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Radevormwald: Eine neue Heimat mitten in der Natur

Stadtteilserie Wintershaus : Eine neue Heimat mitten in der Natur

Die kleine Ortschaft Wintershaus zählt mit 410 Meter über Null zu den höchsten Ortschaften der Stadt Radevormwald.

Bekanntlich fällt in Rade aufgrund der Höhenlage im Winter immer besonders viel Schnee. Die kleine Ortschaft Wintershaus ist da keine Ausnahme und macht ihrem Namen alle Ehre. Mit 410 Meter über Null zählt sie zu den höchsten Ortschaften der Stadt. Selbst die B 229 ist dann von den Schneemassen blockiert. „Zwei bis dreimal pro Winter ist die Straße zu. Es gibt dann kein Durchkommen“, berichten Peter Peeraer (57) und Lebensgefährtin Dagmar Plank (57). Seit mehr als 30 Jahren wohnt der Kraftfahrer aus Belgien in Rade. In Wintershaus hat er sich, umgeben von viel Natur, eine neue Heimat geschaffen.

Früher war Wintershaus eine bäuerliche Ortschaft. „Ralf Braselmann war der letzte Kleinbauer, der die Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieb. Zu der Zeit hatten wir die Kühe direkt vor der Tür stehen“, erinnert sich das Paar. Das brachte allerdings auch Nachteile mit sich: „Wegen der vielen Fliegen konnte man kein Fenster öffnen.“ Heute genießen Peter Peeraer und Dagmar Plank die Aussicht über die Wiesen und Felder bis nach Halver und zur Rader Innenstadt. „Silvester braucht man nur die Stühle auf die Wiese stellen und kann das Feuerwerk beider Städte sehen“, berichtet der Belgier und lacht.

Die Wintershausener pflegen eine gute Nachbarschaft, auch wenn die älteren Einwohner überwiegend verstorben sind. „Früher ist man einfach beim Nachbarn reingegangen, hat sich an den Tisch gesetzt und ein Bier bekommen“, erinnert sich der 57-Jährige. Das wäre heute zwar auch noch so, allerdings nicht mehr so oft. Dennoch kommen die Anwohner zum Osterfeuer zusammen oder feiern gemeinsam Geburtstag. „Zum Osterfeuer kommen auch die Leute, die schon von Wintershaus weggezogen sind“, berichtet Peeraer. Erst vor kurzem traf sich die Nachbarschaft zu einer gemütlichen Baustellen-Party mit Frühschoppen. Die Sperrung der Bundesstraße im Juli und August zwischen den Eich und Linde bescherte auch den Anwohnern in Wintershaus ein paar verkehrsfreie und ruhige Wochen. „Es war eigentlich geplant, an der Bushaltestelle zu feiern, aber da standen an diesem Tag die ganzen Baumaschinen“, erzählt Dagmar Plank. Daher sei man spontan zum Grillen auf den Hof ausgewichen.

Jetzt rollt der Verkehr zwar wieder an der Ortschaft vorbei, jedoch ein wenig leiser als zuvor. Da die Straße neu geteert wurde, seien nun auch die Schlaglöcher verschwunden. „Das hat ganz schön gescheppert, wenn die Lkw da drüber gefahren sind“, sagt Peter Peeraer.

Froh sind die Anwohner darüber, dass ihre Ortschaft überhaupt noch so vereint ist. „Es gab die Absicht, die Straße zu begradigen, die dann quer durch Wintershaus geführt hätte“, erinnert sich der Anwohner an die damalige Planung, die dann aber an einem abgelaufenen Bauantrag gescheitert sein soll.

Nach Deutschland kam der Belgier, da er als Soldat der Belgischen Armee in Lüdenscheid stationiert war. Im Staatsforst bei Wintershaus hätte es ein Munitionsdepot der Kasernenanlagen Wuppertal gegeben, das erst vor etwa 15 Jahren aufgegeben wurde.

Da Wintershaus abseits der Stadt liegt und auch das Internet recht langsam ist – der nächste Verteiler steht eineinhalb Kilometer entfernt in Grüne – bleibt den Anwohnern viel Zeit für Beschäftigungen in der Natur. Plank und Peeraer sind oft mit dem Wohnwagen unterwegs, nutzen ihre Freizeit für lange Spaziergänge mit Bordercollie Niko und den Garten mit mehreren Obstbäumen. Auch Holz für den Kamin spaltet der Heimwerker selbst. Eine nützliche Vorsorge, um gut über den nächsten Winter zu kommen.