Leben in den Wupperorten in Radevormwald Ein Zuhause für kleine Wildbienen bauen

Wupperorte · Beim zweiten Termin des Projekts „Go Green Wupper“ bastelten Kinder aus dem Quartier neben dem Jugendzentrum „Life“ Wildbienenhotels. Zusätzlich gab es viele Informationen über die Insekten.

 Handwerkliches Geschick: Jens Grefrath mit Sohn Liam (7) und Alina Koppelberg vom Jugendtreff „life“.

Handwerkliches Geschick: Jens Grefrath mit Sohn Liam (7) und Alina Koppelberg vom Jugendtreff „life“.

Foto: Jürgen Moll

Es wird gebohrt und diskutiert, wohin die Löcher sollen, wie viele es sein müssen und wie groß sie werden sollen. Auf der Wiese neben dem Kinder- und Jugendtreff „Life“ auf der Brede ist eine kleine Gruppe Kinder mit einigen Erwachsenen dabei, im Zuge des mehrteiligen Projekts „Go Green Wupper“ Hotels für Wildbienen zu basteln. Das geschieht unter Anleitung von Manuela Thomas von der Bergischen Agentur für Kulturlandschaft.

„Wir haben uns zuerst über die Wildbienen informiert, haben etwa ein kleines Quiz gemacht oder Filme angesehen. Denn die meisten kennen ja nur die normalen Honigbienen, dabei gibt es ganz viele Wildbienenarten, die mit dem klassischen Bienenstock der Honigimker nicht viel zu tun haben“, sagt Manuela Thomas. Anleitungen für die Bienenhotels habe ihr die Biologische Station zur Verfügung gestellt.

Es ist ein schönes Bild, wie die Kinder mit ihren Müttern und Vätern oder auch mit Einrichtungsleiter Jochen Pries oder Mitarbeiterin Alina Koppelberg jede Menge Löcher in die kleinen Holzstämme bohren. „Wir bieten im Life die Räume für den Workshop an, das Angebot ging an die Kinder im Quartier“, sagt Alina Koppelberg, die den Offenen Treff leitet. Ziel sei, den Kindern das Thema Umweltbewusstsein näherzubringen. „Es soll aber auch grün werden im Quartier“, sagt sie – und verweist auf den zweiten Termin, bei dem eine große Wildblumenwiese ausgesät wurde. Aber es gehe auch um Quartiersarbeit – darum, die Eltern mit ins Boot zu holen.

Für Jochen Pries sind es Projekte wie „Go Green Wupper“, die dafür sorgen, dass das Quartier aufgewertet wird. „Wir wollen möglichst viele und unterschiedliche Sachen anbieten – dabei auch Aktionen, die für die Kinder nicht ganz alltäglich sind. Das kann beim Kochkursus etwa eine Paprika sein, die nicht jedes Kind kennt“, sagt er. Oder die Herstellung von Wildbienen-Hotels. „Dazu kommt, dass wir hier bemerken, dass das Quartier sich im Moment verjüngt, es passiert hier ein Wandel, bei dem wir als Jugendzentrum mit dabei sein wollen“, sagt Pries. Hier könne auch die noch relativ neue Mitarbeiterin Alina Koppelberg helfen, die einen sehr guten Draht zu den jüngeren Kindern habe.

Manuela Thomas wiederum ist gerade ganz bei der Sache, unterhält sich mit den Kindern und beantwortet ihre Fragen. Etwa die eines kleinen Mädchens, das wissen will, ob die Wildbienen stechen würden. „Nein, das machen Wildbienen nicht. Die interessieren sich gar nicht für dich. Ich habe auf meinem Balkon auch ein Wildbienenhotel stehen, die gucken gar nicht nach mir“, sagt sie. „Da kann überhaupt nichts passieren, probier’s einfach aus!“ Es gebe so viele unterschiedliche Wildbienen, darunter richtige Spezialisten, sagt sie. „Eine Art fliegt nur Glockenblumen an – wenn man denen etwas Gutes tun will, dann sollte man solche Blumen anpflanzen“, sagt Manuela Thomas.

Der siebenjährige Liam ist mit seinem Papa gekommen. „Ich habe schon einige Löcher gebohrt, mein Wildbienenhotel ist also schon fertig, das stellen wir gleich irgendwo zu Hause auf“, sagt er stolz. Sein Papa habe ihm gezeigt, wie er mit der Bohrmaschine umzugehen habe, wie er sie halten müsse und wie die Löcher gebohrt würden. Mit diesem Wissen geht der Junge weiter zu Werk. Denn jetzt schleppen mehrere Teilnehmer einen großen Baumstamm mit mehreren dicken Ästen herbei. „Das wird ein ganz großes Wildbienenhotel. Das stellen wir dann auf der Wildblumenwiese auf“, sagt Manuela Thomas. Die Kinder malen dann mit einem roten Stift ein Gesicht aus Punkten auf den Stamm, das dann durch gebohrte Löcher zum Grinsegesicht wird.

Der neunjährige Anis war schon beim Anlegen der Wildblumenwiese dabei. Er ist aufgeregt, und ihm gefällt auch der zweite Teil des „Go-Green-Wupper“-Projekts. „Das Basteln macht mir total viel Spaß, ich habe auch das Quiz gerne mitgemacht und fand es toll, da neue Dinge zu lernen“, sprudelt es aus dem Jungen heraus. Er wisse schon, wohin er sein kleines Wildbienenhotel stellen werde. „Ich habe zu Hause auch eine kleine Wildblumenwiese gepflanzt, da kommt das Hotel dann auch hin“, sagt er. Er fasst zusammen: „Wenn man bei so einem Projekt mitmacht, lernt man sehr viel – und bekommt auch ein bisschen mehr Mut.“

Dann nimmt er einen Akkuschrauber, geht zum Baumstamm, der auf dem Gras liegt und schon die ersten Löcher hat, setzt die Maschine an und bohrt das nächste Loch für eine kleine Wildbiene.