paukenschlag bei der Europawahl auch in Radevormwald: Bündnis 90/Die Grünen holen 21,4 Prozent und sind damit zweitstärkste Kraft in der Bergstadt. Deutliche Verluste gibt es für die CDU, die SPD schafft es nur noch auf 16,1 Prozent.

Die erste Schnellmeldung um 18.25 Uhr sollte den Trend des Abends vorgeben: Große Gewinner der Europawahl auch in Rade sind die Grünen. Im Betriebsgebäude/Container Wupperverband stimmten 33,1 Prozent für Bündnis 90/Die Grünen – Rekord an einem denkwürdigen Abend. In drei weiteren Wahllokalen holen die Grünen die meisten Stimmen, alle anderen gewinnt die CDU, sie muss dennoch teils kräftige Verluste hinnehmen. Die SPD stürzte regelrecht ab. Die Wahlbeteiligung ist mit 60,8 Prozent erfreulich hoch. Das Ergebnis für Rade – CDU 30,5 Prozent, SPD 16,1 Prozent, Grünen 21,4 Prozent, AfD 10 Prozent, Die Linke 3,5 Prozent, FDP 7,8 Prozent, Sonstige 10,5 Prozent.

Große Freude bei der Fraktionsvorsitzenden der Rader Grünen Elisabeth Pech-Büttner: „Das ist mehr als wir uns erträumt haben“, sagt sie. Sie sei schon bei der Auszählung in ihrem Wahllokal perplex gewesen. „Ich habe am Wahltag viel mehr junge Menschen im Wahllokal gesehen als sonst“, berichtet sie. Sie hoffe, dass sich mit diesem starken Ergebnis auch mehr junge Menschen dafür interessieren, aktiv in der Politik mitzuwirken. Für die Kommunalwahl 2020 habe sie die Hoffnung auf ein zweistelliges Ergebnis. „Grüne Themen gibt es genug“, meint sie.

„Kein schöner Abend“ – kommentierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Stark das eklatant schlechte Abschneiden seiner Partei. „Dieses Ergebnis ist eine Katastrophe“ – und da sei es auch kein Trost, leicht über dem Bundesschnitt zu liegen. Beide großen Parteien hätten deutliche Verluste erlitten. „Dieses Ergebnis ist nicht von der Bundespolitik zu entkoppeln“, sagte er. Die große Koalition habe die Erwartungen der Menschen nicht erfüllt, vieles sei nicht auf den Weg gebracht worden und das Gute nicht genügend vermittelt und nach außen getragen worden. Stark: „Wir können nur hoffen, dass sich der schreckliche Bundestrend verändert, denn die Wähler reagieren auf die große Politik, da muss sich die Stimmung ändern.“ Vor Ort werde man versuchen, sozialdemokratischen Positionen verstärkt deutlich zu machen.

Einen klaren Auftrag nimmt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Gerd Uellenberg aus der Europawahl mit: „Wir werden die starke Junge Union in den Vordergrund rücken und versuchen, junge Menschen zur Mitarbeit und zur Übernahme von Verantwortung zu gewinnen“, sagte er. In vielen neuen Bewegungen habe die Jugend in den vergangenen Monaten die Politik für sich neu entdeckt. Das wolle auch die CDU in Rade aufgreifen. Uellenberg freut sich über die hohe Wahlbeteiligung und gratulierte den Rader Grünen zu einem „sensationellen Ergebnis“. Außerdem wünsche er sich Manfred Weber als neuen EU-Präsidenten, da er ihn als Brückenbauer schätze.

Verhalten reagierte Rafael Krauskopf, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes, auf das Ergebnis der Liberalen. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht und hätte mir mehr erhofft“, sagte er. Erfreulicherweise sei der prophezeite Rechtsruck ausgeblieben, aber trotz hoher Wahlbeteiligung sei das Ergebnis der FDP „nicht berauschend“. Dennoch blickt er optimistisch auf die Kommunalwahl 2020, „denn die Leute kennen den Unterschied zwischen der Rader Politik und der Europawahl“, sagt er. Im nächsten Jahr gehe es konkret um Rader Themen. Da müsse die FDP ihre Positionen noch deutlicher formulieren.

Mit einem Umzug ins EU-Parlament nach Brüssel hatte Fritz Ullmann (MLPD) geliebäugelt, dafür hätte die Partei aber deutlich besser abschneiden müssen. Dennoch sei der Trend im „Rahmen des Realistischen“, immerhin sei der Anteil der MLPD von 0,06 Prozent in 2014 auf 0,12 Prozent gestiegen. Sorgen machen Ullmann die 1,3 Prozent ungültige Stimmen in Rade. Ansonsten habe das Ergebnis weitestgehend seinen Erwartungen entsprochen. Dass 10,5 Prozent der Radevormwalder eine sonstige Partei gewählt haben, wertet Fritz Ullmann als Zeichen dafür, dass viele Bürger die Lösung der Probleme nicht mehr den großen Parteien zutrauen. „Die Menschen wählen halt nach Inhalten“, sagte er.

Mehr von RP ONLINE