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Radevormwald: Für Fahrten ins Impfzentrum gibt es einen Taxi-Sondertarif

Corona-Impfung im Kreis : Taxi-Sondertarif für Fahrt zum Impfen

Zehn Prozent Ermäßigung haben Kreis und Unternehmen vereinbart. Eine dezentrale Impfung ist weiterhin nicht in Sicht. Das Gesundheitsministerium wird von der bisherigen Strategie zur Errichtung eines Impfzentrums pro Kreis vorerst nicht abzuweichen.

Die weite Entfernung von Radevormwald zum Impfzentrum in Gummersbach ist in den vergangenen Wochen auf deutliche Kritik gestoßen. Viele Menschen, die 80 Jahre oder älter sind, fahren nicht mehr mit dem Auto. Wenn keine Verwandten oder Bekannten sie nach Gummersbach bringen, bleibt nur die lange und umständliche Busfahrt in die Kreisstadt oder eine sehr teure Beförderung mit dem Taxi.

„Viele alte Menschen haben Sorgen, wie sie zum Impfzentrum kommen sollen“, berichtet Kyra Springer, die Koordinatorin des Trägervereins „aktiv55plus“ in Radevormwald. „Sie hoffen, dass es doch noch das Angebot einer dezentralen Impfung gibt, etwa für die Städte Radevormwald und Hückeswagen.“

Zumindest diese Hoffnung wird sich vorerst nicht erfüllen. Das hat die Kreisverwaltung am Freitag in einer Mitteilung noch einmal klargestellt. Er habe sich „frühzeitig über den Landkreistag beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales für die Einrichtung dezentraler Impfzentren eingesetzt“, wird Landrat Jochen Hagt (CDU) zitiert. Die eindeutige Entscheidung des Gesundheitsministeriums sei es jedoch, von der bisherigen Strategie zur Errichtung eines Impfzentrums pro Kreis zumindest solange nicht abzuweichen, wie die Impfstoffknappheit bestehe. „Zunächst kann deshalb nur das Impfzentrum öffnen. Es können leider keine anderen dezentralen Angebote gemacht werden. Der Oberbergische Kreis handelt auf ausdrückliche Weisung des Ministeriums und hat hier keinen eigenen Handlungsspielraum“, erklärt der Landrat.

Bei den Taxi-Fahrten hat die Verwaltung des Kreises nun aber in Abstimmung mit den Unternehmen in der Region einen Sondertarif vereinbaren können. Fahrgäste mit einem Impftermin erhalten zehn Prozent Preisnachlass. Zudem werden Wartezeiten nicht berechnet. „Ich freue mich sehr, dass die Unternehmen den Impfwilligen dieses Angebot machen“, erklärt Jochen Hagt.

Unter bestimmten Bedingungen werden die Fahrten durch die Krankenkassen übernommen. Die Verwaltung in Gummersbach hat die Voraussetzungen noch einmal zusammengefasst (siehe dazu den Info-Kasten).

Darüber hinaus gebe es in den oberbergischen Kommunen unterschiedliche Angebote von Vereinen und Initiativen, die eine Fahrt zum Imfpzentrum ermöglichen. Bürger, die die Fahrt zum Impfzentrum nicht privat organisieren können, haben die Möglichkeit, sich an das Bürgertelefon des Oberbergischen Kreises zu wenden. Dort bemühen sich die Mitarbeiter um die Vermittlung eines passenden Angebotes. Das Bürgertelefon ist während der Servicezeiten (www.obk.de/buergertelefon) unter Tel. 02261 883888 erreichbar.

In Radevormwald haben sich allerdings sowohl „aktiv55plus“ als auch der Seniorenbeirat gegen die Einrichtung eines Fahrdienstes entschieden. Es gebe zu viele Unwägbarkeiten, erläutert Kyra Springer. Da sei die Gefahr einer Infektion durch Aerosole im Verlauf der langen Fahrt nach Gummersbach, denn angesichts der frostigen Temperaturen kann man nicht beständig lüften. Hinzu komme die Frage der Haftung, nicht nur bei Infektionen oder plötzlichen gesundheitlichen Notfällen, sondern wegen der Unfallgefahr bei Eis und Schnee. „So etwas können nur Fahrdienste leisten, die geschultes Personal haben und deren Mitarbeiter und Fahrzeuge dafür versichert sind“, resümiert Kyra Springer.

Weitere wichtige Informationen zur Impfung bestimmter Berufsgruppen hat der Oberbergische Kreis ebenfalls am Freitag veröffentlicht. Das Land stellt in den nächsten Wochen Sonderkontingente des Impfstoffs AstraZeneca zur Verfügung. Laut NRW-Ministerium erhalten folgende Berufsgruppen die Impfung: das Personal von ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten, von Tagespflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften (mit Ausnahme des Personals von Einrichtungen der Eingliederungshilfe), Beschäftigte und ehrenamtlich Tätige in Hospizen und von ambulanten Hospizdiensten und Heilmittelerbringer, die regelmäßig in vollstationären Pflegeeinrichtungen tätig werden.

Ebenfalls zu den Gruppen, die durch AstraZeneca-Kontingente geimpft werden, zählen Ärzte und medizinisches Fachpersonal, die in vollstationären Pflegeeinrichtungen oder in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung tätig sind, die in Schwerpunktpraxen vorrangig Corona-Patienten behandeln und die in onkologischen Praxen sowie Dialysepraxen tätig sind. Außerdem wird das Personal in den Impfzentrum und das Personal von Rettungsdiensten geimpft.

Der Oberbergische Kreis werde alle diese Beschäftigten in den genannten Einrichtungen über die entsprechenden Arbeitgeber, Verbände und Vertretungen im Kreisgebiet ermitteln und auf die Einrichtungen zukommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese können dann die impfwilligen Beschäftigten melden. In der Folge werde das Impfzentrum dann telefonisch Kontakt zur Ansprechperson der jeweiligen Einrichtung aufnehmen und die Impftermine für alle priorisierten Personen der Einrichtung vereinbaren.

„Pro Einrichtung sollen die Termine möglichst zusammenhängend vergeben werden. Der Oberbergische Kreis bittet um Verständnis, dass der Anruf zur Terminvereinbarung nicht immer unmittelbar erfolgen kann und die Impfstoffmengen zunächst beschränkt sind“, teilt der Kreis weiter mit.