Radevormwald: Ehedrama auf der Bühne des Bürgerhauses

Kulturkreis Radevormwald : Furioses Ehedrama auf der Theaterbühne

„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee wird vom Rheinischen Landestheater aufgeführt.

Auch wenn der Titel Theaterbesucher immer irritiert hat – „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee ist ein Bühnenklassiker geworden. Erstmals 1962 am Broadway in New York aufgeführt, gilt das Stück als „Mutter des modernen Ehedramas“, wie der Kulturkreis Radevormwald mitteilt, der gemeinsam mit dem Rheinischen Landestheater Neuss das Werk auf die Bühne des Bürgerhauses bringt.

Manche werden vielleicht die Verfilmung des Stücks mit Richard Burton und Elisabeth Taylor aus dem Jahr 1966 kennen – beide bekanntlich auch im Privatleben ein Paar mit einem turbulenten Eheleben. Doch die Dramatik des sich entladenden Ehe-Gewitters live auf der Bühne zu erleben, ist immer etwas Besonderes. Das Stück ist eine emotionale Herausforderung für Schauspieler und Publikum, die brillanten, scharfen, böse-witzigen Dialoge sind jedoch ein intellektuelles Vergnügen.

Albees Werk schaut hinter die Fassade einer scheinbar heilen Ehe. Martha und George, beide aus der gebildeten Mittelschicht, kommt nach einem Empfang nach Hause, schon recht angetrunken. Es klingelt – vor der Tür steht ein junges Paar, Putzi (im Original: Honey) und ihr Mann Nick. Es sind neue Collegekollegen von George. Wenig erbaut von dem überraschenden Besuch beginnt der Ehemann Streit mit seiner Frau. Nach und nach kommt die seit Jahren angesammelte Erbitterung hervor – die Ehe, so scheint es, war ein Fehlschlag, Wünsche und Träume sind gescheitert, die äußere Fassade ihres Lebens widert beide an. Eigentlich, so scheint es, kann diese Beziehung nichts mehr retten. Doch im Morgengrauen verändert eine dramatische Enthüllung alles...

Edward Albee (1928 - 2017) war mit dem Stück „Die Zoogeschichte“ (The Zoo Story) bekannt geworden. Zu dieser Zeit galt er als Vertreter des absurden Theaters, wie Samuel Beckett es verkörperte. Doch „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ knüpft an ältere Vorbilder an, zum Beispiel August Strindberg, in dessen Theaterstücken ebenfalls oft zerrüttete Ehen und der „Kampf der Geschlechter“ thematisiert werden.

Noch ein anderer Skandinavier, der Norweger Henrik Ibsen, schimmert durch. Ibsen entwickelte das moderne Gesellschaftsdrama, in dem sich in den Dialogen der Darsteller nach und nach das enthüllt, was man vor der Außenwelt gerne verbergen würde.

Albees Stück ist nicht zuletzt eine Abrechnung mit dem „American Dream“, der Vorstellung, das harte Arbeit und Strebsamkeit automatisch zu Wohlstand und Glück führen – was bei Martha und George gründlich daneben gegangen ist. Tatsächlich hatte Albee schon Jahre zuvor ein Stück mit dem Titel „The American Dream“ verfasst, der diesen Glauben aufs Korn nimmt.

In Deutschland hat Albee übrigens immer ein verständnisvolles Publikum gefunden, hier wurde er gespielt und anerkannt, als er in seiner amerikanischen Heimat noch als kurioser Außenseiter galt.

Wer sich einen Eindruck von der Aufführung machen möchte, die bereits sehr gute Kritiken bekam, findet einen Trailer auf der Internetseite des Rheinischen Landestheaters unter www.rlt-neuss.de.