Umstrittene Krankenhausreform Gedrückte Stimmung – und viel Hoffnung am Sana Krankenhaus Radevormwald

Radevormwald · Nach der Ankündigung des zuständigen Ministeriums in Düsseldorf, dem Sana Krankenhaus in Radevormwald im Zuge der umstrittenen Krankenhausreform die Endoprothetik und die Wirbelsäulenoperationen wegzunehmen, sitzt der Schock tief. Aber Resignation ist keine Option.

 Der Ärztliche Direktor Dr. Martin Ulatowski (l.) und Pflegedirektor Dirk Windgassen im Gespräch mit BM-Redakteur Joachim Rüttgen.

Der Ärztliche Direktor Dr. Martin Ulatowski (l.) und Pflegedirektor Dirk Windgassen im Gespräch mit BM-Redakteur Joachim Rüttgen.

Foto: Jürgen Moll

Der Schock sitzt tief. Betretene Mienen im Konferenzraum des Sana Krankenhauses. Nach der Ankündigung des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf am Montag, der Radevormwalder Klinik im Zuge der umstrittenen Krankenhausreform die Endoprothetik und die Wirbelsäulenoperationen wegzunehmen, ist Resignation trotzdem keine Option. Das wird deutlich im Gespräch mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Martin Ulatowski, Pflegedirektor Dirk Windgassen, Sana-Geschäftsführerin Janine Bender und Sana-Sprecherin für NRW, Katharina Stratos.

Enttäuschung, Bestürzung, Ungläubigkeit – alles Gefühle, die im Haus an der Siepenstraße rumschwirren, die nun aber aus den Köpfen rausmüssen, denn die Klinik will kämpfen. „Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, unsere medizinischen Argumente für den Erhalt der Endoprothetik formulieren, und wir haben gute Erklärungen“, kündigt Janine Bender an. Dafür habe man sich erfahrene Berater an Bord geholt, um die Kompetenzen zu bündeln und mit der Politik vor Ort einen gemeinsamen Weg zu finden.

Die Überraschung nach Veröffentlichung der Liste war auch bei Dr. Martin Ulatowski riesig. „Weil das erste Votum positiv ausgefallen war und uns die Endoprothetik zugesprochen wurde“, berichtet der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie. Und weil Sana der größte Versorger auf diesem Fachgebiet im Bergischen Land sei. Deshalb sei die Entscheidung des Ministeriums absolut überraschend.

Aber Ulatowski verweist genau wie Janine Bender darauf, dass es sich um einen vorläufigen Beschluss handelt und noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist. „Deshalb wollen wir unsere Mitarbeiter auch beruhigen“, sagt er. Niemand müsse Angst um seinen Arbeitsplatz haben. „Wir können mit guter medizinischer Qualität punkten und wollen dies dem Ministerium auch qualitativ begründen. „Wir haben nichts zu verbergen und stellen uns regelmäßig unabhängigen Qualitätskontrollen, sind mithin höchstzertifiziert und sind immer einen Schritt weiter nach vorne gegangen für noch mehr Qualität“, sagt Ulatowski.

Wenn bei der Krankenhausreform tatsächlich die Qualitätsverbesserung im Fokus stehe, dann tue die vorläufige Entscheidung des Ministeriums weh, aber durch das Portfolio an Leistungen komme das Ministerium an Sana in Radevormwald nicht vorbei. Häuser mit weniger Leistung und keiner Zertifizierung hätten den Zuschlag bekommen, „Das macht mich stutzig“, sagt Ulatowski. Und deshalb habe man mit solch einer Entscheidung nicht gerechnet.

Auch viele Mitarbeiter nicht, um deren Ängste und Sorgen sich Pflegedirektor Dirk Windgassen kümmert. „Viele sind betrübt, haben Fragen, wissen nicht, was jetzt passiert“, berichtet er. Es sei eine große Herausforderung, klarzustellen, dass noch nichts verloren sei. Bis 11. August könne man eine Stellungnahme abgeben und dann auf einen positiven Bescheid zum Jahresende hoffen. „Es ist unsere Aufgabe zu vermitteln, dass noch nichts entschieden ist und es somit auch noch keine Notwendigkeit gibt, sich über seinen Arbeitsplatz Gedanken zu machen“, sagt Windgassen.

Janine Bender fordert jetzt ihre Führungskräfte. Sie müssten mit ihrer Kompetenz klare Wege aufzeigen. Aber natürlich sei es schwierig, in der unsicheren Lage Sicherheit zu vermitteln. Konzernsprecherin Katharina Stratos betont, dass Sana seine Mitarbeiter auf diesem Weg transparent mitnehmen wolle. „Wir stellen uns dem Thema offen“, sagt sie. Die Thematik sei aber so unfassbar komplex, dass nicht jeder Mitarbeiter so tief in die Materie eintauchen könne.

Janine Bender sieht ihre Hauptaufgabe darin, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Anfang der Woche werde man sich dafür auch noch mal juristisch abstimmen und beraten lassen. Für diesen Strategieprozess sei sie auch für das Angebot von Bürgermeister Johannes Mans dankbar, den Weg gemeinsam anzugehen und gut zu argumentieren. Man müsse alle Szenarien durchspielen, aber für sie sei auch ganz wichtig, dass der Standort Radevormwald durch das Ministerium nicht in Frage gestellt wird. „Die Klinik ist bestätigt worden, wir reden nicht über eine Schließung, also werden wir den Standort weiter entwickeln“, kündigt sie an. Man wolle weiter bedarfsorientiert Leistungen anbieten und denke in erster Linie an die Weiterentwicklung des Hauses.

„Da lässt sich im Cluster des Bergischen Landes vielleicht auch gemeinsam denken. Wo eine Leistung wegfällt, ist eine andere Leistung woanders möglich“, sagt sie. Damit spielt sie auf die drei Sana-Kliniken Burger Straße in Remscheid, Radevormwald und Fabricius-Klinik in Remscheid an. Angst um Arbeitsplätze müsse da niemand haben.

Aus Sicht des Patienten sei die Kombination aus Endoprothetik und Geriatrie (Altersmedizin) ein Zukunftsmodell, bei dem der Patient bestmöglich auch sozial unterstützt werde. „Auch das werden wir auf jeden Fall in unsere Stellungnahme aufnehmen“, sagt Janine Bender.

Sie zeigt sich zum Ende des Gesprächs höchstoptimistisch ob der „besten Argumente, die wir anführen werden“, sagt sie. Das sieht Ulatowski ähnlich, wenn denn tatsächlich Qualität entscheidend sei. Er sieht den Oberbergischen Kreis in der Planung des Ministeriums etwas unterrepräsentiert. Der nächste Endoprothetikversorger sitze in Engelskirchen. Wenn es um eine verbesserte Patientenversorgung gehe, verstehe er die Kriterien des Ministeriums nicht. Man sei stolz auf die eigene Leistung und werde mit den positiven Argumenten auch punkten.

Er sei seit elf Jahren an der Klinik und werde alles für den Erhalt seiner Abteilung tun, kündigt Ulatowski an. In diesem Moment ist Kampfeswille an die Stelle von Resignation getreten.