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Radevormwald: Endlich wieder ein warmes Mittagessen

Radevormwalder Mittagstisch startet durch : Endlich wieder ein warmes Mittagessen

Der Radevormwalder Mittagstisch feiert 2021 das 25-jährige Bestehen. Ob 2022 gefeiert wird, ist unklar. Seit dieser Woche wird aber wieder warm gekocht. Und im Untergeschoss des Bürgerhauses gibt es die Lebensmitteltaschen.

Der Radevormwalder Mittagstisch hat die Corona-Pandemie mit Bravour gemeistert. Auch in den harten Lockdowns wurden Lebensmitteltaschen an bedürftige Menschen verteilt, seit dieser Woche gibt es auch wieder warmes Mittagessen. Der Mittagstisch konnte aufgrund der Pandemie fast zwei Jahre nicht stattfinden. Dienstagmorgen wurden die Lichter in der Küche im Haus Hürxthal am Schlossmacherplatz wieder angeknipst, die Töpfe erhitzt, Gemüse und Fleisch geschnitten. „Es gibt Rindergulasch mit Nudeln, frischen Salat und einen Nachtisch aus Quark und frischem Obst“, kündigt Koch Armin Klein-Ellinghaus an, der seit sieben Jahren für den Mittagstisch kocht.

Unterstützt wird er in der Küche von dem gelernten Metzgermeister Rudi Bornewasser und den Helferinnen Birgit Kirschsieper und Irmgard Greb. Zusammen bereiteten sie das erste warme Mittagessen seit vielen Monaten zu. „Wir rechnen mit 30 Gästen. Dass es dienstags wieder Mittagessen gibt, muss sich erst noch rumsprechen“, sagt Bernd Hermann, der den Mittagstisch mit Katrin Schmidt leitet.

 Das Team um Bernd Hermann (r.) vom Mittagstisch bereitet die Lebensmitteltaschen mit Brot, Salat und Obst vor.
Das Team um Bernd Hermann (r.) vom Mittagstisch bereitet die Lebensmitteltaschen mit Brot, Salat und Obst vor. Foto: Jürgen Moll
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Vor der Pandemie hat das ehrenamtliche Team jede Woche Mittagessen für mehr als 70 Menschen gekocht. Diese Zahl wird der Mittagstisch in den kommenden Wochen sicher wieder erreichen. Vor dem Haus Hürxthal war am Dienstag schon weit vor der offiziellen Öffnungszeit Betrieb. Menschen versammelten sich auf dem Platz, um ins Gespräch zu kommen. Der Rader Mittagstisch ist nicht nur ein Ort, um satt zu werden, sondern ein Ort, um soziale Kontakte zu pflegen und sich das Herz auszuschütten. „Dass wir wieder kochen und die Menschen in Kontakt bringen können, ist toll und sehr wichtig für alle Beteiligten“, sagt Hermann.

Zutritt zum Speiseraum im Haus Hürxthal bekommen nur Menschen, die einen 3G-Nachweis haben. Diejenigen, die nicht geimpft, genesen oder negativ auf das Coronavirus getestet sind, werden aber nicht hungrig nach Hause geschickt. „Wir haben To-Go-Behältnisse gekauft, um das Mittagessen auch vor der Haustür auszugeben“, erklärt Hermann.

Während im Haus Hürxthal gekocht wurde, herrschte einige Meter weiter ebenfalls Hochbetrieb. Die Lebensmitteltaschen werden weiterhin auf der ehemaligen Kegelbahn im Untergeschoss des Bürgerhauses gepackt und ausgegeben. Während das Rindergulasch in den letzten Zügen war, wurden im Bürgerhaus Lebensmittelspenden gesichtet und nach Haltbarkeit und Art sortiert. Jeden Dienstag verwandelt sich das Untergeschoss des Bürgerhauses in eine Art Supermarkt. Das frische Obst und Gemüse, die Aufstriche, Brote und andere Lebensmittel holen die Helfer des Mittagstisches montags und dienstags bei drei Supermärkten und zwei Bäckereien in Radevormwald ab. „Das Spendenaufkommen war auch im Lockdown gut. Damals haben wir die Taschen fertig gepackt und im Stadtgebiet verteilt“, sagt Hermann. Hilfe hat der Mittagstisch dabei unter anderem vom Sozialamt der Stadt bekommen sowie von Mitgliedern des Sportvereins SC 08. „Wir haben in der Pandemie viel Unterstützung und Zusammenhalt erfahren“, lobt Hermann.

Mittlerweile können sich die Menschen, die sich Lebensmittelspenden im Bürgerhaus am Schlossmacherplatz abholen, ihre Produkte wieder selber aussuchen. Jeden Dienstag zwischen 10.30 und 12 Uhr können Lebensmitteltaschen gepackt und mit nach Hause genommen werden. Für dieses Angebot ist kein 3G-Nachweis nötig.

Indem der Mittagstisch jetzt wieder ein warmes Mittagessen zubereitet, feiert er auch sein 25-jähriges Bestehen in einem kleinen Rahmen. Katrin Schmidt engagiert sich seit dem Jahr 2000 für den Radevormwalder Mittagstisch. „Das Wartburghaus war für lange Zeit unser Zuhause, aber an unserem neuen Standort fühlen wir uns auch sehr wohl. Wir sind angekommen“, sagt sie. In der Zeit von Hermanns ehrenamtlichem Engagement war das Jahr 2015 ein prägendes Ereignis. „Als die Grenzen geöffnet wurden, hatten wir wahnsinnig viel zu tun. Auch in Radevormwald haben Flüchtlinge gewohnt, die den Mittagstisch besucht haben. Damals haben wir jede Woche für mehr als 130 Menschen gekocht“, erinnert er sich. Auch in diesen turbulenten Zeiten hat der Mittagstisch es geschafft, eine familiäre Atmosphäre zu bewahren. „Bei uns war es immer ruhig und friedlich. In allen Jahren, das ist etwas Besonderes“, sagt Katrin Schmidt.

Ob das Jubiläum im nächsten Sommer groß nachgefeiert wird, steht noch nicht fest, aber erste Ideen wurden bereits entwickelt. „Vielleicht können wir einen großen langen Mittagstisch über den Marktplatz aufbauen“, sagt Hermann.

Nach dem gelungenen Auftakt in dieser Woche, geht es in den kommenden Wochen also wie gewohnt weiter. An jedem Dienstag gibt es ein warmes Mittagessen im Haus Hürxthal sowie die Lebensmitteltaschen im Untergeschoss des Bürgerhauses.