Radevormwald: Flucht aus Russland endet bei Pastor Hauschild

Flucht aus Russland nach Radevormwald: Die besondere Freundschaft von Pastor Hauschild und Emilia

Emilia lebt mit ihrer Mutter seit 2014 in Deutschland. Pastor Hartmut Hauschild hat geholfen, die Familie in Radevormwald zu integrieren. Mittlerweile spricht die 17-Jährige fast akzentfrei Deutsch.

Mit Koffer und Rucksack sind Karine und Emilia Sarkisian von Russland nach Deutschland geflohen. Ihre Flucht ist auf das Frauenbild in ihrem Heimatland zurückzuführen und hat sie aus Russland vertrieben. "Es waren private Gründe, die uns das Leben in Russland unmöglich gemacht haben", sagt Emilia.

Nach mehreren Flüchtlingslagern wurde ihnen Radevormwald als neue Heimat zugeteilt. An die Ankunft in der Stadt erinnert sich die 17-Jährige sehr gut. "Ein Bus hat uns am Rathaus abgesetzt. Dort wurden wir empfangen und in unsere erste Unterkunft in der Stadt gebracht", berichtet sie.

Nach den ersten Tagen besuchten Mutter und Tochter einen Gottesdienst in der Martini-Kirche an der Uelfestraße. "Wir wussten nicht genau, wann der Gottesdienst startet. Vor der Kirche haben wir Hartmut Hauschild getroffen", erinnert sich Emilia. Ab dieser Begegnung entwickelte sich eine wichtige Freundschaft zwischen dem Pastor im Ruhestand und Emilia. "Wir haben uns unterhalten, und ich habe geholfen, eine Wohnung für die beiden zu finden und Emilia dabei unterstützt, auf das Gymnasium zu gehen", sagt Hartmut Hauschild, der die Intelligenz der Jugendlichen schnell erkannte.

Emilia spricht jetzt, nach knapp drei Jahren in Deutschland, fließend deutsch. Ihr Akzent ist kaum hörbar, ihre Wortwahl sicher. In ihrer ersten Deutscharbeit auf dem Theodor-Heuss-Gymnasium schrieb sie eine Eins. Dass Emilia sprachbegabt ist, ist klar, aber zu diesem Talent sind in den vergangenen Jahren viel Fleiß und Durchhaltevermögen gekommen. "Ich möchte gut in der Schule sein, damit ich später in einer großen Stadt, vielleicht in Köln, studieren kann", sagt sie.

Dank Hartmut Hauschild hat sie nur wenige Schuljahre durch ihre Flucht verloren und konnte schnell von der Hauptschule auf das THG wechseln. Die Integration in ihre Klasse war nicht leicht. "Die Menschen waren schon skeptisch oder haben komische Fragen gestellt. Mittlerweile habe ich aber eine gute Freundin gefunden, mit der ich über alles reden kann", sagt Emilia, die ihre neue Heimat so sehr verinnerlicht hat, dass sie sogar auf Deutsch träumt.

An ihr Leben in Russland denkt sie nur noch selten. "Manchmal werde ich nostalgisch und denke an Russland zurück", sagt sie. Besonders vermisst sie die Musikschulen ihres Heimatlandes, in denen sie Klavier gelernt hat. "Wir hatten einen richtigen Stundenplan und haben sehr viel gelernt. Ich bin dankbar, dass ich hier weiter Klavier spielen kann." Auch das haben Mitglieder der Martini-Gemeinde möglich gemacht.

Pastor Hartmut Hauschild ist jetzt ein Freund der Familie und froh darüber, dass Emilia und ihre Mutter endlich angekommen sind und sich in Radevormwald wohlfühlen. Emilia wird in den nächsten Jahren alles geben, um ein gutes Abitur zu machen. Sie will etwas Kreatives studieren oder vielleicht eine Sprache. "Ich kann mir auch vorstellen. Journalistin zu werden", sagt sie. Ihren ersten Artikel hat sie bereits im vorigen Jahr innerhalb eines Schulprojekts geschrieben und veröffentlicht.

(trei)