Radevormwald: Eine schöne Bescherung mit viel Komik

Theater in Radevormwald : Eine schöne Bescherung mit viel Komik

Das Theaterstück „Schöne Bescherung“ war ein lustiger Einstieg in die Vorweihnachtszeit. Herrlicher Weihnachtswahnsinn im Bürgerhaus.

Das war eine schöne Bescherung für alle Besucher des Kulturkreises am Mittwochabend, denn die gleichnamige Komödie überzeugte in der ersten Szene. Das Rheinische Landestheater Neuss (RLT) gab den Zuschauern mit „Schöne Bescherung“ von Alan Ayckbourn, in der deutschen Fassung von Max Faber, einen Einblick in den Weihnachtswahnsinn einer ganz normalen Familie. Aber welche Familie ist an Weihnachten schon normal? Jede Familie hat ihre eigenen, oft skurrilen Traditionen, die irgendwie herzerwärmend, aber auch gleichzeitig nervtötend sind.

Im Fall von Belinda und Neville, gespielt von Antonia Schirmmeister und Peter Waros, bedeutet Weihnachten, dass sich ihr Haus in einen Hort verwandelt, der nicht nur Verwandtschaft, sondern auch Freunde und deren Freunde hütet. Die Zuschauer blickten in einen hell erleuchtenden Wohnraum, in dem vielen Handlungen gleichzeitig zu entdecken waren. Wie in einem Wimmelbild konnten sich die Zuschauer aussuchen, auf welche Handlungen sich sich konzentrierten. Während Belinda den Baum schmückte, baute Onkel Bernard (Ulrich Rechenbach) sein Puppentheater auf und seine Frau Pyhllis (Mirjam Schollmeyer) kämpfte in der Küche gegen Braten, Sauce und ihr Alkoholproblem. Onkel Harvey alias Carl-Ludwig Weinknecht sah entweder Fernsehen oder stellte seinen 65 Jahre alten Astralkörper zur Schau.

In diesem ganzen Trubel kriselte die Ehe von Eddie und Patty, die von den Schauspielern Niklas Maienschein und Juliane Pempelfort gespielt werden. Treffsichere Dialoge und überspitzt dargestellte Nervenzusammenbrüche brachten das Publikum zum Lachen. Noch etwas wahnsinniger wurde es, als Clive (Benjamin Schardt), an der Tür klingelte. Der Schriftsteller ist auf Einladung von Familienmitglied Rachel (Anna Lisa Grebe) angereist und stellt für die Frauen der Gesellschaft eine willkommene Abwechslung dar. Dass Rachel sich für den Schriftsteller interessiert, spielt keine Rolle. Clive wird von allen Seiten begehrt und als der Exot gefeiert. Ein Schriftsteller ist schließlich deutlich interessanter, als der eigene Ehemann, der ohnehin immer früh mit Wärmflasche ins Bett geht.

Nachdem Phyllis schnell abblitzte, spitzt sich der Flirt zwischen Belinda und Clive zu. Nicht ganz zufällig treffen die beiden sich im Wohnzimmer, während alle anderen schlafen. Belinda will sich ihre emotionalen und erotischen Sehnsüchte unter dem Weihnachtsbaum erfüllen, doch auf einmal klingelt und blinkt der Weihnachtsbaum los. Das ganze Haus ist wach und erwischt die beiden in flagranti. Der Weihnachtswahnsinn ist nicht mehr aufzuhalten und eskaliert.

Frohe Weihnachten wünscht das Landestheater mit einer tragischen Komödie, die den Zuschauern den Spiegel vorhält, denn in Teilen der Handlung haben sich am Mittwoch sicherlich alle wiedererkannt.

Sehr gelungen sind bei der Inszenierung nicht nur die Dialoge, und die Zeichnung der Charaktere, sondern auch das Spiel mit Zeitlupen und Szenen, die das Fest im Zeitraffer zusammenfassen. Bei erhöhter Geschwindigkeit handeln die Schauspieler das gemeinsame Festessen ab, räumen auf und geben dem Publikum damit die Möglichkeit, drei Tage Festlichkeit an einem Abend mitzuerleben.

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