1. NRW
  2. Städte
  3. Radevormwald

Radevormwald: "Er-Sie-Es Second Hand Shop“ verkauft Kleidung aus zweiter Hand

Second Hand-Mode in Radevormwald : Sankt Martin war ein Trendsetter

Kleidung aus zweiter Hand liegt im Trend. Das spürt auch der „Er-Sie-Es Second Hand Shop“ der Ökumenischen Initiative an der Kaiserstraße.

Kleidung aus zweiter Hand zu kaufen, ist nicht nur für Menschen interessant, die wenig Geld für Kleidung ausgeben können oder wollen. Bereits getragene Kleidungsstücke zu kaufen ist ein umweltschonender und nachhaltiger Ansatz und auch eine Ausdrucksform von individuellem Stil. Besonders junge Menschen suchen nach Kleidungsstücken, die man nicht nachkaufen kann.

Durch Second Hand-Shops zu stöbern macht besonders dann Spaß, wenn man ein günstiges Einzelteil findet, das man noch nie zuvor gesehen hat. Überholt ist die Geschichte von Sankt Martin und seiner Mantelteilung deswegen aber nicht. „In unserem Geschäft kaufen alle Alters- und Einkommensgruppen ein. Ein Professor kommt zum Beispiel aus Überzeugung hierher, junge Menschen aus Neugier und Menschen mit wenig Einkommen, weil unsere Preise klein sind. Es geht also schon ums Teilen“, sagt Gertrud Hintz. Sie kümmert sich zusammen mit ihrer Kollegin Christa Heilmann um das Geschäft „Er-Sie-Es Second Hand Shop“ der Ökumenischen Initiative an der Kaiserstraße.

In dem Ladenlokal landen Kleiderspenden aus Radevormwald und umliegenden Städten, die dann vor Ort verkauft werden. Gertrud Hintz und die anderen Mitarbeiter achten darauf, dass die Kleidungsstücke sauber, fehlerfrei und modisch sind. Mehrmals am Tag empfangen sie Spenden, die dann im Hinterzimmer für den Verkauf vorbereitet werden. Nicole Michalak kontrolliert die Kleidungsstücke und auch die Taschen. „In Jacken und Mänteln finden wir immer mal wieder Geld oder Schlüssel. Wertgegenstände heben wir auf oder machen den Besitzer direkt ausfindig. Einzelne Münzen landen in der Kaffeekasse“, sagt sie.

Nicole Michalak ist auch für die Schaufenster des Geschäfts verantwortlich. Sie dekoriert mehrfach in der Woche um und lockt damit Kunden an. „Manche Kunden kommen jeden Tag, um die neue Ware zu sichten und sich die besten Teile zu sichern“, sagt sie.

Während es für viele Menschen ganz normal und ein Vergnügen ist, in dem Geschäft der Ökumenischen Initiative einzukaufen, sind andere gehemmt. „Es gibt leider immer noch Menschen, die den Besuch eines Second Hand-Geschäfts mit Scham verbinden. Diese Bedenken legen sich aber meistens, wenn sie zum ersten Mal bei uns eingekauft haben“, sagt Gertrud Hintz, die sich seit zwölf Jahren in dem Geschäft engagiert. Sie staunt täglich darüber, welche Kleidungsstücke gespendet werden. „Viele Teile sind neu und ungetragen. Menschen, die zu viel haben oder sich jede Saison neu einkleiden, spenden gerne und unterstützen damit die Projekte der Ökumenischen Initiative“, sagt sie.

In diesem Jahr wurde so viel wie lange nicht mehr gekauft. Das Interesse an Second Hand-Mode ist aus mehreren Gründen gestiegen. „Durch die Corona Krise sind Menschen verunsichert worden und wollen Geld sparen, andere sind in Kurzarbeit oder haben einfach mehr Zeit. Dieses Jahr haben auch viele Menschen die Zeit genutzt, um auszumisten und sich von Kleidungsstücken zu trennen, die sie nicht mehr tragen“, sagt Gertrud Hintz. Hinzu kommt das stärkere Bewusstsein für Nachhaltigkeit. „Sowas haben wir noch nie erlebt, 2020 war unser bestes Jahr.“

Verkauft wird an der Kaiserstraße aber nicht nur Herren- und Damenmode, sondern auch Porzellan und kleine Accessoires für das eigene Zuhause.