Radevormwald: Eisenbahner tauschten Erinnerungen aus

Bahnhistorie Radevormwald : Die „Großfamilie Bahn“ trifft sich in Bergerhof

Erinnerungen an die alten Zeiten der Bahnhöfe wurden wach.

Nur bis 1976 fuhren Personenzüge durch Radevormwald, vier Jahre später wurde auch der Güterverkehr eingestellt. In der Stadt waren zu dieser Zeit über 50 Mitarbeiter der Eisenbahn, auch Bahner genannt, beschäftigt. Sie wurden zwar nach der Stilllegung versetzt, aber trotzdem war die Zeit auf Radevormwalder Gebiet etwas ganz besonderes für alle.

Weil der Zusammenhalt der Kollegen schon damals gut war, treffen sich die Bahner auch heute noch regelmäßig. Edmund Biekowksi trommelte seine Freunde und Kollegen diesen Samstag erneut zusammen. Dieses Mal trafen sie sich im „Bistorante“ an der Elberfelder Straße und kehrten damit in einen Stadtteil zurück, der ihnen am Herzen liegt, denn der Bahnhof Bergerhof war schon immer zentraler Treffpunkt der Bahner. Für Biekowski, der 48 Jahre bei der Bahn beschäftigt war, und alle anderen Radevormwalder gehörte die Bahn zu den zuverlässigsten Transportmittel zwischen der Innenstadt und den Ortschaften Kräwinklerbrücke, Krebsöge, Dahlhausen, Dahlerau und Remlingrade. Heute liegen die nächsten Bahnhöfe in Remscheid-Lennep, Schwelm oder Wuppertal Oberbarmen.

Beim Treffen waren auch viele Frauen dabei. Ihre Männer haben bei der Bahn gearbeitet, sind aber mittlerweile verstorben. Zu den Treffen kommen sie trotzdem. „Die Frauen haben immer mit dazugehört. Wir haben damals schon oft etwas zusammen unternommen“, sagt Ilse Schäfer. Ihr Mann Willi ist vor einigen Jahren verstorben. Als die Bahnstrecke in Radevormwald der Vergangenheit angehörte, änderte sich das Leben der damals jungen Familie. „Mein Sohn war traurig, weil er seinen Papa dann nicht mal eben, auf dem Schulweg, am Bahnhof besuchen konnte“, sagt Ilse Schäfer. Die Radevormwalderin hat ihren Mann über die Bahn kennengelernt. „Ich war selber Bahnerin, aber ich habe im Büro gearbeitet“, sagt sie. Zu der Großfamilie Bahn gehört auch Margot Beyer. Sie hat ausschließlich positive Erinnerungen an die Zugverbindung, die Radevormwald und seinen Bewohnern Unabhängigkeit ermöglichte. Die Stilllegung war ein bitterer Moment. „Ich halte es bis heute für die falsche Entscheidung“, sagt die Seniorin. Beim Treffen im „Bistorante“ gab es aber wenig bittere Momente, sondern ausschließlich Gelächter, Frohsinn und Zusammenhalt.