Radevormwald: Ein ganz besonderer "Führerschein"

Engagement für junge und ältere Menschen: Schüler machen den Sozialführerschein

19 Schülerinnen und Schüler aus Radevormwald haben ehrenamtliche Einblicke in soziale Berufe getan. Dafür erhielten sie nun ein Zertifikat, das ihnen auch bei einer Bewerbung helfen kann.

Wer als junger Mensch ins Leben startet, der denkt meist daran, den Pkw-Führerschein zu machen. Einen anderen Führerschein haben nun Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen aus Radevormwald gemacht. Der „Sozialführerschein“ ist ein Zertifikat, das belegt, dass der Besitzer bzw. die Besitzerin sich ehrenamtlich in einer sozialen Tätigkeit engagiert hat.

Dieses Projekt mit Namen Weitblick läuft in Radevormwald bereits seit Jahren. Koordiniert wird es durch den „Standortlotsen“ Horst Kirschsieper. Gestern empfing er im Haus Burgstraße 8 jene 19 Jugendlichen, die in den vergangenen Monaten Erfahrungen in Kindergärten, bei der Flüchtlingshilfe, bei der Seniorenbetreuung und in anderen sozialen Bereichen gesammelt haben.

Auch im Sana-Krankenhaus haben einige der Schüler mitgeholfen. Christian Dick von der Pflegedirektion äußerte sich gestern geradezu begeistert über den Einsatz der Jugendlichen. „So eine tolle Truppe hatten wir noch nie!“.

Ein Aspekt, der erwähnt werden sollte: Ein Zertifikat, wie es der Sozialführerschein ist, macht sich gut in einer Job-Bewerbung. „Das zeigt, dass ihr über den Tellerrand der Schule hinaus geschaut habt“, sagt die stellvertretende Landrätin Ursula Mahler, die Glückwünsche von Landrat Jochen Hagt überbrachte. Für den Rader Bürgermeister Johannes Mans, der wegen Terminen absagen musste, war der stellvertretende Bürgermeister Ralf-Udo Krapp gekommen. Auch er war voll des Lobes für die Jugendlichen. „Ich freue mich über euren Mut und eure Einstellung“, sagte er. „Nicht alle Menschen sind bereit, zum Beispiel älteren Menschen zu helfen.“ Wer sich entscheide, in einem dieser Berufe später zu arbeiten, der habe auf diese Weise schon wertvolle Erfahrungen gesammelt. Tatsächlich: Auf die Frage, wer sich vorstellen könnte, später in dem Beruf zu arbeiten, den er oder sie kennengelernt hat, gingen sofort sieben Finger nach oben. Fälle, in denen das auch real wurde, sind Hans Kirschsieper bekannt.

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In einer Gesprächsrunde erzählten einige Schüler von ihren Erlebnissen während des „Weitblick“-Projektes. David van der Meulen, der die Armin-Maiwald-Schule besucht, als Ehrenamtler bei der Christengemeinde in Wuppertal als Deutschlehrer für Flüchtlinge gearbeitet.

Nadja Bosniakowsky vom Theodor-Heuss-Gymnasium hat dagegen Erfahrungen bei „Rade integrativ“ gesammelt, einem Verein, der Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung die Möglichkeit gibt, Freizeitangebote zu erleben. „Wir waren unter anderem in einem Klettergarten und auf einer Bowlingbahn“, berichtete die Schülerin.

Für Institutionen, die sich an „Weitblick“ beteiligen möchten, ist Innerhalb des Projektes unter anderem für die nötige Unfall- und Haftplichtversicherung gesorgt, Fahrtkosten werden erstattet, Arbeitsmaterialien bereit gestellt. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich über die Kommunen hinaus im Oberbergischen Kreis mit anderen Ehrenamtlern zu vernetzen.

Ein großer Dank gehe natürlich auch an jene Radevormwalder Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen, erklärten die Organisatoren. Im Oberbergischen Kreis sind bislang schon 850 Sozialführerscheine verliehen worden. Wer sich interessiert für diese Initiative, der kann sich in der Zentrale in Gummersbach informieren, erreichbar unter der Telefonnummer 02261 88-1270, Fax: 02261 88-972-1270, E-Mail: weitblick@obk.de, Internet: www.obk.de/weitblick.